Changes for page [2023] Positionspapier Klimaschutz und Klimagerechtigkeit
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... ... @@ -1,1 +1,1 @@ 1 -Positionspapier Klimaschutz und Klimagerechtigkeit (2022)1 +Positionspapier Klimaschutz und Klimagerechtigkeit - Author
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... ... @@ -1,1 +1,1 @@ 1 -XWiki. Valentin1 +XWiki.Theresa - Content
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... ... @@ -1,124 +1,367 @@ 1 -**Antragstext** 2 - 3 - 1 +Antragstext 4 4 Die Auswirkungen der Klimakrise sind längst mess- und sichtbar. Die gesellschaftlichen und historischen Ursachen sind vielfach wissenschaftlich belegt. Neben erheblichen sozialen und ökonomischen Problemen drohen durch eine weitere Erhitzung des globalen Klimas irreversible Schäden für Natur und Umwelt. Wir leben im Zeitalter des Kapitalozäns: Der Ursprung der Klimakrise liegt in kapitalistischen und kolonialen Strukturen.[i] Daher sind Länder und Menschen des Globalen Nordens^^1 ^^in besonderem Maße für die Klimakrise verantwortlich. 5 -Historisch gesehen haben sie den Großteil der Treibhausgasemissionen ausgestoßen.[ii] Trotzdem sind Länder und Menschen des Globalen Südens^^ 1^^ schon seit Generationen am stärksten von den Folgen der Umweltausbeutung und der Klimakrise betroffen. Sie gründeten Widerstands- und Umweltbewegungen dagegen. Zudem spüren insbesondere junge und nachfolgende Generationen, von (Mehrfach- )Diskriminierung betroffene Menschen und Menschen in prekären Lebenssituationen die Auswirkungen der Klimakrise in besonderem Maße.3 +Historisch gesehen haben sie den Großteil der Treibhausgasemissionen ausgestoßen.[ii] Trotzdem sind Länder und Menschen des Globalen Südens^^2^^ schon seit Generationen am stärksten von den Folgen der Umweltausbeutung und der Klimakrise betroffen. Sie gründeten Widerstands- und Umweltbewegungen dagegen. Zudem spüren insbesondere junge und nachfolgende Generationen, von (Mehrfach- )Diskriminierung betroffene Menschen und Menschen in prekären Lebenssituationen die Auswirkungen der Klimakrise in besonderem Maße. 6 6 7 -^^1^^ Die Begriffe "Globaler Norden" und "Globaler Süden“ verweisen nicht auf geografische Kategorien. „Mit dem Begriff Globaler Süden wird eine im 8 -globalen System benachteiligte gesellschaftliche, politische und ökonomische Position beschrieben. Globaler Norden hingegen bestimmt eine mit Vorteilen bedachte Position. Die Einteilung verweist auf die unterschiedliche Erfahrung mit Kolonialismus und Ausbeutung, einmal als vor allem Profitierende und einmal als vornehmlich Ausgebeutete“ (glokal 2013). Quelle: glokal 2013: Mit kolonialen Grüßen. Berichte und Erzählungen von 9 -Auslandsaufenthalten rassismuskritisch betrachtet. URL:https:~/~/www.glokal.org/wpcontent/uploads/2013/09/BroschuereMitkolonialenGruessen2013.pdf, S. 8, aufgerufen am 23.09.2023. 10 - 11 -Um die Folgen der Klimakrise einzudämmen, hat sich die internationale Staatengemeinschaft 2015 mit dem Pariser Abkommen darauf verständigt, die globale Erwärmung auf deutlich unter 2 Grad Celsius zu begrenzen und Anstrengungen zu unternehmen, eine maximale Erwärmung von 1,5 Grad Celsius anzustreben. Im März 2023 veröffentlichte der Weltklimarat (IPCC) seinen sechsten Sachstandsbericht, der die gravierende Handlungslücke zur Einhaltung des 1,5 Grad-Ziels deutlich unterstreicht.[iii] Das Fenster, in dem die Erderwärmung noch auf 1,5 Grad begrenzt werden kann, wird sich in wenigen Jahren schließen. Die bisher umgesetzten und geplanten Maßnahmen der Staaten reichen nicht aus, um die im Pariser Klimaabkommen vereinbarten Ziele einzuhalten. Jedes Zehntelgrad Erwärmung hat schwerwiegende Konsequenzen. Unter anderem werden Ökosysteme unwiederbringlich zerstört, Biodiversität geht verloren, Konflikte um natürliche Ressourcen nehmen zu, Extremwetterereignisse treten vermehrt auf und Menschen verlieren ihre Existenzgrundlage und Heimat. Dies ist ein unhaltbarer Zustand. 12 -\\Als NAJU setzen wir uns für junge und marginalisierte Gruppen ein. Deshalb fordern wir einen wirksamen und gerechten Klimaschutz. Ziel ist der Erhalt von Lebensgrundlagen und einer intakten Natur. Deshalb muss eine sozial-ökologische Transformation die globale Erwärmung schnellstmöglich bremsen und die Erfüllung der Grundbedürfnisse aller Menschen sicherstellen. 13 - 14 -**Daher fordern wir:** 15 -\\1. Eine ambitionierte und sozialgerechte Klimapolitik der Bundesregierung sowohl auf nationaler als auch auf internationaler Ebene, die sich an dem 1,5 Grad-Ziel und den dafür aus wissenschaftlicher Sicht notwendigen Maßnahmen orientiert. Dazu müssen die Treibhausgasemissionen in 5 +1 Die Begriffe "Globaler Norden" und "Globaler Süden“ verweisen nicht auf 6 +geografische Kategorien. „Mit dem Begriff Globaler Süden wird eine im 7 +globalen System benachteiligte gesellschaftliche, politische und 8 +ökonomische Position beschrieben. Globaler Norden hingegen bestimmt eine 9 +mit Vorteilen bedachte Position. Die Einteilung verweist auf die 10 +unterschiedliche Erfahrung mit Kolonialismus und Ausbeutung, einmal als 11 +vor allem Profitierende und einmal als vornehmlich Ausgebeutete“ (glokal 12 +2013). 13 +Quelle: glokal 2013: Mit kolonialen Grüßen. Berichte und Erzählungen von 14 +Auslandsaufenthalten rassismuskritisch betrachtet. URL: 15 +https:~/~/www.glokal.org/wp content/uploads/2013/09/BroschuereMitkolonialenGruessen2013.pdf, 16 +S. 8, aufgerufen am 23.09.2023. 17 +Um die Folgen der Klimakrise einzudämmen, hat sich die internationale 18 +Staatengemeinschaft 2015 mit dem Pariser Abkommen darauf verständigt, die 19 +globale Erwärmung auf deutlich unter 2 Grad Celsius zu begrenzen und 20 +Anstrengungen zu unternehmen, eine maximale Erwärmung von 1,5 Grad Celsius 21 +anzustreben. Im März 2023 veröffentlichte der Weltklimarat (IPCC) seinen 22 +sechsten Sachstandsbericht, der die gravierende Handlungslücke zur Einhaltung 23 +des 1,5 Grad-Ziels deutlich unterstreicht.[iii] Das Fenster, in dem die 24 +Erderwärmung noch auf 1,5 Grad begrenzt werden kann, wird sich in wenigen Jahren 25 +schließen. Die bisher umgesetzten und geplanten Maßnahmen der Staaten reichen 26 +nicht aus, um die im Pariser Klimaabkommen vereinbarten Ziele einzuhalten. Jedes 27 +Zehntelgrad Erwärmung hat schwerwiegende Konsequenzen. Unter anderem werden 28 +Ökosysteme unwiederbringlich zerstört, Biodiversität geht verloren, Konflikte um 29 +natürliche Ressourcen nehmen zu, Extremwetterereignisse treten vermehrt auf und 30 +Menschen verlieren ihre Existenzgrundlage und Heimat. Dies ist ein unhaltbarer 31 +Zustand. 32 +\\Beschluss Positionspapier zu Klimaschutz und Klimagerechtigkeit 33 +Seite 2 34 +Als NAJU setzen wir uns für junge und marginalisierte Gruppen ein. Deshalb 35 +fordern wir einen wirksamen und gerechten Klimaschutz. Ziel ist der Erhalt von 36 +Lebensgrundlagen und einer intakten Natur. Deshalb muss eine sozial-ökologische 37 +Transformation die globale Erwärmung schnellstmöglich bremsen und die Erfüllung 38 +der Grundbedürfnisse aller Menschen sicherstellen. 39 +Daher fordern wir: 40 +\\1. Eine ambitionierte und sozialgerechte Klimapolitik der Bundesregierung 41 +sowohl auf nationaler als auch auf internationaler Ebene, die sich an dem 42 +1,5 Grad-Ziel und den dafür aus wissenschaftlicher Sicht notwendigen 43 +Maßnahmen orientiert. Dazu müssen die Treibhausgasemissionen in 16 16 Deutschland auf Nettonull bis 2035 gesenkt werden. 17 -\\2. Eine sozial- und naturverträgliche Energiewende mit einem vollständigen Kohleausstieg in Deutschland bis 2030. 18 -\\3. Eine Reduktion der Treibhausgasemissionen auf europäischer Ebene um mindestens 65 Prozent bis 2030 (im Vergleich zu 1990) sowie das Erreichen der Klimaneutralität auf EU-Ebene bis 2040. 19 -\\4. Die politische und gesellschaftliche Anerkennung, dass der Globale Norden als Hauptverursacher der Klimakrise die größte Verantwortung trägt, 45 +\\2. Eine sozial- und naturverträgliche Energiewende mit einem vollständigen 46 +Kohleausstieg in Deutschland bis 2030. 47 +\\3. Eine Reduktion der Treibhausgasemissionen auf europäischer Ebene um 48 +mindestens 65 Prozent bis 2030 (im Vergleich zu 1990) sowie das Erreichen 49 +der Klimaneutralität auf EU-Ebene bis 2040. 50 +\\4. Die politische und gesellschaftliche Anerkennung, dass der Globale Norden 51 +als Hauptverursacher der Klimakrise die größte Verantwortung trägt, 20 20 während der Globale Süden am stärksten von den Folgen betroffen ist. 21 -\\5. Die politische und gesellschaftliche Anerkennung des Zusammenhangs zwischen Klimakrise, Kolonialismus und Rassismus. Anhaltende koloniale 53 +\\5.Die politische und gesellschaftliche Anerkennung des Zusammenhangs 54 +zwischen Klimakrise, Kolonialismus und Rassismus. Anhaltende koloniale 22 22 Machtstrukturen müssen konsequent abgebaut werden. 23 -\\6. Klimaschutz muss sozial gerecht gestaltet werden. Insbesondere FLINTA*- Personen (Frauen, Lesben, Inter, Nichtbinär, Trans, Agender), BIPoC, 24 -(mehrfach-)diskriminierte Menschen, Menschen in prekären Lebenssituationen und junge Menschen müssen aus Perspektive der Gender-, Generationen- und Klimagerechtigkeit stärker berücksichtigt werden. 25 -\\7.Die Sichtbarmachung von Perspektiven, Umweltbewegungen und Widerstandskämpfen von BIPoC (Black, Indigenous and People of Color). 26 -\\8. Als Industrieland mit einer globalen Verantwortung für die Menschen in den Ländern, die besonders von der Klimakrise betroffen sind, muss Deutschland eine internationale Vorreiterrolle einnehmen. Dies gilt sowohl innerhalb der Europäischen Union als auch bei den Vereinten Nationen. 56 +\\6.Klimaschutz muss sozial gerecht gestaltet werden. Insbesondere FLINTA*- 57 +Personen (Frauen, Lesben, Inter, Nichtbinär, Trans, Agender), BIPoC, 58 +(mehrfach-)diskriminierte Menschen, Menschen in prekären Lebenssituationen 59 +und junge Menschen müssen aus Perspektive der Gender-, Generationen- und 60 +Klimagerechtigkeit stärker berücksichtigt werden. 61 +\\7.Die Sichtbarmachung von Perspektiven, Umweltbewegungen und 62 +Widerstandskämpfen von BIPoC (Black, Indigenous and People of Color). 63 +\\8.Als Industrieland mit einer globalen Verantwortung für die Menschen in den 64 +Ländern, die besonders von der Klimakrise betroffen sind, muss Deutschland 65 +eine internationale Vorreiterrolle einnehmen. Dies gilt sowohl innerhalb 66 +der Europäischen Union als auch bei den Vereinten Nationen. 27 27 28 -9. Das Ende des Raubbaus und der Ressourcenausbeutung insbesondere im Globalen Süden zugunsten des Globalen Nordens. 29 -\\10. Umfangreiche Anpassungen an die bereits messbaren Auswirkungen der Klimakrise zum Schutz der Menschen sowie der natürlichen Lebensgrundlagen. 30 -\\11.Eine Erhöhung der von Deutschland bereitgestellten internationalen Klimafinanzierung auf mindestens 8 Milliarden Euro bis 2025. Das neue 31 -Klimafinanzierungsziel ab 2025 muss sich an den Bedarfen der am stärksten von der Klimakrise betroffenen Länder ausrichten. Deutschland muss sowohl Gelder für die Emissionsminderung und Anpassung als auch zusätzliche Erläuterung und Begründung unserer Forderungen Mittel für den vereinbarten Fond für Klimawandelschäden und -verluste bereitstellen. 32 -\\12.Die Anerkennung der gravierenden Folgen der Klimakrise als Fluchtursache und die Gewährleistung von Schutz für flüchtende sowie schutzsuchende Menschen. 33 -\\13.Den Schutz und die klimaresiliente Renaturierung von Ökosystemen als natürliche Kohlenstoffsenken. 34 -\\14.Eine klimaverträgliche Agrarpolitik, die klimaresiliente Lebensräume schafft und Biodiversität fördert. Zugleich muss die Zukunft für 68 +9.Das Ende des Raubbaus und der Ressourcenausbeutung insbesondere im 69 +Globalen Süden zugunsten des Globalen Nordens. 70 +\\10.Umfangreiche Anpassungen an die bereits messbaren Auswirkungen der 71 +Klimakrise zum Schutz der Menschen sowie der natürlichen Lebensgrundlagen. 72 +\\11.Eine Erhöhung der von Deutschland bereitgestellten internationalen 73 +Klimafinanzierung auf mindestens 8 Milliarden Euro bis 2025. Das neue 74 +Klimafinanzierungsziel ab 2025 muss sich an den Bedarfen der am stärksten 75 +von der Klimakrise betroffenen Länder ausrichten. Deutschland muss sowohl 76 +Gelder für die Emissionsminderung und Anpassung als auch zusätzliche 77 +Erläuterung und Begründung unserer Forderungen 78 +Mittel für den vereinbarten Fond für Klimawandelschäden und -verluste 79 +bereitstellen. 80 +\\12.Die Anerkennung der gravierenden Folgen der Klimakrise als Fluchtursache 81 +und die Gewährleistung von Schutz für flüchtende sowie schutzsuchende 82 +Menschen. 83 +\\13.Den Schutz und die klimaresiliente Renaturierung von Ökosystemen als 84 +natürliche Kohlenstoffsenken. 85 +\\14.Eine klimaverträgliche Agrarpolitik, die klimaresiliente Lebensräume 86 +schafft und Biodiversität fördert. Zugleich muss die Zukunft für 35 35 Landwirt*innen gesichert sein. 36 -\\15.Eine klimaschützende und nachhaltige Mobilität. Insbesondere müssen dabei die unterschiedlichen Voraussetzungen in Städten und auf dem Land berücksichtigt und der Verkehrssektor sozialverträglich transformiert werden. 37 -\\16.Die umfangreiche Sensibilisierung von Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen gegenüber der Klimakrise, ihrer Auswirkungen und der 38 -notwendigen Klimaschutz- und Anpassungsmaßnahmen im Rahmen schulischer und außerschulischer Bildungsarbeit. 39 -\\17.Eine umfassende Beteiligung von Jugendlichen, jungen Erwachsenen und marginalisierten Gruppen bei der Ausgestaltung von Klimaschutzmaßnahmen auf allen Ebenen. 40 -\\18. Eine umfassende sozial-ökologische Transformation, die strukturelle Probleme löst. 88 +\\15.Eine klimaschützende und nachhaltige Mobilität. Insbesondere müssen dabei 89 +die unterschiedlichen Voraussetzungen in Städten und auf dem Land 90 +berücksichtigt und der Verkehrssektor sozialverträglich transformiert 91 +werden. 92 +\\16.Die umfangreiche Sensibilisierung von Kindern, Jugendlichen und 93 +Erwachsenen gegenüber der Klimakrise, ihrer Auswirkungen und der 94 +notwendigen Klimaschutz- und Anpassungsmaßnahmen im Rahmen schulischer und 95 +außerschulischer Bildungsarbeit. 96 +\\17.Eine umfassende Beteiligung von Jugendlichen, jungen Erwachsenen und 97 +marginalisierten Gruppen bei der Ausgestaltung von Klimaschutzmaßnahmen 98 +auf allen Ebenen. 99 +\\18. Eine umfassende sozial-ökologische Transformation, die strukturelle 100 +Probleme löst. 41 41 42 -**Erläuterung unserer Forderungen:** 43 -\\1. Das zur Verfügung stehende CO2-Budget gibt laut Sachverständigenrat für Umweltfragen den Rahmen für den angemessenen und notwendigen Beitrag Deutschlands zur Einhaltung der Pariser Klimaziele vor. Bei linearer Reduktion der Emissionen (basierend auf 2019) müsste Deutschland ab 2038 klimaneutral sein.[iv] Von Fridays for Future Deutschland beauftragt, hat das Wuppertal Institut in einer Studie ermittelt, wie Klimaneutralität bereits 2035 machbar wäre.[v] Dafür notwendig sind ambitionierte Investitionen und ein gesellschaftlicher Umbau. So wird sichergestellt, dass der deutsche Anteil am verbleibenden globalen CO2-Budget für das 1,5 Grad-Ziel nicht überproportional beansprucht wird. 44 -\\2. Der Ausbau der Erneuerbaren Energien ist essenziell für das Erreichen ambitionierter Klimaziele. Insbesondere der Ausbau von Windkraft- und 45 -Photovoltaikanlagen muss dazu massiv vorangetrieben werden. Eine vollständige klimaneutrale Stromversorgung mit Erneuerbaren bis 2035 ist 46 -umsetzbar[vi]und von elementarer Bedeutung. Dazu braucht es erhebliche Investitionen in die Forschung zu erneuerbaren Energien sowie zu Leitungs und Speichertechnologien, den großflächigen Ausbau dieser und den Abbau struktureller und bürokratischer Hürden. Um Erneuerbare Energien mit Arten- und Naturschutz zu vereinen, müssen Herausforderungen deutlich adressiert und abgewogen werden, Fachpersonal befragt und regionale Lösungen umgesetzt werden.[vii] Die Einbindung der Bürger*innen vor Ort ist fundamental für die Akzeptanz der notwendigen Energiewende. Neben dem Ausbau der Erneuerbaren Energien muss der Ausstieg aus fossilen Energieträgern schnell eingeleitet werden. Dafür muss Deutschland bis 2030 aus der Kohleverstromung aussteigen. 47 -\\3. Mit dem Green Deal hat sich die Europäische Union auf den richtigen Weg gemacht. Mit ihrer langfristigen Klimastrategie legt sich die EU fest, bis 48 -2050 Klimaneutralität erreichen zu wollen. Die Erhöhung des europäischen Reduktionsziels bis 2030 auf 55 Prozent kann hier nur ein erster Schritt 49 -sein und muss zeitnah weiter auf 65 Prozent netto (d.h. ohne Anrechnung von Senken) angehoben werden, um auch international ein wichtiges Zeichen zu setzen.[viii] 50 -\\4. Die Länder und Menschen des Globalen Nordens müssen sich über ihre Rolle als Hauptverursacher*innen der Klimakrise bewusst werden, dementsprechend Verantwortung übernehmen und für Schäden und Verluste aufkommen. Sie sind historisch für den größten Anteil der Treibhausgasemissionen verantwortlich und profitieren wirtschaftlich am meisten.[ii] Die Folgen der Klimakrise spüren jedoch nicht alle Länder gleichermaßen. Länder und Menschen des Globalen Südens sind am stärksten von der Klimakrise betroffen. Die von Ländern des Globalen Nordens (insbesondere der EU) forcierten Freihandelsabkommen verschärfen und verfestigen diese Ungleichheiten zusätzlich, indem beispielsweise Umweltprobleme in Länder des Globalen Südens ausgelagert werden. 51 -\\5. Im Zuge des Kolonialismus haben Europäer*innen andere Menschen massenweise verschleppt, versklavt und getötet. Dieses Unterdrückungssystem beruhte auf einer Rassifizierung von Menschen, das heißt auf der Erfindung von hierarchisch geordneten „Menschenrassen“. Dabei ordneten sich weiße Menschen selbst positive Eigenschaften zu, den kolonialisierten, versklavten Menschen ordneten sie hingegen gegensätzliche negative Eigenschaften zu. Neben der Einteilung in Schwarze und weiße Menschen wurde die Welt in weitere hierarchisch geordnete, binäre Gegensatzpaare geteilt, unter anderem in die Kategorien Mann und Frau, heterosexuell und homosexuell, nicht be_hindert und be_hindert usw. Durch diese koloniale Einteilung der Welt schufen sich die Europäer*innen eine Rechtfertigung, um die kolonisierten Menschen auszubeuten, zu unterdrücken und abzuwerten.[ix] Die Bildung von Gegensatzpaaren machte auch vor der Natur keinen Halt: weiße Menschen schrieben kolonisierten Menschen zu, primitiv und naturnah zu sein. Zugleich waren sie der Ansicht, dass sie selbst durch ihr rationales Denken von der Natur entkoppelt seien. Die Natur wird in diesem Denken zu etwas Gestaltbaren und Beherrschbaren. Zugleich wird verleugnet, dass der Mensch als biologisches Wesen Teil von der Natur ist und von natürlichen Ökosystemen abhängig ist. Durch die Abwertung von Natur hat das koloniale Denken die Ausbeutung unserer natürlichen Lebensgrundlagen zugunsten von Profiten ermöglicht. Die Klimakrise hat ihre Wurzeln in diesem Denken. 52 -Diese Zusammenhänge von Klimakrise, Kolonialismus und Rassismus müssen anerkannt und beendet werden, um Klimagerechtigkeit zu 102 +Erläuterung unserer Forderungen 103 +\\1. Das zur Verfügung stehende CO2-Budget gibt laut Sachverständigenrat für 104 +Umweltfragen den Rahmen für den angemessenen und notwendigen Beitrag 105 +Deutschlands zur Einhaltung der Pariser Klimaziele vor. Bei linearer 106 +Reduktion der Emissionen (basierend auf 2019) müsste Deutschland ab 2038 107 +klimaneutral sein.[iv] Von Fridays for Future Deutschland beauftragt, hat 108 +das Wuppertal Institut in einer Studie ermittelt, wie Klimaneutralität 109 +bereits 2035 machbar wäre.[v] Dafür notwendig sind ambitionierte 110 +Investitionen und ein gesellschaftlicher Umbau. So wird sichergestellt, 111 +dass der deutsche Anteil am verbleibenden globalen CO2-Budget für das 1,5 112 +Grad-Ziel nicht überproportional beansprucht wird. 113 +\\2. Der Ausbau der Erneuerbaren Energien ist essenziell für das Erreichen 114 +ambitionierter Klimaziele. Insbesondere der Ausbau von Windkraft- und 115 +Photovoltaikanlagen muss dazu massiv vorangetrieben werden. Eine 116 +vollständige klimaneutrale Stromversorgung mit Erneuerbaren bis 2035 ist 117 +umsetzbar[vi]und von elementarer Bedeutung. Dazu braucht es erhebliche 118 +Investitionen in die Forschung zu erneuerbaren Energien sowie zu Leitungs und Speichertechnologien, den großflächigen Ausbau dieser und den Abbau 119 +struktureller und bürokratischer Hürden. Um Erneuerbare Energien mit 120 +Arten- und Naturschutz zu vereinen, müssen Herausforderungen deutlich 121 +adressiert und abgewogen werden, Fachpersonal befragt und regionale 122 +Lösungen umgesetzt werden.[vii] Die Einbindung der Bürger*innen vor Ort 123 +ist fundamental für die Akzeptanz der notwendigen Energiewende. 124 +Neben dem Ausbau der Erneuerbaren Energien muss der Ausstieg aus fossilen 125 +Energiträgern schnell eingeleitet werden. Dafür muss Deutschland bis 2030 126 +aus der Kohleverstromung aussteigen. 127 +\\3. Mit dem Green Deal hat sich die Europäische Union auf den richtigen Weg 128 +gemacht. Mit ihrer langfristigen Klimastrategie legt sich die EU fest, bis 129 +2050 Klimaneutralität erreichen zu wollen. Die Erhöhung des europäischen 130 +Reduktionsziels bis 2030 auf 55 Prozent kann hier nur ein erster Schritt 131 +sein und muss zeitnah weiter auf 65 Prozent netto (d.h. ohne Anrechnung 132 +von Senken) angehoben werden, um auch international ein wichtiges Zeichen 133 +zu setzen.[viii] 134 +\\4.Die Länder und Menschen des Globalen Nordens müssen sich über ihre Rolle 135 +als Hauptverursacher*innen der Klimakrise bewusst werden, dementsprechend 136 +Verantwortung übernehmen und für Schäden und Verluste aufkommen. Sie sind 137 +historisch für den größten Anteil der Treibhausgasemissionen 138 +verantwortlich und profitieren wirtschaftlich am meisten.[ii] Die Folgen 139 +der Klimakrise spüren jedoch nicht alle Länder gleichermaßen. Länder und 140 +Menschen des Globalen Südens sind am stärksten von der Klimakrise 141 +betroffen. Die von Ländern des Globalen Nordens (insbesondere der EU) 142 +forcierten Freihandelsabkommen verschärfen und verfestigen diese 143 +Ungleichheiten zusätzlich, indem beispielsweise Umweltprobleme in Länder 144 +des Globalen Südens ausgelagert werden. 145 +\\5.Im Zuge des Kolonialismus haben Europäer*innen andere Menschen massenweise 146 +verschleppt, versklavt und getötet. Dieses Unterdrückungssystem beruhte 147 +auf einer Rassifizierung von Menschen, das heißt auf der Erfindung von 148 +hierarchisch geordneten „Menschenrassen“. Dabei ordneten sich weiße 149 +Menschen selbst positive Eigenschaften zu, den kolonialisierten, 150 +versklavten Menschen ordneten sie hingegen gegensätzliche negative 151 +Eigenschaften zu. Neben der Einteilung in Schwarze und weiße Menschen 152 +wurde die Welt in weitere hierarchisch geordnete, binäre Gegensatzpaare 153 +geteilt, unter anderem in die Kategorien Mann und Frau, heterosexuell und 154 +homosexuell, nicht be_hindert und be_hindert usw. Durch diese koloniale 155 +Einteilung der Welt schufen sich die Europäer*innen eine Rechtfertigung, 156 +um die kolonisierten Menschen auszubeuten, zu unterdrücken und 157 +abzuwerten.[ix] 158 +Die Bildung von Gegensatzpaaren machte auch vor der Natur keinen Halt: 159 +weiße Menschen schrieben kolonisierten Menschen zu, primitiv und naturnah 160 +zu sein. Zugleich waren sie der Ansicht, dass sie selbst durch ihr 161 +rationales Denken von der Natur entkoppelt seien. Die Natur wird in diesem 162 +Denken zu etwas Gestaltbaren und Beherrschbaren. Zugleich wird verleugnet, 163 +dass der Mensch als biologisches Wesen Teil von der Natur ist und von 164 +natürlichen Ökosystemen abhängig ist. Durch die Abwertung von Natur hat 165 +das koloniale Denken die Ausbeutung unserer natürlichen Lebensgrundlagen 166 +zugunsten von Profiten ermöglicht. Die Klimakrise hat ihre Wurzeln in 167 +diesem Denken. 168 +\\Diese Zusammenhänge von Klimakrise, Kolonialismus und Rassismus 169 +müssen anerkannt und beendet werden, um Klimagerechtigkeit zu 53 53 schaffen.[ix] 54 -\\6. Diskriminierungen wie Rassismus, Klassismus, Sexismus, Ableismus (Diskriminierung von be_hinderten Menschen) oder Ageism (Diskriminierung 55 -aufgrund des Alters) stellen soziale Ungleichheits- und Machtverhältnisse dar und wirken intersektional.[x] Sie drängen bestimmte gesellschaftliche 56 -Gruppen an die gesellschaftlichen Ränder. Von (Mehrfach-)Diskriminierung betroffene Gruppen haben daher in der Regel weniger ökonomische Ressourcen und gesellschaftliche Einflussmöglichkeiten. Sie können sich selbst nicht im gleichen Maße vor Klimafolgen absichern und werden in staatlichen Maßnahmen nicht unbedingt gleichermaßen berücksichtigt. So bekommen marginalisierte Gruppen die Folgen der globalen Erwärmung am stärksten zu spüren. Sie sind von der Klimakrise besonders betroffen, obwohl sie wenig zur Erderwärmung beigetragen haben.[xi] Gendergerechtigkeit ist eine wichtige Voraussetzung für Klimagerechtigkeit, da FLINTA*-Personen (Frauen, Lesben, Inter, Nichtbinär, Trans, Agender) vor allem Personen aus dem Globalen Süden, sehr stark von der Klimakrise betroffen sind.[xii] Insbesondere in den Bereichen der Organisation der Erwerbs- und Sorgearbeit, des Zugangs zu Ressourcen, Gesundheitsvorsorge und politischer Beteiligung sind diese stark benachteiligt. Sie haben meist einen geringeren sozialen Status, sowie weniger politische und wirtschaftliche Macht als Männer. Dies geht insbesondere auf die historisch bedingte androzentrische (männerzentrierte) Sichtweise in Institutionen und Politik zurück. Deswegen fordern wir das Aufbrechen der patriarchalen Strukturen sowie eine verstärkte Sichtbarkeit und Unterstützung von FLINTA*-Personen, (mehrfach-) diskriminierte Menschen sowie Menschen in prekären Lebenssituationen. 57 -\\7. Heutzutage stehen vor allem weiße Klima- und Umweltbewegungen im öffentlichen Fokus. Bewegungen von BIPoC (Black, Indigenous and People of Color) werden dabei meistens außer Acht gelassen und vernachlässigt – nur selten wird in den Medien über sie berichtet. Jedoch kämpfen BIPoC Aktivist*innen schon seit Jahrzehnten gegen die Auswirkungen der Klimakrise sowie gegen strukturelle Unterdrückungsmuster. Die Arbeit und 58 -das Engagement von insbesondere jungen BIPoC-Aktivist*innen müssen sichtbar gemacht und anerkannt werden, da gerade sie besonders stark von den Folgen der Klimakrise betroffen sind. (Einige Kurzvorstellungen von BIPoC-Klimaaktivist*innen können in der kostenlosen Broschüre „Kolonialismus und Klimakrise. Über 500 Jahre Widerstand“ nachgelesen werden.[ix]) Auch Widerstandsbewegungen von BIPoC bekommen wenig Aufmerksamkeit, obwohl sie sich schon früh bildeten. Widerstandsbewegungen von BIPoC-Aktivist*innen fordern, Umweltprobleme nicht isoliert zu 59 -betrachten. Stattdessen sollten sie als soziale Probleme behandelt werden, die ihren Ursprung in gesellschaftlichen Hierarchien und Ausbeutungssystemen haben. Durch die öffentliche Vernachlässigung von BIPoC-Protesten wird das falsche Bild geschaffen, Menschen aus dem 60 -Globalen Süden seien nicht am Umwelt- und Klimaschutz interessiert. Dies ist auf die Ideologie des weißen Naturschutzes zurückzuführen, die im 171 +\\6.Diskriminierungen wie Rassismus, Klassismus, Sexismus, Ableismus 172 +(Diskriminierung von be_hinderten Menschen) oder Ageism (Diskriminierung 173 +aufgrund des Alters) stellen soziale Ungleichheits- und Machtverhältnisse 174 +dar und wirken intersektional.[x] Sie drängen bestimmte gesellschaftliche 175 +Gruppen an die gesellschaftlichen Ränder. Von (Mehrfach-)Diskriminierung 176 +betroffene Gruppen haben daher in der Regel weniger ökonomische Ressourcen 177 +und gesellschaftliche Einflussmöglichkeiten. Sie können sich selbst nicht 178 +im gleichen Maße vor Klimafolgen absichern und werden in staatlichen 179 +Maßnahmen nicht unbedingt gleichermaßen berücksichtigt. So bekommen 180 +marginalisierte Gruppen die Folgen der globalen Erwärmung am stärksten zu 181 +spüren. Sie sind von der Klimakrise besonders betroffen, obwohl sie wenig 182 +zur Erderwärmung beigetragen haben.[xi] 183 +Gendergerechtigkeit ist eine wichtige Voraussetzung für 184 +Klimagerechtigkeit, da FLINTA*-Personen (Frauen, Lesben, Inter, 185 +Nichtbinär, Trans, Agender) vor allem Personen aus dem Globalen Süden, 186 +sehr stark von der Klimakrise betroffen sind.[xii] Insbesondere in den 187 +Bereichen der Organisation der Erwerbs- und Sorgearbeit, des Zugangs zu 188 +Ressourcen, Gesundheitsvorsorge und politischer Beteiligung sind diese 189 +stark benachteiligt. Sie haben meist einen geringeren sozialen Status, 190 +sowie weniger politische und wirtschaftliche Macht als Männer. Dies geht 191 +insbesondere auf die historisch bedingte androzentrische 192 +(männerzentrierte) Sichtweise in Institutionen und Politik zurück. 193 +Deswegen fordern wir das Aufbrechen der patriarchalen Strukturen sowie 194 +eine verstärkte Sichtbarkeit und Unterstützung von FLINTA*-Personen, 195 +(mehrfach-) diskriminierte Menschen sowie Menschen in prekären 196 +Lebenssituationen. 197 +\\7. Heutzutage stehen vor allem weiße Klima- und Umweltbewegungen im 198 +öffentlichen Fokus. Bewegungen von BIPoC (Black, Indigenous and People of 199 +Color) werden dabei meistens außer Acht gelassen und vernachlässigt – nur 200 +selten wird in den Medien über sie berichtet. Jedoch kämpfen BIPoC Aktivist*innen schon seit Jahrzehnten gegen die Auswirkungen der 201 +Klimakrise sowie gegen strukturelle Unterdrückungsmuster. Die Arbeit und 202 +das Engagement von insbesondere jungen BIPoC-Aktivist*innen müssen 203 +sichtbar gemacht und anerkannt werden, da gerade sie besonders stark von 204 +den Folgen der Klimakrise betroffen sind. (Einige Kurzvorstellungen von 205 +BIPoC-Klimaaktivist*innen können in der kostenlosen Broschüre 206 +„Kolonialismus und Klimakrise. Über 500 Jahre Widerstand“ nachgelesen 207 +werden.[ix]) Auch Widerstandsbewegungen von BIPoC bekommen wenig 208 +Aufmerksamkeit, obwohl sie sich schon früh bildeten. Widerstandsbewegungen 209 +von BIPoC-Aktivist*innen fordern, Umweltprobleme nicht isoliert zu 210 +betrachten. Stattdessen sollten sie als soziale Probleme behandelt werden, 211 +die ihren Ursprung in gesellschaftlichen Hierarchien und 212 +Ausbeutungssystemen haben. Durch die öffentliche Vernachlässigung von 213 +BIPoC-Protesten wird das falsche Bild geschaffen, Menschen aus dem 214 +Globalen Süden seien nicht am Umwelt- und Klimaschutz interessiert. Dies 215 +ist auf die Ideologie des weißen Naturschutzes zurückzuführen, die im 61 61 Kolonialismus verwurzelt ist.[ix] 62 -\\8. Deutschland als einer der größten globalen Emittenten und als Land mit starken ökonomischen und technologischen Möglichkeiten trägt eine 63 -besondere Verantwortung. Deshalb muss Deutschland auch innerhalb der EU und auf internationaler Ebene für ambitionierte Reduktionsziele und konsequente Klimaschutzmaßnahmen eintreten. Insbesondere bei der Ausgestaltung von internationalen Handelsmechanismen mit CO2-Emissionen 64 -fordern wir die Bundesregierung auf, für eine robuste, faire und sichere Ausgestaltung einzutreten, damit es, anders als unter dem Kyoto-Protokoll, 65 -nicht zu massivem Missbrauch kommt. Dies bedeutet, dass die Anrechenbarkeit von Zertifikaten aus dem Kyoto-Mechanismus stark reglementiert und eingeschränkt werden muss. Zudem müssen Doppelzählungen und Schlupflöcher im Regelwerk ausgeschlossen werden und eine zusätzliche 217 +\\8.Deutschland als einer der größten globalen Emittenten und als Land mit 218 +starken ökonomischen und technologischen Möglichkeiten trägt eine 219 +besondere Verantwortung. Deshalb muss Deutschland auch innerhalb der EU 220 +und auf internationaler Ebene für ambitionierte Reduktionsziele und 221 +konsequente Klimaschutzmaßnahmen eintreten. Insbesondere bei der 222 +Ausgestaltung von internationalen Handelsmechanismen mit CO2-Emissionen 223 +fordern wir die Bundesregierung auf, für eine robuste, faire und sichere 224 +Ausgestaltung einzutreten, damit es, anders als unter dem Kyoto-Protokoll, 225 +nicht zu massivem Missbrauch kommt. Dies bedeutet, dass die 226 +Anrechenbarkeit von Zertifikaten aus dem Kyoto-Mechanismus stark 227 +reglementiert und eingeschränkt werden muss. Zudem müssen Doppelzählungen 228 +und Schlupflöcher im Regelwerk ausgeschlossen werden und eine zusätzliche 66 66 Reduktion der CO2-Emissionen erwirkt werden.[xiii] 67 -\\9. Länder und Menschen des Globalen Nordens profitieren von der Ressourcenausbeutung des Globalen Südens. Dies hat seinen Ursprung in der 68 -Kolonialzeit und hält bis heute an. Eine große Rolle spielt außerdem das kapitalistische System, dass insbesondere auf Profit und Gewinn aus ist. 69 -Unter anderem werden zugunsten des Globalen Nordens Rohstoffe sehr günstig importiert.[ix] So kommt es zu einer Ausbeutung von Tieren, Pflanzen, Menschen und Ökosystemen des Globalen Südens, die die Kosten unseres 230 +\\9.Länder und Menschen des Globalen Nordens profitieren von der 231 +Ressourcenausbeutung des Globalen Südens. Dies hat seinen Ursprung in der 232 +Kolonialzeit und hält bis heute an. Eine große Rolle spielt außerdem das 233 +kapitalistische System, dass insbesondere auf Profit und Gewinn aus ist. 234 +Unter anderem werden zugunsten des Globalen Nordens Rohstoffe sehr günstig 235 +importiert.[ix] So kommt es zu einer Ausbeutung von Tieren, Pflanzen, 236 +Menschen und Ökosystemen des Globalen Südens, die die Kosten unseres 70 70 Lebensstils tragen.[xiv] 71 -\\10. Die Auswirkungen der Klimakrise sind bereits überall auf der Welt - wenn auch in ungleichem Maße - zu spüren. Szenarien zu erstellen, um 72 -diese greifbar zu machen, kann nur ein erster Schritt sein. Die aktive und zeitnahe Einrichtung beziehungsweise Anpassung von 73 -Entwässerungsanlagen oder Warnsystemen kann nicht schnell genug erfolgen. Grundsätzlich müssen Städte- und Häuserbau ebenso neu 74 -gedacht werden, wie viele andere Wirtschaftsbereiche auch.[xv] Eine besondere Bedeutung bei der Stadtentwicklung kommt dabei der 75 -Entsieglung von Flächen und dem Schaffen von Blau-Grüner Infrastruktur insbesondere in dicht bebauten Stadtteilen zu. Gerade in sozioökonomisch schwächeren Stadtteilen gibt es häufig einen hohen Anteil versiegelter Flächen, die sich im Sommer besonders stark aufheizen und so zu einem schlechteren Mikroklima führen. Aktiver Naturschutz sowie die Renaturierung und der Erhalt von Ökosystemen wie (Au-)Wäldern oder Mooren tragen aktiv zur Prävention bei. Dieser Umbau bietet durchaus Chancen: Es entstehen neue Möglichkeiten gesellschaftlichen und wirtschaftlichen 76 -Zusammenlebens. Hinzu kommt: Wer jetzt proaktiv investiert und Anstrengungen unternimmt, die Klimakrise einzudämmen, zahlt heute 77 -einen geringeren finanziellen sowie gesellschaftlichen Preis, als wenn in einigen Jahren ad-hoc Schutz- und Anpassungsmaßnahmen 238 +\\10. Die Auswirkungen der Klimakrise sind bereits überall auf der Welt - 239 +wenn auch in ungleichem Maße - zu spüren. Szenarien zu erstellen, um 240 +diese greifbar zu machen, kann nur ein erster Schritt sein. Die 241 +aktive und zeitnahe Einrichtung beziehungsweise Anpassung von 242 +Entwässerungsanlagen oder Warnsystemen kann nicht schnell genug 243 +erfolgen. Grundsätzlich müssen Städte- und Häuserbau ebenso neu 244 +gedacht werden, wie viele andere Wirtschaftsbereiche auch.[xv] Eine 245 +besondere Bedeutung bei der Stadtentwicklung kommt dabei der 246 +Entsieglung von Flächen und dem Schaffen von Blau-Grüner Infrastruktur insbesondere in dicht bebauten Stadtteilen zu. Gerade 247 +in sozioökonomisch schwächeren Stadtteilen gibt es häufig einen 248 +hohen Anteil versiegelter Flächen, die sich im Sommer besonders 249 +stark aufheizen und so zu einem schlechteren Mikroklima führen. 250 +Aktiver Naturschutz sowie die Renaturierung und der Erhalt von 251 +Ökosystemen wie (Au-)Wäldern oder Mooren tragen aktiv zur Prävention 252 +bei. Dieser Umbau bietet durchaus Chancen: Es entstehen neue 253 +Möglichkeiten gesellschaftlichen und wirtschaftlichen 254 +Zusammenlebens. Hinzu kommt: Wer jetzt proaktiv investiert und 255 +Anstrengungen unternimmt, die Klimakrise einzudämmen, zahlt heute 256 +einen geringeren finanziellen sowie gesellschaftlichen Preis, als 257 +wenn in einigen Jahren ad-hoc Schutz- und Anpassungsmaßnahmen 78 78 umgesetzt werden müssen. 79 -\\11. Bereits jetzt wird deutlich, dass die größten Schäden und Verluste diejenigen Länder treffen, die einen sehr geringen Anteil zu den globalen 80 -Treibhausgasemissionen beigetragen haben und zugleich nicht über die notwendigen Ressourcen verfügen, sich gegen die Schäden präventiv zu 81 -schützen. Deutschland muss als reiche Industrienation seine Verantwortung anerkennen und einen relevanten Beitrag zur Klimafinanzierung leisten. 82 -Dies muss in den Bereichen Emissionsminderung, Anpassung sowie Klimawandelschäden und -verluste erfolgen. Bislang hält die Gruppe 83 -wohlhabender Länder ihr Versprechen nicht, von 2020 bis 2025 jährlich 100 Milliarden US-Dollar Klimafinanzierung für Länder des Globalen Südens 84 -bereitzustellen. Die Bundesregierung muss sich für die Erfüllung des Ziels stark machen und den eigenen Anteil von mindestens 8 Milliarden US-Dollar pro Jahr bis 2025 absichern. Das neue Klimafinanzierungsziel ab 2025 muss sich an den Bedarfen der am stärksten von der Klimakrise betroffenen Länder ausrichten. Ein deutscher Anteil von 10 Prozent an der Gesamtsumme muss sichergestellt werden.[xvi] Darüber hinaus muss sich die Bundesregierung dafür einsetzen, dass die Staatengemeinschaft die internationalen Finanzströme im Sinne des Klima- und Artenschutzes 259 +\\11.Bereits jetzt wird deutlich, dass die größten Schäden und Verluste 260 +diejenigen Länder treffen, die einen sehr geringen Anteil zu den globalen 261 +Treibhausgasemissionen beigetragen haben und zugleich nicht über die 262 +notwendigen Ressourcen verfügen, sich gegen die Schäden präventiv zu 263 +schützen. Deutschland muss als reiche Industrienation seine Verantwortung 264 +anerkennen und einen relevanten Beitrag zur Klimafinanzierung leisten. 265 +Dies muss in den Bereichen Emissionsminderung, Anpassung sowie 266 +Klimawandelschäden und -verluste erfolgen. Bislang hält die Gruppe 267 +wohlhabender Länder ihr Versprechen nicht, von 2020 bis 2025 jährlich 100 268 +Milliarden US-Dollar Klimafinanzierung für Länder des Globalen Südens 269 +bereitzustellen. Die Bundesregierung muss sich für die Erfüllung des Ziels 270 +stark machen und den eigenen Anteil von mindestens 8 Milliarden US-Dollar 271 +pro Jahr bis 2025 absichern. Das neue Klimafinanzierungsziel ab 2025 muss 272 +sich an den Bedarfen der am stärksten von der Klimakrise betroffenen 273 +Länder ausrichten. Ein deutscher Anteil von 10 Prozent an der Gesamtsumme 274 +muss sichergestellt werden.[xvi] Darüber hinaus muss sich die 275 +Bundesregierung dafür einsetzen, dass die Staatengemeinschaft die 276 +internationalen Finanzströme im Sinne des Klima- und Artenschutzes 85 85 kanalisiert und steuert. 86 -\\12.Bereits heute beeinflusst die Klimakrise und die daraus resultierende Umweltzerstörung die Lebensumstände vieler Menschen so sehr, dass sie 87 -gezwungen sind, ihre Heimat zu verlassen. Sowohl nach der Genfer Flüchtlingskonvention als auch nach dem deutschen Asylrecht steht diesen 88 -Menschen bislang kein Schutz zu. Die Bundesregierung muss auf internationaler Ebene dafür eintreten, dies zu ändern und das nationale 278 +\\12.Bereits heute beeinflusst die Klimakrise und die daraus resultierende 279 +Umweltzerstörung die Lebensumstände vieler Menschen so sehr, dass sie 280 +gezwungen sind, ihre Heimat zu verlassen. Sowohl nach der Genfer 281 +Flüchtlingskonvention als auch nach dem deutschen Asylrecht steht diesen 282 +Menschen bislang kein Schutz zu. Die Bundesregierung muss auf 283 +internationaler Ebene dafür eintreten, dies zu ändern und das nationale 89 89 Recht anzupassen.[xvii] 90 -\\13.Die Zusammenhänge zwischen dem Verlust der Artenvielfalt und der Klimakrise sind eindeutig. Untrennbar und sich gegenseitig verstärkend 91 -stellen beide Entwicklungen eine Krise von existenzieller Bedrohung dar. Der Schutz von Ökosystemen und biologischer Vielfalt muss künftig viel 92 -mehr Raum bei der Ausgestaltung von Klimaschutzmaßnahmen einnehmen als bisher. Ohne konsequente Naturschutz- und Renaturierungsmaßnahmen können die Emissionsminderungsziele nicht erreicht werden. Dies bestätigen die 93 -Berichte des Weltbiodiversitätsrat (IPBES)[xviii] und des Weltklimarats (IPCC)[xix]. Zudem sind intakte Ökosysteme notwendig, um die Resilienz 94 -gegenüber dem sich ändernden Klima zu erhöhen. Natürliche Lösungen (sogenannte NBS, Nature-based Solutions) müssen in der Debatte um 95 -Klimaschutzmaßnahmen stärker als bisher bedacht werden. Gleichzeitig müssen Klimaschutzmaßnahmen hinsichtlich ihres Einflusses auf die 285 +\\13.Die Zusammenhänge zwischen dem Verlust der Artenvielfalt und der 286 +Klimakrise sind eindeutig. Untrennbar und sich gegenseitig verstärkend 287 +stellen beide Entwicklungen eine Krise von existenzieller Bedrohung dar. 288 +Der Schutz von Ökosystemen und biologischer Vielfalt muss künftig viel 289 +mehr Raum bei der Ausgestaltung von Klimaschutzmaßnahmen einnehmen als 290 +bisher. Ohne konsequente Naturschutz- und Renaturierungsmaßnahmen können 291 +die Emissionsminderungsziele nicht erreicht werden. Dies bestätigen die 292 +Berichte des Weltbiodiversitätsrat (IPBES)[xviii] und des Weltklimarats 293 +(IPCC)[xix]. Zudem sind intakte Ökosysteme notwendig, um die Resilienz 294 +gegenüber dem sich ändernden Klima zu erhöhen. Natürliche Lösungen 295 +(sogenannte NBS, Nature-based Solutions) müssen in der Debatte um 296 +Klimaschutzmaßnahmen stärker als bisher bedacht werden. Gleichzeitig 297 +müssen Klimaschutzmaßnahmen hinsichtlich ihres Einflusses auf die 96 96 Biodiversität überprüft werden. 97 -\\14.Laut IPCC-Sonderbericht 2019 ist die Landnutzung weltweit für 23 Prozent aller Emissionen verantwortlich.[xix] Die Landwirtschaft ist somit 98 -weltweit einer der Haupttreiber der Klimakrise und hat gleichzeitig massiv mit deren Folgen zu kämpfen. Die NAJU trägt die Forderungen der 99 -Zukunftskommission Landwirtschaft mit[xx] und setzt sich für einen Brückenschlag zwischen Naturschützer*innen und Landwirt*innen ein. Eine 100 -klimaresiliente Landwirtschaft sorgt nicht nur für Lebensmittelsicherheit weltweit und kann so die Versorgung der Weltbevölkerung zukünftig 101 -garantieren, sondern sichert auch Arbeitsplätze. Darüber hinaus ist der Umbau zu einer resilienten, fairen und naturnahen Landwirtschaft der 299 +\\14.Laut IPCC-Sonderbericht 2019 ist die Landnutzung weltweit für 23 Prozent 300 +aller Emissionen verantwortlich.[xix] Die Landwirtschaft ist somit 301 +weltweit einer der Haupttreiber der Klimakrise und hat gleichzeitig massiv 302 +mit deren Folgen zu kämpfen. Die NAJU trägt die Forderungen der 303 +Zukunftskommission Landwirtschaft mit[xx] und setzt sich für einen 304 +Brückenschlag zwischen Naturschützer*innen und Landwirt*innen ein. Eine 305 +klimaresiliente Landwirtschaft sorgt nicht nur für Lebensmittelsicherheit 306 +weltweit und kann so die Versorgung der Weltbevölkerung zukünftig 307 +garantieren, sondern sichert auch Arbeitsplätze. Darüber hinaus ist der 308 +Umbau zu einer resilienten, fairen und naturnahen Landwirtschaft der 102 102 Schlüssel für den Erhalt der Biodiversität.[xxi] 103 -\\15.Der Verkehrssektor ist der einzige Sektor, in dem die CO2-Emissionen in Deutschland seit 1990 nicht gesunken sind.[xxii] 2019 wurden noch mehr als ein Fünftel der Emissionen im Verkehr verursacht. Die Wende zu einer postfossilen ressourcensparenden Mobilität ist nicht nur aus Sicht des 104 -Klimaschutzes, sondern auch aus gesundheitlichen und sozialen Gründen überfällig. Der Straßenverkehr macht in Deutschland fast 95 Prozent der Emissionen in diesem Sektor aus,[iv] sodass hier der entscheidende Hebel besteht. Ab 2030 sollen keine Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor mehr 105 -zugelassen werden. Allerdings kann die Lösung nicht sein, alle Fahrzeuge durch solche mit Elektro-Antrieb zu ersetzen. Einhergehend mit einer 106 -Preisreduzierung und dem Ausbau des ÖPNV sowie der Rad- und Fußverkehrsinfrastruktur, muss der individuelle Automobilverkehr deutlich 107 -reduziert werden. Um längere Distanzen zu überwinden, muss die Bahn in der Taktung, der Preisgestaltung sowie dem Service angepasst werden. 108 -Kurzstreckenflüge bis 1.000 Kilometer müssen zeitnah ersetzt werden. Damit auch alle Menschen den ÖPNV tatsächlich nutzen können, muss dieser mitsamt seiner Infrastruktur flächendeckend barrierefrei gestaltet werden und strukturelle Benachteiligungen wie die schlechtere Anbindung von 109 -sozioökonomisch vermeintlich schwächeren Stadtteilen und Regionen abgebaut werden. Der ÖPNV und die entsprechende Infrastruktur wie Bahnhöfe müssen auch sichere Orte insbesondere für von (Mehrfach-)Diskriminierung betroffenen Menschen werden, um eine alternative zum Motorisierten Individualverkehr zu werden. Wir verweisen auf die Positionspapiere der 110 -NAJU[xxiii] sowie des Deutschen Bundesjugendrings[xxiv] zur Mobilitätswende. 111 -\\16.Um auf die Herausforderungen des gesellschaftlichen, technologischen und kulturellen Umbaus angesichts der Klimakrise angemessen reagieren zu können, sind Verständnis und Handlungskompetenz in der Breite der Gesellschaft notwendig. Bildungsarbeit im formellen sowie informellen 112 -Bereich ist von größter Bedeutung bei der Gestaltung der Gesellschaft in Zeiten der Klimakrise. Die Klimakrise und ihre Auswirkungen müssen zentrale Inhalte in Bildungsplänen und Rahmenlehrplänen sein. Von besonderer Bedeutung ist dabei nicht nur der bloße Umgang mit Kennzahlen 113 -und Fakten, sondern auch ein lösungs- und handlungsorientierter Ansatz. Nur mit der Kompetenz, sich Herausforderungen zu stellen, diese zu 114 -moderieren und unter Einbeziehung unterschiedlicher Perspektiven gezielt anzugehen, kann die Gesellschaft der Klimakrise wirkungsvoll begegnen. Das Konzept einer Bildung für Nachhaltige Entwicklung stellt hierfür die Grundlage dar.[xxv] 115 -\\17. Besonders vulnerable Gruppen müssen umfassend an politischen und gesellschaftlichen Entscheidungsprozessen beteiligt werden. Neben 116 -anderen marginalisierten Gruppen werden die Klimafolgen insbesondere heutige junge und zukünftige Generationen treffen, die keine direkte 310 +\\15.Der Verkehrssektor ist der einzige Sektor, in dem die CO2-Emissionen in 311 +Deutschland seit 1990 nicht gesunken sind.[xxii] 2019 wurden noch mehr als 312 +ein Fünftel der Emissionen im Verkehr verursacht. Die Wende zu einer 313 +postfossilen ressourcensparenden Mobilität ist nicht nur aus Sicht des 314 +Klimaschutzes, sondern auch aus gesundheitlichen und sozialen Gründen 315 +überfällig. Der Straßenverkehr macht in Deutschland fast 95 Prozent der 316 +Emissionen in diesem Sektor aus,[iv] sodass hier der entscheidende Hebel 317 +besteht. Ab 2030 sollen keine Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor mehr 318 +zugelassen werden. Allerdings kann die Lösung nicht sein, alle Fahrzeuge 319 +durch solche mit Elektro-Antrieb zu ersetzen. Einhergehend mit einer 320 +Preisreduzierung und dem Ausbau des ÖPNV sowie der Rad- und 321 +Fußverkehrsinfrastruktur, muss der individuelle Automobilverkehr deutlich 322 +reduziert werden. Um längere Distanzen zu überwinden, muss die Bahn in der 323 +Taktung, der Preisgestaltung sowie dem Service angepasst werden. 324 +Kurzstreckenflüge bis 1.000 Kilometer müssen zeitnah ersetzt werden. Damit 325 +auch alle Menschen den ÖPNV tatsächlich nutzen können, muss dieser mitsamt 326 +seiner Infrastruktur flächendeckend barrierefrei gestaltet werden und 327 +strukturelle Benachteiligungen wie die schlechtere Anbindung von 328 +sozioökonomisch vermeintlich schwächeren Stadtteilen und Regionen abgebaut 329 +werden. Der ÖPNV und die entsprechende Infrastruktur wie Bahnhöfe müssen 330 +auch sichere Orte insbesondere für von (Mehrfach-)Diskriminierung 331 +betroffenen Menschen werden, um eine alternative zum Motorisierten 332 +Individualverkehr zu werden. Wir verweisen auf die Positionspapiere der 333 +NAJU[xxiii] sowie des Deutschen Bundesjugendrings[xxiv] zur 334 +Mobilitätswende. 335 +\\16.Um auf die Herausforderungen des gesellschaftlichen, technologischen und 336 +kulturellen Umbaus angesichts der Klimakrise angemessen reagieren zu 337 +können, sind Verständnis und Handlungskompetenz in der Breite der 338 +Gesellschaft notwendig. Bildungsarbeit im formellen sowie informellen 339 +Bereich ist von größter Bedeutung bei der Gestaltung der Gesellschaft in 340 +Zeiten der Klimakrise. Die Klimakrise und ihre Auswirkungen müssen 341 +zentrale Inhalte in Bildungsplänen und Rahmenlehrplänen sein. Von 342 +besonderer Bedeutung ist dabei nicht nur der bloße Umgang mit Kennzahlen 343 +und Fakten, sondern auch ein lösungs- und handlungsorientierter Ansatz. 344 +Nur mit der Kompetenz, sich Herausforderungen zu stellen, diese zu 345 +moderieren und unter Einbeziehung unterschiedlicher Perspektiven gezielt 346 +anzugehen, kann die Gesellschaft der Klimakrise wirkungsvoll begegnen. Das 347 +Konzept einer Bildung für Nachhaltige Entwicklung stellt hierfür die 348 +Grundlage dar.[xxv] 349 +\\17. Besonders vulnerable Gruppen müssen umfassend an politischen und 350 +gesellschaftlichen Entscheidungsprozessen beteiligt werden. Neben 351 +anderen marginalisierten Gruppen werden die Klimafolgen insbesondere 352 +heutige junge und zukünftige Generationen treffen, die keine direkte 117 117 118 -18. Unsere Ressourcen auf dem Planeten sind begrenzt, weshalb grenzenloses Wachstum eine Illusion ist. Zugleich führt das Streben 119 -nach immer größeren Profiten zu einer immer größeren Ungleichverteilung des Wohlstandes und zerstört Natur und Umwelt. Um 120 -Klimagerechtigkeit in unserer Gesellschaft zu schaffen, braucht es eine umfassende gesellschaftliche Transformation.[xxix] Technische 121 -Innovationen allein können die Klimakrise nicht lösen. Umweltprobleme können nicht isoliert betrachtet werden, sondern müssen als soziale Phänomene verstanden werden. Ökologische und soziale Aspekte können sich wechselseitig verstärken – im Positiven wie im Negativen. 354 +18. Unsere Ressourcen auf dem Planeten sind begrenzt, weshalb 355 +grenzenloses Wachstum eine Illusion ist. Zugleich führt das Streben 356 +nach immer größeren Profiten zu einer immer größeren 357 +Ungleichverteilung des Wohlstandes und zerstört Natur und Umwelt. Um 358 +Klimagerechtigkeit in unserer Gesellschaft zu schaffen, braucht es 359 +eine umfassende gesellschaftliche Transformation.[xxix] Technische 360 +Innovationen allein können die Klimakrise nicht lösen. 361 +Umweltprobleme können nicht isoliert betrachtet werden, sondern 362 +müssen als soziale Phänomene verstanden werden. Ökologische und 363 +soziale Aspekte können sich wechselseitig verstärken – im Positiven 364 +wie im Negativen. 122 122 \\Wir verweisen auf die anderen Positionspapiere der NAJU sowie auf die Positionen 123 123 des NABU (Naturschutzbund Deutschland) e.V. 124 124 [i]Zum „Capitalocene”: