Changes for page [2023] Positionspapier Klimaschutz und Klimagerechtigkeit
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... ... @@ -1,1 +1,1 @@ 1 -Positionspapier Klimaschutz und Klimagerechtigkeit 1 +Positionspapier Klimaschutz und Klimagerechtigkeit (2022) - Author
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... ... @@ -1,1 +1,1 @@ 1 -XWiki. Theresa1 +XWiki.Valentin - Content
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... ... @@ -1,4 +1,6 @@ 1 -Antragstext 1 +**Antragstext** 2 + 3 + 2 2 Die Auswirkungen der Klimakrise sind längst mess- und sichtbar. Die gesellschaftlichen und historischen Ursachen sind vielfach wissenschaftlich belegt. Neben erheblichen sozialen und ökonomischen Problemen drohen durch eine weitere Erhitzung des globalen Klimas irreversible Schäden für Natur und Umwelt. Wir leben im Zeitalter des Kapitalozäns: Der Ursprung der Klimakrise liegt in kapitalistischen und kolonialen Strukturen.[i] Daher sind Länder und Menschen des Globalen Nordens^^1 ^^in besonderem Maße für die Klimakrise verantwortlich. 3 3 Historisch gesehen haben sie den Großteil der Treibhausgasemissionen ausgestoßen.[ii] Trotzdem sind Länder und Menschen des Globalen Südens^^1^^ schon seit Generationen am stärksten von den Folgen der Umweltausbeutung und der Klimakrise betroffen. Sie gründeten Widerstands- und Umweltbewegungen dagegen. Zudem spüren insbesondere junge und nachfolgende Generationen, von (Mehrfach- )Diskriminierung betroffene Menschen und Menschen in prekären Lebenssituationen die Auswirkungen der Klimakrise in besonderem Maße. 4 4 ... ... @@ -6,11 +6,10 @@ 6 6 globalen System benachteiligte gesellschaftliche, politische und ökonomische Position beschrieben. Globaler Norden hingegen bestimmt eine mit Vorteilen bedachte Position. Die Einteilung verweist auf die unterschiedliche Erfahrung mit Kolonialismus und Ausbeutung, einmal als vor allem Profitierende und einmal als vornehmlich Ausgebeutete“ (glokal 2013). Quelle: glokal 2013: Mit kolonialen Grüßen. Berichte und Erzählungen von 7 7 Auslandsaufenthalten rassismuskritisch betrachtet. URL:https:~/~/www.glokal.org/wpcontent/uploads/2013/09/BroschuereMitkolonialenGruessen2013.pdf, S. 8, aufgerufen am 23.09.2023. 8 8 9 - 10 10 Um die Folgen der Klimakrise einzudämmen, hat sich die internationale Staatengemeinschaft 2015 mit dem Pariser Abkommen darauf verständigt, die globale Erwärmung auf deutlich unter 2 Grad Celsius zu begrenzen und Anstrengungen zu unternehmen, eine maximale Erwärmung von 1,5 Grad Celsius anzustreben. Im März 2023 veröffentlichte der Weltklimarat (IPCC) seinen sechsten Sachstandsbericht, der die gravierende Handlungslücke zur Einhaltung des 1,5 Grad-Ziels deutlich unterstreicht.[iii] Das Fenster, in dem die Erderwärmung noch auf 1,5 Grad begrenzt werden kann, wird sich in wenigen Jahren schließen. Die bisher umgesetzten und geplanten Maßnahmen der Staaten reichen nicht aus, um die im Pariser Klimaabkommen vereinbarten Ziele einzuhalten. Jedes Zehntelgrad Erwärmung hat schwerwiegende Konsequenzen. Unter anderem werden Ökosysteme unwiederbringlich zerstört, Biodiversität geht verloren, Konflikte um natürliche Ressourcen nehmen zu, Extremwetterereignisse treten vermehrt auf und Menschen verlieren ihre Existenzgrundlage und Heimat. Dies ist ein unhaltbarer Zustand. 11 11 \\Als NAJU setzen wir uns für junge und marginalisierte Gruppen ein. Deshalb fordern wir einen wirksamen und gerechten Klimaschutz. Ziel ist der Erhalt von Lebensgrundlagen und einer intakten Natur. Deshalb muss eine sozial-ökologische Transformation die globale Erwärmung schnellstmöglich bremsen und die Erfüllung der Grundbedürfnisse aller Menschen sicherstellen. 12 12 13 -Daher fordern wir: 14 +**Daher fordern wir:** 14 14 \\1. Eine ambitionierte und sozialgerechte Klimapolitik der Bundesregierung sowohl auf nationaler als auch auf internationaler Ebene, die sich an dem 1,5 Grad-Ziel und den dafür aus wissenschaftlicher Sicht notwendigen Maßnahmen orientiert. Dazu müssen die Treibhausgasemissionen in 15 15 Deutschland auf Nettonull bis 2035 gesenkt werden. 16 16 \\2. Eine sozial- und naturverträgliche Energiewende mit einem vollständigen Kohleausstieg in Deutschland bis 2030. ... ... @@ -25,301 +25,99 @@ 25 25 \\8. Als Industrieland mit einer globalen Verantwortung für die Menschen in den Ländern, die besonders von der Klimakrise betroffen sind, muss Deutschland eine internationale Vorreiterrolle einnehmen. Dies gilt sowohl innerhalb der Europäischen Union als auch bei den Vereinten Nationen. 26 26 27 27 9. Das Ende des Raubbaus und der Ressourcenausbeutung insbesondere im Globalen Süden zugunsten des Globalen Nordens. 28 -\\10.Umfangreiche Anpassungen an die bereits messbaren Auswirkungen der 29 -Klimakrise zum Schutz der Menschen sowie der natürlichen Lebensgrundlagen. 30 -\\11.Eine Erhöhung der von Deutschland bereitgestellten internationalen 31 -Klimafinanzierung auf mindestens 8 Milliarden Euro bis 2025. Das neue 32 -Klimafinanzierungsziel ab 2025 muss sich an den Bedarfen der am stärksten 33 -von der Klimakrise betroffenen Länder ausrichten. Deutschland muss sowohl 34 -Gelder für die Emissionsminderung und Anpassung als auch zusätzliche 35 -Erläuterung und Begründung unserer Forderungen 36 -Mittel für den vereinbarten Fond für Klimawandelschäden und -verluste 37 -bereitstellen. 38 -\\12.Die Anerkennung der gravierenden Folgen der Klimakrise als Fluchtursache 39 -und die Gewährleistung von Schutz für flüchtende sowie schutzsuchende 40 -Menschen. 41 -\\13.Den Schutz und die klimaresiliente Renaturierung von Ökosystemen als 42 -natürliche Kohlenstoffsenken. 43 -\\14.Eine klimaverträgliche Agrarpolitik, die klimaresiliente Lebensräume 44 -schafft und Biodiversität fördert. Zugleich muss die Zukunft für 29 +\\10. Umfangreiche Anpassungen an die bereits messbaren Auswirkungen der Klimakrise zum Schutz der Menschen sowie der natürlichen Lebensgrundlagen. 30 +\\11.Eine Erhöhung der von Deutschland bereitgestellten internationalen Klimafinanzierung auf mindestens 8 Milliarden Euro bis 2025. Das neue 31 +Klimafinanzierungsziel ab 2025 muss sich an den Bedarfen der am stärksten von der Klimakrise betroffenen Länder ausrichten. Deutschland muss sowohl Gelder für die Emissionsminderung und Anpassung als auch zusätzliche Erläuterung und Begründung unserer Forderungen Mittel für den vereinbarten Fond für Klimawandelschäden und -verluste bereitstellen. 32 +\\12.Die Anerkennung der gravierenden Folgen der Klimakrise als Fluchtursache und die Gewährleistung von Schutz für flüchtende sowie schutzsuchende Menschen. 33 +\\13.Den Schutz und die klimaresiliente Renaturierung von Ökosystemen als natürliche Kohlenstoffsenken. 34 +\\14.Eine klimaverträgliche Agrarpolitik, die klimaresiliente Lebensräume schafft und Biodiversität fördert. Zugleich muss die Zukunft für 45 45 Landwirt*innen gesichert sein. 46 -\\15.Eine klimaschützende und nachhaltige Mobilität. Insbesondere müssen dabei 47 -die unterschiedlichen Voraussetzungen in Städten und auf dem Land 48 -berücksichtigt und der Verkehrssektor sozialverträglich transformiert 49 -werden. 50 -\\16.Die umfangreiche Sensibilisierung von Kindern, Jugendlichen und 51 -Erwachsenen gegenüber der Klimakrise, ihrer Auswirkungen und der 52 -notwendigen Klimaschutz- und Anpassungsmaßnahmen im Rahmen schulischer und 53 -außerschulischer Bildungsarbeit. 54 -\\17.Eine umfassende Beteiligung von Jugendlichen, jungen Erwachsenen und 55 -marginalisierten Gruppen bei der Ausgestaltung von Klimaschutzmaßnahmen 56 -auf allen Ebenen. 57 -\\18. Eine umfassende sozial-ökologische Transformation, die strukturelle 58 -Probleme löst. 36 +\\15.Eine klimaschützende und nachhaltige Mobilität. Insbesondere müssen dabei die unterschiedlichen Voraussetzungen in Städten und auf dem Land berücksichtigt und der Verkehrssektor sozialverträglich transformiert werden. 37 +\\16.Die umfangreiche Sensibilisierung von Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen gegenüber der Klimakrise, ihrer Auswirkungen und der 38 +notwendigen Klimaschutz- und Anpassungsmaßnahmen im Rahmen schulischer und außerschulischer Bildungsarbeit. 39 +\\17.Eine umfassende Beteiligung von Jugendlichen, jungen Erwachsenen und marginalisierten Gruppen bei der Ausgestaltung von Klimaschutzmaßnahmen auf allen Ebenen. 40 +\\18. Eine umfassende sozial-ökologische Transformation, die strukturelle Probleme löst. 59 59 60 -Erläuterung unserer Forderungen 61 -\\1. Das zur Verfügung stehende CO2-Budget gibt laut Sachverständigenrat für 62 -Umweltfragen den Rahmen für den angemessenen und notwendigen Beitrag 63 -Deutschlands zur Einhaltung der Pariser Klimaziele vor. Bei linearer 64 -Reduktion der Emissionen (basierend auf 2019) müsste Deutschland ab 2038 65 -klimaneutral sein.[iv] Von Fridays for Future Deutschland beauftragt, hat 66 -das Wuppertal Institut in einer Studie ermittelt, wie Klimaneutralität 67 -bereits 2035 machbar wäre.[v] Dafür notwendig sind ambitionierte 68 -Investitionen und ein gesellschaftlicher Umbau. So wird sichergestellt, 69 -dass der deutsche Anteil am verbleibenden globalen CO2-Budget für das 1,5 70 -Grad-Ziel nicht überproportional beansprucht wird. 71 -\\2. Der Ausbau der Erneuerbaren Energien ist essenziell für das Erreichen 72 -ambitionierter Klimaziele. Insbesondere der Ausbau von Windkraft- und 73 -Photovoltaikanlagen muss dazu massiv vorangetrieben werden. Eine 74 -vollständige klimaneutrale Stromversorgung mit Erneuerbaren bis 2035 ist 75 -umsetzbar[vi]und von elementarer Bedeutung. Dazu braucht es erhebliche 76 -Investitionen in die Forschung zu erneuerbaren Energien sowie zu Leitungs und Speichertechnologien, den großflächigen Ausbau dieser und den Abbau 77 -struktureller und bürokratischer Hürden. Um Erneuerbare Energien mit 78 -Arten- und Naturschutz zu vereinen, müssen Herausforderungen deutlich 79 -adressiert und abgewogen werden, Fachpersonal befragt und regionale 80 -Lösungen umgesetzt werden.[vii] Die Einbindung der Bürger*innen vor Ort 81 -ist fundamental für die Akzeptanz der notwendigen Energiewende. 82 -Neben dem Ausbau der Erneuerbaren Energien muss der Ausstieg aus fossilen 83 -Energiträgern schnell eingeleitet werden. Dafür muss Deutschland bis 2030 84 -aus der Kohleverstromung aussteigen. 85 -\\3. Mit dem Green Deal hat sich die Europäische Union auf den richtigen Weg 86 -gemacht. Mit ihrer langfristigen Klimastrategie legt sich die EU fest, bis 87 -2050 Klimaneutralität erreichen zu wollen. Die Erhöhung des europäischen 88 -Reduktionsziels bis 2030 auf 55 Prozent kann hier nur ein erster Schritt 89 -sein und muss zeitnah weiter auf 65 Prozent netto (d.h. ohne Anrechnung 90 -von Senken) angehoben werden, um auch international ein wichtiges Zeichen 91 -zu setzen.[viii] 92 -\\4.Die Länder und Menschen des Globalen Nordens müssen sich über ihre Rolle 93 -als Hauptverursacher*innen der Klimakrise bewusst werden, dementsprechend 94 -Verantwortung übernehmen und für Schäden und Verluste aufkommen. Sie sind 95 -historisch für den größten Anteil der Treibhausgasemissionen 96 -verantwortlich und profitieren wirtschaftlich am meisten.[ii] Die Folgen 97 -der Klimakrise spüren jedoch nicht alle Länder gleichermaßen. Länder und 98 -Menschen des Globalen Südens sind am stärksten von der Klimakrise 99 -betroffen. Die von Ländern des Globalen Nordens (insbesondere der EU) 100 -forcierten Freihandelsabkommen verschärfen und verfestigen diese 101 -Ungleichheiten zusätzlich, indem beispielsweise Umweltprobleme in Länder 102 -des Globalen Südens ausgelagert werden. 103 -\\5.Im Zuge des Kolonialismus haben Europäer*innen andere Menschen massenweise 104 -verschleppt, versklavt und getötet. Dieses Unterdrückungssystem beruhte 105 -auf einer Rassifizierung von Menschen, das heißt auf der Erfindung von 106 -hierarchisch geordneten „Menschenrassen“. Dabei ordneten sich weiße 107 -Menschen selbst positive Eigenschaften zu, den kolonialisierten, 108 -versklavten Menschen ordneten sie hingegen gegensätzliche negative 109 -Eigenschaften zu. Neben der Einteilung in Schwarze und weiße Menschen 110 -wurde die Welt in weitere hierarchisch geordnete, binäre Gegensatzpaare 111 -geteilt, unter anderem in die Kategorien Mann und Frau, heterosexuell und 112 -homosexuell, nicht be_hindert und be_hindert usw. Durch diese koloniale 113 -Einteilung der Welt schufen sich die Europäer*innen eine Rechtfertigung, 114 -um die kolonisierten Menschen auszubeuten, zu unterdrücken und 115 -abzuwerten.[ix] 116 -Die Bildung von Gegensatzpaaren machte auch vor der Natur keinen Halt: 117 -weiße Menschen schrieben kolonisierten Menschen zu, primitiv und naturnah 118 -zu sein. Zugleich waren sie der Ansicht, dass sie selbst durch ihr 119 -rationales Denken von der Natur entkoppelt seien. Die Natur wird in diesem 120 -Denken zu etwas Gestaltbaren und Beherrschbaren. Zugleich wird verleugnet, 121 -dass der Mensch als biologisches Wesen Teil von der Natur ist und von 122 -natürlichen Ökosystemen abhängig ist. Durch die Abwertung von Natur hat 123 -das koloniale Denken die Ausbeutung unserer natürlichen Lebensgrundlagen 124 -zugunsten von Profiten ermöglicht. Die Klimakrise hat ihre Wurzeln in 125 -diesem Denken. 126 -\\Diese Zusammenhänge von Klimakrise, Kolonialismus und Rassismus 127 -müssen anerkannt und beendet werden, um Klimagerechtigkeit zu 42 +**Erläuterung unserer Forderungen:** 43 +\\1. Das zur Verfügung stehende CO2-Budget gibt laut Sachverständigenrat für Umweltfragen den Rahmen für den angemessenen und notwendigen Beitrag Deutschlands zur Einhaltung der Pariser Klimaziele vor. Bei linearer Reduktion der Emissionen (basierend auf 2019) müsste Deutschland ab 2038 klimaneutral sein.[iv] Von Fridays for Future Deutschland beauftragt, hat das Wuppertal Institut in einer Studie ermittelt, wie Klimaneutralität bereits 2035 machbar wäre.[v] Dafür notwendig sind ambitionierte Investitionen und ein gesellschaftlicher Umbau. So wird sichergestellt, dass der deutsche Anteil am verbleibenden globalen CO2-Budget für das 1,5 Grad-Ziel nicht überproportional beansprucht wird. 44 +\\2. Der Ausbau der Erneuerbaren Energien ist essenziell für das Erreichen ambitionierter Klimaziele. Insbesondere der Ausbau von Windkraft- und 45 +Photovoltaikanlagen muss dazu massiv vorangetrieben werden. Eine vollständige klimaneutrale Stromversorgung mit Erneuerbaren bis 2035 ist 46 +umsetzbar[vi]und von elementarer Bedeutung. Dazu braucht es erhebliche Investitionen in die Forschung zu erneuerbaren Energien sowie zu Leitungs und Speichertechnologien, den großflächigen Ausbau dieser und den Abbau struktureller und bürokratischer Hürden. Um Erneuerbare Energien mit Arten- und Naturschutz zu vereinen, müssen Herausforderungen deutlich adressiert und abgewogen werden, Fachpersonal befragt und regionale Lösungen umgesetzt werden.[vii] Die Einbindung der Bürger*innen vor Ort ist fundamental für die Akzeptanz der notwendigen Energiewende. Neben dem Ausbau der Erneuerbaren Energien muss der Ausstieg aus fossilen Energieträgern schnell eingeleitet werden. Dafür muss Deutschland bis 2030 aus der Kohleverstromung aussteigen. 47 +\\3. Mit dem Green Deal hat sich die Europäische Union auf den richtigen Weg gemacht. Mit ihrer langfristigen Klimastrategie legt sich die EU fest, bis 48 +2050 Klimaneutralität erreichen zu wollen. Die Erhöhung des europäischen Reduktionsziels bis 2030 auf 55 Prozent kann hier nur ein erster Schritt 49 +sein und muss zeitnah weiter auf 65 Prozent netto (d.h. ohne Anrechnung von Senken) angehoben werden, um auch international ein wichtiges Zeichen zu setzen.[viii] 50 +\\4. Die Länder und Menschen des Globalen Nordens müssen sich über ihre Rolle als Hauptverursacher*innen der Klimakrise bewusst werden, dementsprechend Verantwortung übernehmen und für Schäden und Verluste aufkommen. Sie sind historisch für den größten Anteil der Treibhausgasemissionen verantwortlich und profitieren wirtschaftlich am meisten.[ii] Die Folgen der Klimakrise spüren jedoch nicht alle Länder gleichermaßen. Länder und Menschen des Globalen Südens sind am stärksten von der Klimakrise betroffen. Die von Ländern des Globalen Nordens (insbesondere der EU) forcierten Freihandelsabkommen verschärfen und verfestigen diese Ungleichheiten zusätzlich, indem beispielsweise Umweltprobleme in Länder des Globalen Südens ausgelagert werden. 51 +\\5. Im Zuge des Kolonialismus haben Europäer*innen andere Menschen massenweise verschleppt, versklavt und getötet. Dieses Unterdrückungssystem beruhte auf einer Rassifizierung von Menschen, das heißt auf der Erfindung von hierarchisch geordneten „Menschenrassen“. Dabei ordneten sich weiße Menschen selbst positive Eigenschaften zu, den kolonialisierten, versklavten Menschen ordneten sie hingegen gegensätzliche negative Eigenschaften zu. Neben der Einteilung in Schwarze und weiße Menschen wurde die Welt in weitere hierarchisch geordnete, binäre Gegensatzpaare geteilt, unter anderem in die Kategorien Mann und Frau, heterosexuell und homosexuell, nicht be_hindert und be_hindert usw. Durch diese koloniale Einteilung der Welt schufen sich die Europäer*innen eine Rechtfertigung, um die kolonisierten Menschen auszubeuten, zu unterdrücken und abzuwerten.[ix] Die Bildung von Gegensatzpaaren machte auch vor der Natur keinen Halt: weiße Menschen schrieben kolonisierten Menschen zu, primitiv und naturnah zu sein. Zugleich waren sie der Ansicht, dass sie selbst durch ihr rationales Denken von der Natur entkoppelt seien. Die Natur wird in diesem Denken zu etwas Gestaltbaren und Beherrschbaren. Zugleich wird verleugnet, dass der Mensch als biologisches Wesen Teil von der Natur ist und von natürlichen Ökosystemen abhängig ist. Durch die Abwertung von Natur hat das koloniale Denken die Ausbeutung unserer natürlichen Lebensgrundlagen zugunsten von Profiten ermöglicht. Die Klimakrise hat ihre Wurzeln in diesem Denken. 52 +Diese Zusammenhänge von Klimakrise, Kolonialismus und Rassismus müssen anerkannt und beendet werden, um Klimagerechtigkeit zu 128 128 schaffen.[ix] 129 -\\6.Diskriminierungen wie Rassismus, Klassismus, Sexismus, Ableismus 130 -(Diskriminierung von be_hinderten Menschen) oder Ageism (Diskriminierung 131 -aufgrund des Alters) stellen soziale Ungleichheits- und Machtverhältnisse 132 -dar und wirken intersektional.[x] Sie drängen bestimmte gesellschaftliche 133 -Gruppen an die gesellschaftlichen Ränder. Von (Mehrfach-)Diskriminierung 134 -betroffene Gruppen haben daher in der Regel weniger ökonomische Ressourcen 135 -und gesellschaftliche Einflussmöglichkeiten. Sie können sich selbst nicht 136 -im gleichen Maße vor Klimafolgen absichern und werden in staatlichen 137 -Maßnahmen nicht unbedingt gleichermaßen berücksichtigt. So bekommen 138 -marginalisierte Gruppen die Folgen der globalen Erwärmung am stärksten zu 139 -spüren. Sie sind von der Klimakrise besonders betroffen, obwohl sie wenig 140 -zur Erderwärmung beigetragen haben.[xi] 141 -Gendergerechtigkeit ist eine wichtige Voraussetzung für 142 -Klimagerechtigkeit, da FLINTA*-Personen (Frauen, Lesben, Inter, 143 -Nichtbinär, Trans, Agender) vor allem Personen aus dem Globalen Süden, 144 -sehr stark von der Klimakrise betroffen sind.[xii] Insbesondere in den 145 -Bereichen der Organisation der Erwerbs- und Sorgearbeit, des Zugangs zu 146 -Ressourcen, Gesundheitsvorsorge und politischer Beteiligung sind diese 147 -stark benachteiligt. Sie haben meist einen geringeren sozialen Status, 148 -sowie weniger politische und wirtschaftliche Macht als Männer. Dies geht 149 -insbesondere auf die historisch bedingte androzentrische 150 -(männerzentrierte) Sichtweise in Institutionen und Politik zurück. 151 -Deswegen fordern wir das Aufbrechen der patriarchalen Strukturen sowie 152 -eine verstärkte Sichtbarkeit und Unterstützung von FLINTA*-Personen, 153 -(mehrfach-) diskriminierte Menschen sowie Menschen in prekären 154 -Lebenssituationen. 155 -\\7. Heutzutage stehen vor allem weiße Klima- und Umweltbewegungen im 156 -öffentlichen Fokus. Bewegungen von BIPoC (Black, Indigenous and People of 157 -Color) werden dabei meistens außer Acht gelassen und vernachlässigt – nur 158 -selten wird in den Medien über sie berichtet. Jedoch kämpfen BIPoC Aktivist*innen schon seit Jahrzehnten gegen die Auswirkungen der 159 -Klimakrise sowie gegen strukturelle Unterdrückungsmuster. Die Arbeit und 160 -das Engagement von insbesondere jungen BIPoC-Aktivist*innen müssen 161 -sichtbar gemacht und anerkannt werden, da gerade sie besonders stark von 162 -den Folgen der Klimakrise betroffen sind. (Einige Kurzvorstellungen von 163 -BIPoC-Klimaaktivist*innen können in der kostenlosen Broschüre 164 -„Kolonialismus und Klimakrise. Über 500 Jahre Widerstand“ nachgelesen 165 -werden.[ix]) Auch Widerstandsbewegungen von BIPoC bekommen wenig 166 -Aufmerksamkeit, obwohl sie sich schon früh bildeten. Widerstandsbewegungen 167 -von BIPoC-Aktivist*innen fordern, Umweltprobleme nicht isoliert zu 168 -betrachten. Stattdessen sollten sie als soziale Probleme behandelt werden, 169 -die ihren Ursprung in gesellschaftlichen Hierarchien und 170 -Ausbeutungssystemen haben. Durch die öffentliche Vernachlässigung von 171 -BIPoC-Protesten wird das falsche Bild geschaffen, Menschen aus dem 172 -Globalen Süden seien nicht am Umwelt- und Klimaschutz interessiert. Dies 173 -ist auf die Ideologie des weißen Naturschutzes zurückzuführen, die im 54 +\\6. Diskriminierungen wie Rassismus, Klassismus, Sexismus, Ableismus (Diskriminierung von be_hinderten Menschen) oder Ageism (Diskriminierung 55 +aufgrund des Alters) stellen soziale Ungleichheits- und Machtverhältnisse dar und wirken intersektional.[x] Sie drängen bestimmte gesellschaftliche 56 +Gruppen an die gesellschaftlichen Ränder. Von (Mehrfach-)Diskriminierung betroffene Gruppen haben daher in der Regel weniger ökonomische Ressourcen und gesellschaftliche Einflussmöglichkeiten. Sie können sich selbst nicht im gleichen Maße vor Klimafolgen absichern und werden in staatlichen Maßnahmen nicht unbedingt gleichermaßen berücksichtigt. So bekommen marginalisierte Gruppen die Folgen der globalen Erwärmung am stärksten zu spüren. Sie sind von der Klimakrise besonders betroffen, obwohl sie wenig zur Erderwärmung beigetragen haben.[xi] Gendergerechtigkeit ist eine wichtige Voraussetzung für Klimagerechtigkeit, da FLINTA*-Personen (Frauen, Lesben, Inter, Nichtbinär, Trans, Agender) vor allem Personen aus dem Globalen Süden, sehr stark von der Klimakrise betroffen sind.[xii] Insbesondere in den Bereichen der Organisation der Erwerbs- und Sorgearbeit, des Zugangs zu Ressourcen, Gesundheitsvorsorge und politischer Beteiligung sind diese stark benachteiligt. Sie haben meist einen geringeren sozialen Status, sowie weniger politische und wirtschaftliche Macht als Männer. Dies geht insbesondere auf die historisch bedingte androzentrische (männerzentrierte) Sichtweise in Institutionen und Politik zurück. Deswegen fordern wir das Aufbrechen der patriarchalen Strukturen sowie eine verstärkte Sichtbarkeit und Unterstützung von FLINTA*-Personen, (mehrfach-) diskriminierte Menschen sowie Menschen in prekären Lebenssituationen. 57 +\\7. Heutzutage stehen vor allem weiße Klima- und Umweltbewegungen im öffentlichen Fokus. Bewegungen von BIPoC (Black, Indigenous and People of Color) werden dabei meistens außer Acht gelassen und vernachlässigt – nur selten wird in den Medien über sie berichtet. Jedoch kämpfen BIPoC Aktivist*innen schon seit Jahrzehnten gegen die Auswirkungen der Klimakrise sowie gegen strukturelle Unterdrückungsmuster. Die Arbeit und 58 +das Engagement von insbesondere jungen BIPoC-Aktivist*innen müssen sichtbar gemacht und anerkannt werden, da gerade sie besonders stark von den Folgen der Klimakrise betroffen sind. (Einige Kurzvorstellungen von BIPoC-Klimaaktivist*innen können in der kostenlosen Broschüre „Kolonialismus und Klimakrise. Über 500 Jahre Widerstand“ nachgelesen werden.[ix]) Auch Widerstandsbewegungen von BIPoC bekommen wenig Aufmerksamkeit, obwohl sie sich schon früh bildeten. Widerstandsbewegungen von BIPoC-Aktivist*innen fordern, Umweltprobleme nicht isoliert zu 59 +betrachten. Stattdessen sollten sie als soziale Probleme behandelt werden, die ihren Ursprung in gesellschaftlichen Hierarchien und Ausbeutungssystemen haben. Durch die öffentliche Vernachlässigung von BIPoC-Protesten wird das falsche Bild geschaffen, Menschen aus dem 60 +Globalen Süden seien nicht am Umwelt- und Klimaschutz interessiert. Dies ist auf die Ideologie des weißen Naturschutzes zurückzuführen, die im 174 174 Kolonialismus verwurzelt ist.[ix] 175 -\\8.Deutschland als einer der größten globalen Emittenten und als Land mit 176 -starken ökonomischen und technologischen Möglichkeiten trägt eine 177 -besondere Verantwortung. Deshalb muss Deutschland auch innerhalb der EU 178 -und auf internationaler Ebene für ambitionierte Reduktionsziele und 179 -konsequente Klimaschutzmaßnahmen eintreten. Insbesondere bei der 180 -Ausgestaltung von internationalen Handelsmechanismen mit CO2-Emissionen 181 -fordern wir die Bundesregierung auf, für eine robuste, faire und sichere 182 -Ausgestaltung einzutreten, damit es, anders als unter dem Kyoto-Protokoll, 183 -nicht zu massivem Missbrauch kommt. Dies bedeutet, dass die 184 -Anrechenbarkeit von Zertifikaten aus dem Kyoto-Mechanismus stark 185 -reglementiert und eingeschränkt werden muss. Zudem müssen Doppelzählungen 186 -und Schlupflöcher im Regelwerk ausgeschlossen werden und eine zusätzliche 62 +\\8. Deutschland als einer der größten globalen Emittenten und als Land mit starken ökonomischen und technologischen Möglichkeiten trägt eine 63 +besondere Verantwortung. Deshalb muss Deutschland auch innerhalb der EU und auf internationaler Ebene für ambitionierte Reduktionsziele und konsequente Klimaschutzmaßnahmen eintreten. Insbesondere bei der Ausgestaltung von internationalen Handelsmechanismen mit CO2-Emissionen 64 +fordern wir die Bundesregierung auf, für eine robuste, faire und sichere Ausgestaltung einzutreten, damit es, anders als unter dem Kyoto-Protokoll, 65 +nicht zu massivem Missbrauch kommt. Dies bedeutet, dass die Anrechenbarkeit von Zertifikaten aus dem Kyoto-Mechanismus stark reglementiert und eingeschränkt werden muss. Zudem müssen Doppelzählungen und Schlupflöcher im Regelwerk ausgeschlossen werden und eine zusätzliche 187 187 Reduktion der CO2-Emissionen erwirkt werden.[xiii] 188 -\\9.Länder und Menschen des Globalen Nordens profitieren von der 189 -Ressourcenausbeutung des Globalen Südens. Dies hat seinen Ursprung in der 190 -Kolonialzeit und hält bis heute an. Eine große Rolle spielt außerdem das 191 -kapitalistische System, dass insbesondere auf Profit und Gewinn aus ist. 192 -Unter anderem werden zugunsten des Globalen Nordens Rohstoffe sehr günstig 193 -importiert.[ix] So kommt es zu einer Ausbeutung von Tieren, Pflanzen, 194 -Menschen und Ökosystemen des Globalen Südens, die die Kosten unseres 67 +\\9. Länder und Menschen des Globalen Nordens profitieren von der Ressourcenausbeutung des Globalen Südens. Dies hat seinen Ursprung in der 68 +Kolonialzeit und hält bis heute an. Eine große Rolle spielt außerdem das kapitalistische System, dass insbesondere auf Profit und Gewinn aus ist. 69 +Unter anderem werden zugunsten des Globalen Nordens Rohstoffe sehr günstig importiert.[ix] So kommt es zu einer Ausbeutung von Tieren, Pflanzen, Menschen und Ökosystemen des Globalen Südens, die die Kosten unseres 195 195 Lebensstils tragen.[xiv] 196 -\\10. Die Auswirkungen der Klimakrise sind bereits überall auf der Welt - 197 -wenn auch in ungleichem Maße - zu spüren. Szenarien zu erstellen, um 198 -diese greifbar zu machen, kann nur ein erster Schritt sein. Die 199 -aktive und zeitnahe Einrichtung beziehungsweise Anpassung von 200 -Entwässerungsanlagen oder Warnsystemen kann nicht schnell genug 201 -erfolgen. Grundsätzlich müssen Städte- und Häuserbau ebenso neu 202 -gedacht werden, wie viele andere Wirtschaftsbereiche auch.[xv] Eine 203 -besondere Bedeutung bei der Stadtentwicklung kommt dabei der 204 -Entsieglung von Flächen und dem Schaffen von Blau-Grüner Infrastruktur insbesondere in dicht bebauten Stadtteilen zu. Gerade 205 -in sozioökonomisch schwächeren Stadtteilen gibt es häufig einen 206 -hohen Anteil versiegelter Flächen, die sich im Sommer besonders 207 -stark aufheizen und so zu einem schlechteren Mikroklima führen. 208 -Aktiver Naturschutz sowie die Renaturierung und der Erhalt von 209 -Ökosystemen wie (Au-)Wäldern oder Mooren tragen aktiv zur Prävention 210 -bei. Dieser Umbau bietet durchaus Chancen: Es entstehen neue 211 -Möglichkeiten gesellschaftlichen und wirtschaftlichen 212 -Zusammenlebens. Hinzu kommt: Wer jetzt proaktiv investiert und 213 -Anstrengungen unternimmt, die Klimakrise einzudämmen, zahlt heute 214 -einen geringeren finanziellen sowie gesellschaftlichen Preis, als 215 -wenn in einigen Jahren ad-hoc Schutz- und Anpassungsmaßnahmen 71 +\\10. Die Auswirkungen der Klimakrise sind bereits überall auf der Welt - wenn auch in ungleichem Maße - zu spüren. Szenarien zu erstellen, um 72 +diese greifbar zu machen, kann nur ein erster Schritt sein. Die aktive und zeitnahe Einrichtung beziehungsweise Anpassung von 73 +Entwässerungsanlagen oder Warnsystemen kann nicht schnell genug erfolgen. Grundsätzlich müssen Städte- und Häuserbau ebenso neu 74 +gedacht werden, wie viele andere Wirtschaftsbereiche auch.[xv] Eine besondere Bedeutung bei der Stadtentwicklung kommt dabei der 75 +Entsieglung von Flächen und dem Schaffen von Blau-Grüner Infrastruktur insbesondere in dicht bebauten Stadtteilen zu. Gerade in sozioökonomisch schwächeren Stadtteilen gibt es häufig einen hohen Anteil versiegelter Flächen, die sich im Sommer besonders stark aufheizen und so zu einem schlechteren Mikroklima führen. Aktiver Naturschutz sowie die Renaturierung und der Erhalt von Ökosystemen wie (Au-)Wäldern oder Mooren tragen aktiv zur Prävention bei. Dieser Umbau bietet durchaus Chancen: Es entstehen neue Möglichkeiten gesellschaftlichen und wirtschaftlichen 76 +Zusammenlebens. Hinzu kommt: Wer jetzt proaktiv investiert und Anstrengungen unternimmt, die Klimakrise einzudämmen, zahlt heute 77 +einen geringeren finanziellen sowie gesellschaftlichen Preis, als wenn in einigen Jahren ad-hoc Schutz- und Anpassungsmaßnahmen 216 216 umgesetzt werden müssen. 217 -\\11.Bereits jetzt wird deutlich, dass die größten Schäden und Verluste 218 -diejenigen Länder treffen, die einen sehr geringen Anteil zu den globalen 219 -Treibhausgasemissionen beigetragen haben und zugleich nicht über die 220 -notwendigen Ressourcen verfügen, sich gegen die Schäden präventiv zu 221 -schützen. Deutschland muss als reiche Industrienation seine Verantwortung 222 -anerkennen und einen relevanten Beitrag zur Klimafinanzierung leisten. 223 -Dies muss in den Bereichen Emissionsminderung, Anpassung sowie 224 -Klimawandelschäden und -verluste erfolgen. Bislang hält die Gruppe 225 -wohlhabender Länder ihr Versprechen nicht, von 2020 bis 2025 jährlich 100 226 -Milliarden US-Dollar Klimafinanzierung für Länder des Globalen Südens 227 -bereitzustellen. Die Bundesregierung muss sich für die Erfüllung des Ziels 228 -stark machen und den eigenen Anteil von mindestens 8 Milliarden US-Dollar 229 -pro Jahr bis 2025 absichern. Das neue Klimafinanzierungsziel ab 2025 muss 230 -sich an den Bedarfen der am stärksten von der Klimakrise betroffenen 231 -Länder ausrichten. Ein deutscher Anteil von 10 Prozent an der Gesamtsumme 232 -muss sichergestellt werden.[xvi] Darüber hinaus muss sich die 233 -Bundesregierung dafür einsetzen, dass die Staatengemeinschaft die 234 -internationalen Finanzströme im Sinne des Klima- und Artenschutzes 79 +\\11. Bereits jetzt wird deutlich, dass die größten Schäden und Verluste diejenigen Länder treffen, die einen sehr geringen Anteil zu den globalen 80 +Treibhausgasemissionen beigetragen haben und zugleich nicht über die notwendigen Ressourcen verfügen, sich gegen die Schäden präventiv zu 81 +schützen. Deutschland muss als reiche Industrienation seine Verantwortung anerkennen und einen relevanten Beitrag zur Klimafinanzierung leisten. 82 +Dies muss in den Bereichen Emissionsminderung, Anpassung sowie Klimawandelschäden und -verluste erfolgen. Bislang hält die Gruppe 83 +wohlhabender Länder ihr Versprechen nicht, von 2020 bis 2025 jährlich 100 Milliarden US-Dollar Klimafinanzierung für Länder des Globalen Südens 84 +bereitzustellen. Die Bundesregierung muss sich für die Erfüllung des Ziels stark machen und den eigenen Anteil von mindestens 8 Milliarden US-Dollar pro Jahr bis 2025 absichern. Das neue Klimafinanzierungsziel ab 2025 muss sich an den Bedarfen der am stärksten von der Klimakrise betroffenen Länder ausrichten. Ein deutscher Anteil von 10 Prozent an der Gesamtsumme muss sichergestellt werden.[xvi] Darüber hinaus muss sich die Bundesregierung dafür einsetzen, dass die Staatengemeinschaft die internationalen Finanzströme im Sinne des Klima- und Artenschutzes 235 235 kanalisiert und steuert. 236 -\\12.Bereits heute beeinflusst die Klimakrise und die daraus resultierende 237 -Umweltzerstörung die Lebensumstände vieler Menschen so sehr, dass sie 238 -gezwungen sind, ihre Heimat zu verlassen. Sowohl nach der Genfer 239 -Flüchtlingskonvention als auch nach dem deutschen Asylrecht steht diesen 240 -Menschen bislang kein Schutz zu. Die Bundesregierung muss auf 241 -internationaler Ebene dafür eintreten, dies zu ändern und das nationale 86 +\\12.Bereits heute beeinflusst die Klimakrise und die daraus resultierende Umweltzerstörung die Lebensumstände vieler Menschen so sehr, dass sie 87 +gezwungen sind, ihre Heimat zu verlassen. Sowohl nach der Genfer Flüchtlingskonvention als auch nach dem deutschen Asylrecht steht diesen 88 +Menschen bislang kein Schutz zu. Die Bundesregierung muss auf internationaler Ebene dafür eintreten, dies zu ändern und das nationale 242 242 Recht anzupassen.[xvii] 243 -\\13.Die Zusammenhänge zwischen dem Verlust der Artenvielfalt und der 244 -Klimakrise sind eindeutig. Untrennbar und sich gegenseitig verstärkend 245 -stellen beide Entwicklungen eine Krise von existenzieller Bedrohung dar. 246 -Der Schutz von Ökosystemen und biologischer Vielfalt muss künftig viel 247 -mehr Raum bei der Ausgestaltung von Klimaschutzmaßnahmen einnehmen als 248 -bisher. Ohne konsequente Naturschutz- und Renaturierungsmaßnahmen können 249 -die Emissionsminderungsziele nicht erreicht werden. Dies bestätigen die 250 -Berichte des Weltbiodiversitätsrat (IPBES)[xviii] und des Weltklimarats 251 -(IPCC)[xix]. Zudem sind intakte Ökosysteme notwendig, um die Resilienz 252 -gegenüber dem sich ändernden Klima zu erhöhen. Natürliche Lösungen 253 -(sogenannte NBS, Nature-based Solutions) müssen in der Debatte um 254 -Klimaschutzmaßnahmen stärker als bisher bedacht werden. Gleichzeitig 255 -müssen Klimaschutzmaßnahmen hinsichtlich ihres Einflusses auf die 90 +\\13.Die Zusammenhänge zwischen dem Verlust der Artenvielfalt und der Klimakrise sind eindeutig. Untrennbar und sich gegenseitig verstärkend 91 +stellen beide Entwicklungen eine Krise von existenzieller Bedrohung dar. Der Schutz von Ökosystemen und biologischer Vielfalt muss künftig viel 92 +mehr Raum bei der Ausgestaltung von Klimaschutzmaßnahmen einnehmen als bisher. Ohne konsequente Naturschutz- und Renaturierungsmaßnahmen können die Emissionsminderungsziele nicht erreicht werden. Dies bestätigen die 93 +Berichte des Weltbiodiversitätsrat (IPBES)[xviii] und des Weltklimarats (IPCC)[xix]. Zudem sind intakte Ökosysteme notwendig, um die Resilienz 94 +gegenüber dem sich ändernden Klima zu erhöhen. Natürliche Lösungen (sogenannte NBS, Nature-based Solutions) müssen in der Debatte um 95 +Klimaschutzmaßnahmen stärker als bisher bedacht werden. Gleichzeitig müssen Klimaschutzmaßnahmen hinsichtlich ihres Einflusses auf die 256 256 Biodiversität überprüft werden. 257 -\\14.Laut IPCC-Sonderbericht 2019 ist die Landnutzung weltweit für 23 Prozent 258 -aller Emissionen verantwortlich.[xix] Die Landwirtschaft ist somit 259 -weltweit einer der Haupttreiber der Klimakrise und hat gleichzeitig massiv 260 -mit deren Folgen zu kämpfen. Die NAJU trägt die Forderungen der 261 -Zukunftskommission Landwirtschaft mit[xx] und setzt sich für einen 262 -Brückenschlag zwischen Naturschützer*innen und Landwirt*innen ein. Eine 263 -klimaresiliente Landwirtschaft sorgt nicht nur für Lebensmittelsicherheit 264 -weltweit und kann so die Versorgung der Weltbevölkerung zukünftig 265 -garantieren, sondern sichert auch Arbeitsplätze. Darüber hinaus ist der 266 -Umbau zu einer resilienten, fairen und naturnahen Landwirtschaft der 97 +\\14.Laut IPCC-Sonderbericht 2019 ist die Landnutzung weltweit für 23 Prozent aller Emissionen verantwortlich.[xix] Die Landwirtschaft ist somit 98 +weltweit einer der Haupttreiber der Klimakrise und hat gleichzeitig massiv mit deren Folgen zu kämpfen. Die NAJU trägt die Forderungen der 99 +Zukunftskommission Landwirtschaft mit[xx] und setzt sich für einen Brückenschlag zwischen Naturschützer*innen und Landwirt*innen ein. Eine 100 +klimaresiliente Landwirtschaft sorgt nicht nur für Lebensmittelsicherheit weltweit und kann so die Versorgung der Weltbevölkerung zukünftig 101 +garantieren, sondern sichert auch Arbeitsplätze. Darüber hinaus ist der Umbau zu einer resilienten, fairen und naturnahen Landwirtschaft der 267 267 Schlüssel für den Erhalt der Biodiversität.[xxi] 268 -\\15.Der Verkehrssektor ist der einzige Sektor, in dem die CO2-Emissionen in 269 -Deutschland seit 1990 nicht gesunken sind.[xxii] 2019 wurden noch mehr als 270 -ein Fünftel der Emissionen im Verkehr verursacht. Die Wende zu einer 271 -postfossilen ressourcensparenden Mobilität ist nicht nur aus Sicht des 272 -Klimaschutzes, sondern auch aus gesundheitlichen und sozialen Gründen 273 -überfällig. Der Straßenverkehr macht in Deutschland fast 95 Prozent der 274 -Emissionen in diesem Sektor aus,[iv] sodass hier der entscheidende Hebel 275 -besteht. Ab 2030 sollen keine Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor mehr 276 -zugelassen werden. Allerdings kann die Lösung nicht sein, alle Fahrzeuge 277 -durch solche mit Elektro-Antrieb zu ersetzen. Einhergehend mit einer 278 -Preisreduzierung und dem Ausbau des ÖPNV sowie der Rad- und 279 -Fußverkehrsinfrastruktur, muss der individuelle Automobilverkehr deutlich 280 -reduziert werden. Um längere Distanzen zu überwinden, muss die Bahn in der 281 -Taktung, der Preisgestaltung sowie dem Service angepasst werden. 282 -Kurzstreckenflüge bis 1.000 Kilometer müssen zeitnah ersetzt werden. Damit 283 -auch alle Menschen den ÖPNV tatsächlich nutzen können, muss dieser mitsamt 284 -seiner Infrastruktur flächendeckend barrierefrei gestaltet werden und 285 -strukturelle Benachteiligungen wie die schlechtere Anbindung von 286 -sozioökonomisch vermeintlich schwächeren Stadtteilen und Regionen abgebaut 287 -werden. Der ÖPNV und die entsprechende Infrastruktur wie Bahnhöfe müssen 288 -auch sichere Orte insbesondere für von (Mehrfach-)Diskriminierung 289 -betroffenen Menschen werden, um eine alternative zum Motorisierten 290 -Individualverkehr zu werden. Wir verweisen auf die Positionspapiere der 291 -NAJU[xxiii] sowie des Deutschen Bundesjugendrings[xxiv] zur 292 -Mobilitätswende. 293 -\\16.Um auf die Herausforderungen des gesellschaftlichen, technologischen und 294 -kulturellen Umbaus angesichts der Klimakrise angemessen reagieren zu 295 -können, sind Verständnis und Handlungskompetenz in der Breite der 296 -Gesellschaft notwendig. Bildungsarbeit im formellen sowie informellen 297 -Bereich ist von größter Bedeutung bei der Gestaltung der Gesellschaft in 298 -Zeiten der Klimakrise. Die Klimakrise und ihre Auswirkungen müssen 299 -zentrale Inhalte in Bildungsplänen und Rahmenlehrplänen sein. Von 300 -besonderer Bedeutung ist dabei nicht nur der bloße Umgang mit Kennzahlen 301 -und Fakten, sondern auch ein lösungs- und handlungsorientierter Ansatz. 302 -Nur mit der Kompetenz, sich Herausforderungen zu stellen, diese zu 303 -moderieren und unter Einbeziehung unterschiedlicher Perspektiven gezielt 304 -anzugehen, kann die Gesellschaft der Klimakrise wirkungsvoll begegnen. Das 305 -Konzept einer Bildung für Nachhaltige Entwicklung stellt hierfür die 306 -Grundlage dar.[xxv] 307 -\\17. Besonders vulnerable Gruppen müssen umfassend an politischen und 308 -gesellschaftlichen Entscheidungsprozessen beteiligt werden. Neben 309 -anderen marginalisierten Gruppen werden die Klimafolgen insbesondere 310 -heutige junge und zukünftige Generationen treffen, die keine direkte 103 +\\15.Der Verkehrssektor ist der einzige Sektor, in dem die CO2-Emissionen in Deutschland seit 1990 nicht gesunken sind.[xxii] 2019 wurden noch mehr als ein Fünftel der Emissionen im Verkehr verursacht. Die Wende zu einer postfossilen ressourcensparenden Mobilität ist nicht nur aus Sicht des 104 +Klimaschutzes, sondern auch aus gesundheitlichen und sozialen Gründen überfällig. Der Straßenverkehr macht in Deutschland fast 95 Prozent der Emissionen in diesem Sektor aus,[iv] sodass hier der entscheidende Hebel besteht. Ab 2030 sollen keine Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor mehr 105 +zugelassen werden. Allerdings kann die Lösung nicht sein, alle Fahrzeuge durch solche mit Elektro-Antrieb zu ersetzen. Einhergehend mit einer 106 +Preisreduzierung und dem Ausbau des ÖPNV sowie der Rad- und Fußverkehrsinfrastruktur, muss der individuelle Automobilverkehr deutlich 107 +reduziert werden. Um längere Distanzen zu überwinden, muss die Bahn in der Taktung, der Preisgestaltung sowie dem Service angepasst werden. 108 +Kurzstreckenflüge bis 1.000 Kilometer müssen zeitnah ersetzt werden. Damit auch alle Menschen den ÖPNV tatsächlich nutzen können, muss dieser mitsamt seiner Infrastruktur flächendeckend barrierefrei gestaltet werden und strukturelle Benachteiligungen wie die schlechtere Anbindung von 109 +sozioökonomisch vermeintlich schwächeren Stadtteilen und Regionen abgebaut werden. Der ÖPNV und die entsprechende Infrastruktur wie Bahnhöfe müssen auch sichere Orte insbesondere für von (Mehrfach-)Diskriminierung betroffenen Menschen werden, um eine alternative zum Motorisierten Individualverkehr zu werden. Wir verweisen auf die Positionspapiere der 110 +NAJU[xxiii] sowie des Deutschen Bundesjugendrings[xxiv] zur Mobilitätswende. 111 +\\16.Um auf die Herausforderungen des gesellschaftlichen, technologischen und kulturellen Umbaus angesichts der Klimakrise angemessen reagieren zu können, sind Verständnis und Handlungskompetenz in der Breite der Gesellschaft notwendig. Bildungsarbeit im formellen sowie informellen 112 +Bereich ist von größter Bedeutung bei der Gestaltung der Gesellschaft in Zeiten der Klimakrise. Die Klimakrise und ihre Auswirkungen müssen zentrale Inhalte in Bildungsplänen und Rahmenlehrplänen sein. Von besonderer Bedeutung ist dabei nicht nur der bloße Umgang mit Kennzahlen 113 +und Fakten, sondern auch ein lösungs- und handlungsorientierter Ansatz. Nur mit der Kompetenz, sich Herausforderungen zu stellen, diese zu 114 +moderieren und unter Einbeziehung unterschiedlicher Perspektiven gezielt anzugehen, kann die Gesellschaft der Klimakrise wirkungsvoll begegnen. Das Konzept einer Bildung für Nachhaltige Entwicklung stellt hierfür die Grundlage dar.[xxv] 115 +\\17. Besonders vulnerable Gruppen müssen umfassend an politischen und gesellschaftlichen Entscheidungsprozessen beteiligt werden. Neben 116 +anderen marginalisierten Gruppen werden die Klimafolgen insbesondere heutige junge und zukünftige Generationen treffen, die keine direkte 311 311 312 -18. Unsere Ressourcen auf dem Planeten sind begrenzt, weshalb 313 -grenzenloses Wachstum eine Illusion ist. Zugleich führt das Streben 314 -nach immer größeren Profiten zu einer immer größeren 315 -Ungleichverteilung des Wohlstandes und zerstört Natur und Umwelt. Um 316 -Klimagerechtigkeit in unserer Gesellschaft zu schaffen, braucht es 317 -eine umfassende gesellschaftliche Transformation.[xxix] Technische 318 -Innovationen allein können die Klimakrise nicht lösen. 319 -Umweltprobleme können nicht isoliert betrachtet werden, sondern 320 -müssen als soziale Phänomene verstanden werden. Ökologische und 321 -soziale Aspekte können sich wechselseitig verstärken – im Positiven 322 -wie im Negativen. 118 +18. Unsere Ressourcen auf dem Planeten sind begrenzt, weshalb grenzenloses Wachstum eine Illusion ist. Zugleich führt das Streben 119 +nach immer größeren Profiten zu einer immer größeren Ungleichverteilung des Wohlstandes und zerstört Natur und Umwelt. Um 120 +Klimagerechtigkeit in unserer Gesellschaft zu schaffen, braucht es eine umfassende gesellschaftliche Transformation.[xxix] Technische 121 +Innovationen allein können die Klimakrise nicht lösen. Umweltprobleme können nicht isoliert betrachtet werden, sondern müssen als soziale Phänomene verstanden werden. Ökologische und soziale Aspekte können sich wechselseitig verstärken – im Positiven wie im Negativen. 323 323 \\Wir verweisen auf die anderen Positionspapiere der NAJU sowie auf die Positionen 324 324 des NABU (Naturschutzbund Deutschland) e.V. 325 325 [i]Zum „Capitalocene”: