Changes for page [2023] Positionspapier Klimaschutz und Klimagerechtigkeit
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... ... @@ -1,7 +1,18 @@ 1 1 Antragstext 2 -Die Auswirkungen der Klimakrise sind längst mess- und sichtbar. Die gesellschaftlichen und historischen Ursachen sind vielfach wissenschaftlich belegt. Neben erheblichen sozialen und ökonomischen Problemen drohen durch eine weitere Erhitzung des globalen Klimas irreversible Schäden für Natur und Umwelt. Wir leben im Zeitalter des Kapitalozäns: Der Ursprung der Klimakrise liegt in kapitalistischen und kolonialen Strukturen.[i] Daher sind Länder und Menschen des Globalen Nordens^^1 ^^in besonderem Maße für die Klimakrise verantwortlich. 3 -Historisch gesehen haben sie den Großteil der Treibhausgasemissionen ausgestoßen.[ii] Trotzdem sind Länder und Menschen des Globalen Südens^^2^^ schon seit Generationen am stärksten von den Folgen der Umweltausbeutung und der Klimakrise betroffen. Sie gründeten Widerstands- und Umweltbewegungen dagegen. Zudem spüren insbesondere junge und nachfolgende Generationen, von (Mehrfach- )Diskriminierung betroffene Menschen und Menschen in prekären Lebenssituationen die Auswirkungen der Klimakrise in besonderem Maße. 4 - 2 +Die Auswirkungen der Klimakrise sind längst mess- und sichtbar. Die 3 +gesellschaftlichen und historischen Ursachen sind vielfach wissenschaftlich 4 +belegt. Neben erheblichen sozialen und ökonomischen Problemen drohen durch eine 5 +weitere Erhitzung des globalen Klimas irreversible Schäden für Natur und Umwelt. 6 +Wir leben im Zeitalter des Kapitalozäns: Der Ursprung der Klimakrise liegt in 7 +kapitalistischen und kolonialen Strukturen.[i] Daher sind Länder und Menschen 8 +des Globalen Nordens1 in besonderem Maße für die Klimakrise verantwortlich. 9 +Historisch gesehen haben sie den Großteil der Treibhausgasemissionen 10 +ausgestoßen.[ii] Trotzdem sind Länder und Menschen des Globalen Südens1 schon 11 +seit Generationen am stärksten von den Folgen der Umweltausbeutung und der 12 +Klimakrise betroffen. Sie gründeten Widerstands- und Umweltbewegungen dagegen. 13 +Zudem spüren insbesondere junge und nachfolgende Generationen, von (Mehrfach- 14 +)Diskriminierung betroffene Menschen und Menschen in prekären Lebenssituationen 15 +die Auswirkungen der Klimakrise in besonderem Maße. 5 5 1 Die Begriffe "Globaler Norden" und "Globaler Süden“ verweisen nicht auf 6 6 geografische Kategorien. „Mit dem Begriff Globaler Süden wird eine im 7 7 globalen System benachteiligte gesellschaftliche, politische und ... ... @@ -211,10 +211,15 @@ 211 211 die ihren Ursprung in gesellschaftlichen Hierarchien und 212 212 Ausbeutungssystemen haben. Durch die öffentliche Vernachlässigung von 213 213 BIPoC-Protesten wird das falsche Bild geschaffen, Menschen aus dem 225 +\\Beschluss Positionspapier zu Klimaschutz und Klimagerechtigkeit 226 +Seite 6 214 214 Globalen Süden seien nicht am Umwelt- und Klimaschutz interessiert. Dies 215 215 ist auf die Ideologie des weißen Naturschutzes zurückzuführen, die im 216 216 Kolonialismus verwurzelt ist.[ix] 217 -\\8.Deutschland als einer der größten globalen Emittenten und als Land mit 230 +224 231 +225 232 +226 233 +Deutschland als einer der größten globalen Emittenten und als Land mit 218 218 starken ökonomischen und technologischen Möglichkeiten trägt eine 219 219 besondere Verantwortung. Deshalb muss Deutschland auch innerhalb der EU 220 220 und auf internationaler Ebene für ambitionierte Reduktionsziele und ... ... @@ -227,7 +227,20 @@ 227 227 reglementiert und eingeschränkt werden muss. Zudem müssen Doppelzählungen 228 228 und Schlupflöcher im Regelwerk ausgeschlossen werden und eine zusätzliche 229 229 Reduktion der CO2-Emissionen erwirkt werden.[xiii] 230 -\\9.Länder und Menschen des Globalen Nordens profitieren von der 246 +227 8. 247 +228 248 +229 249 +230 250 +231 251 +232 252 +233 253 +234 254 +235 255 +236 256 +237 257 +238 258 +239 259 +Länder und Menschen des Globalen Nordens profitieren von der 231 231 Ressourcenausbeutung des Globalen Südens. Dies hat seinen Ursprung in der 232 232 Kolonialzeit und hält bis heute an. Eine große Rolle spielt außerdem das 233 233 kapitalistische System, dass insbesondere auf Profit und Gewinn aus ist. ... ... @@ -235,7 +235,15 @@ 235 235 importiert.[ix] So kommt es zu einer Ausbeutung von Tieren, Pflanzen, 236 236 Menschen und Ökosystemen des Globalen Südens, die die Kosten unseres 237 237 Lebensstils tragen.[xiv] 238 -\\10. Die Auswirkungen der Klimakrise sind bereits überall auf der Welt - 267 +240 9. 268 +241 269 +242 270 +243 271 +244 272 +245 273 +246 274 +247 275 +10. Die Auswirkungen der Klimakrise sind bereits überall auf der Welt - 239 239 wenn auch in ungleichem Maße - zu spüren. Szenarien zu erstellen, um 240 240 diese greifbar zu machen, kann nur ein erster Schritt sein. Die 241 241 aktive und zeitnahe Einrichtung beziehungsweise Anpassung von ... ... @@ -254,9 +254,33 @@ 254 254 Zusammenlebens. Hinzu kommt: Wer jetzt proaktiv investiert und 255 255 Anstrengungen unternimmt, die Klimakrise einzudämmen, zahlt heute 256 256 einen geringeren finanziellen sowie gesellschaftlichen Preis, als 294 +248 1. 295 +249 296 +250 297 +251 298 +252 299 +253 300 +254 301 +255 302 +256 303 +257 304 +258 305 +259 306 +260 307 +261 308 +262 309 +263 310 +264 311 +265 312 +266 313 +267 314 +Beschluss Positionspapier zu Klimaschutz und Klimagerechtigkeit 315 +Seite 7 257 257 wenn in einigen Jahren ad-hoc Schutz- und Anpassungsmaßnahmen 258 258 umgesetzt werden müssen. 259 -\\11.Bereits jetzt wird deutlich, dass die größten Schäden und Verluste 318 +268 319 +269 320 +Bereits jetzt wird deutlich, dass die größten Schäden und Verluste 260 260 diejenigen Länder treffen, die einen sehr geringen Anteil zu den globalen 261 261 Treibhausgasemissionen beigetragen haben und zugleich nicht über die 262 262 notwendigen Ressourcen verfügen, sich gegen die Schäden präventiv zu ... ... @@ -275,7 +275,26 @@ 275 275 Bundesregierung dafür einsetzen, dass die Staatengemeinschaft die 276 276 internationalen Finanzströme im Sinne des Klima- und Artenschutzes 277 277 kanalisiert und steuert. 278 -\\12.Bereits heute beeinflusst die Klimakrise und die daraus resultierende 339 +270 11. 340 +271 341 +272 342 +273 343 +274 344 +275 345 +276 346 +277 347 +278 348 +279 349 +280 350 +281 351 +282 352 +283 353 +284 354 +285 355 +286 356 +287 357 +288 358 +Bereits heute beeinflusst die Klimakrise und die daraus resultierende 279 279 Umweltzerstörung die Lebensumstände vieler Menschen so sehr, dass sie 280 280 gezwungen sind, ihre Heimat zu verlassen. Sowohl nach der Genfer 281 281 Flüchtlingskonvention als auch nach dem deutschen Asylrecht steht diesen ... ... @@ -282,7 +282,14 @@ 282 282 Menschen bislang kein Schutz zu. Die Bundesregierung muss auf 283 283 internationaler Ebene dafür eintreten, dies zu ändern und das nationale 284 284 Recht anzupassen.[xvii] 285 -\\13.Die Zusammenhänge zwischen dem Verlust der Artenvielfalt und der 365 +289 12. 366 +290 367 +291 368 +292 369 +293 370 +294 371 +295 372 +Die Zusammenhänge zwischen dem Verlust der Artenvielfalt und der 286 286 Klimakrise sind eindeutig. Untrennbar und sich gegenseitig verstärkend 287 287 stellen beide Entwicklungen eine Krise von existenzieller Bedrohung dar. 288 288 Der Schutz von Ökosystemen und biologischer Vielfalt muss künftig viel ... ... @@ -296,18 +296,45 @@ 296 296 Klimaschutzmaßnahmen stärker als bisher bedacht werden. Gleichzeitig 297 297 müssen Klimaschutzmaßnahmen hinsichtlich ihres Einflusses auf die 298 298 Biodiversität überprüft werden. 299 -\\14.Laut IPCC-Sonderbericht 2019 ist die Landnutzung weltweit für 23 Prozent 386 +296 13. 387 +297 388 +298 389 +299 390 +300 391 +301 392 +302 393 +303 394 +304 395 +305 396 +306 397 +307 398 +308 399 +309 400 +Laut IPCC-Sonderbericht 2019 ist die Landnutzung weltweit für 23 Prozent 300 300 aller Emissionen verantwortlich.[xix] Die Landwirtschaft ist somit 301 301 weltweit einer der Haupttreiber der Klimakrise und hat gleichzeitig massiv 302 302 mit deren Folgen zu kämpfen. Die NAJU trägt die Forderungen der 303 303 Zukunftskommission Landwirtschaft mit[xx] und setzt sich für einen 304 304 Brückenschlag zwischen Naturschützer*innen und Landwirt*innen ein. Eine 406 +310 14. 407 +311 408 +312 409 +313 410 +314 411 +315 412 +Beschluss Positionspapier zu Klimaschutz und Klimagerechtigkeit 413 +Seite 8 305 305 klimaresiliente Landwirtschaft sorgt nicht nur für Lebensmittelsicherheit 306 306 weltweit und kann so die Versorgung der Weltbevölkerung zukünftig 307 307 garantieren, sondern sichert auch Arbeitsplätze. Darüber hinaus ist der 308 308 Umbau zu einer resilienten, fairen und naturnahen Landwirtschaft der 309 309 Schlüssel für den Erhalt der Biodiversität.[xxi] 310 -\\15.Der Verkehrssektor ist der einzige Sektor, in dem die CO2-Emissionen in 419 +316 420 +317 421 +318 422 +319 423 +320 424 +Der Verkehrssektor ist der einzige Sektor, in dem die CO2-Emissionen in 311 311 Deutschland seit 1990 nicht gesunken sind.[xxii] 2019 wurden noch mehr als 312 312 ein Fünftel der Emissionen im Verkehr verursacht. Die Wende zu einer 313 313 postfossilen ressourcensparenden Mobilität ist nicht nur aus Sicht des ... ... @@ -332,7 +332,32 @@ 332 332 Individualverkehr zu werden. Wir verweisen auf die Positionspapiere der 333 333 NAJU[xxiii] sowie des Deutschen Bundesjugendrings[xxiv] zur 334 334 Mobilitätswende. 335 -\\16.Um auf die Herausforderungen des gesellschaftlichen, technologischen und 449 +321 15. 450 +322 451 +323 452 +324 453 +325 454 +326 455 +327 456 +328 457 +329 458 +330 459 +331 460 +332 461 +333 462 +334 463 +335 464 +336 465 +337 466 +338 467 +339 468 +340 469 +341 470 +342 471 +343 472 +344 473 +345 474 +Um auf die Herausforderungen des gesellschaftlichen, technologischen und 336 336 kulturellen Umbaus angesichts der Klimakrise angemessen reagieren zu 337 337 können, sind Verständnis und Handlungskompetenz in der Breite der 338 338 Gesellschaft notwendig. Bildungsarbeit im formellen sowie informellen ... ... @@ -346,23 +346,31 @@ 346 346 anzugehen, kann die Gesellschaft der Klimakrise wirkungsvoll begegnen. Das 347 347 Konzept einer Bildung für Nachhaltige Entwicklung stellt hierfür die 348 348 Grundlage dar.[xxv] 349 -\\17. Besonders vulnerable Gruppen müssen umfassend an politischen und 488 +346 16. 489 +347 490 +348 491 +349 492 +350 493 +351 494 +352 495 +353 496 +354 497 +355 498 +356 499 +357 500 +358 501 +359 502 +17. Besonders vulnerable Gruppen müssen umfassend an politischen und 350 350 gesellschaftlichen Entscheidungsprozessen beteiligt werden. Neben 351 351 anderen marginalisierten Gruppen werden die Klimafolgen insbesondere 352 -heutige junge und zukünftige Generationen treffen, die keine direkte 353 - 354 -18. Unsere Ressourcen auf dem Planeten sind begrenzt, weshalb 355 -grenzenloses Wachstum eine Illusion ist. Zugleich führt das Streben 356 -nach immer größeren Profiten zu einer immer größeren 357 -Ungleichverteilung des Wohlstandes und zerstört Natur und Umwelt. Um 358 -Klimagerechtigkeit in unserer Gesellschaft zu schaffen, braucht es 359 -eine umfassende gesellschaftliche Transformation.[xxix] Technische 360 -Innovationen allein können die Klimakrise nicht lösen. 361 -Umweltprobleme können nicht isoliert betrachtet werden, sondern 362 -müssen als soziale Phänomene verstanden werden. Ökologische und 363 -soziale Aspekte können sich wechselseitig verstärken – im Positiven 364 -wie im Negativen. 365 -\\Wir verweisen auf die anderen Positionspapiere der NAJU sowie auf die Positionen 505 +heutige junge und zukünftige Generationen treffen, die keine direkte 506 +360 1. 507 +361 508 +362 509 +363 510 +Beschluss Positionspapier zu Klimaschutz und Klimagerechtigkeit 511 +Seite 9 512 +Wir verweisen auf die anderen Positionspapiere der NAJU sowie auf die Positionen 366 366 des NABU (Naturschutzbund Deutschland) e.V. 367 367 [i]Zum „Capitalocene”: 368 368 Moore, J. W. 2016: Anthropocene or Capitalocene? Nature, history, and the crisis ... ... @@ -399,6 +399,67 @@ 399 399 Ebenen gewährleistet sein, sei es durch Abschaffung des 400 400 Wahlalters[xxviii] oder durch Schaffung entsprechender Gremien und 401 401 Posten. 549 +364 550 +365 551 +366 552 +367 553 +368 554 +369 555 +370 556 +371 557 +372 558 +373 559 +374 560 +18. Unsere Ressourcen auf dem Planeten sind begrenzt, weshalb 561 +grenzenloses Wachstum eine Illusion ist. Zugleich führt das Streben 562 +nach immer größeren Profiten zu einer immer größeren 563 +Ungleichverteilung des Wohlstandes und zerstört Natur und Umwelt. Um 564 +Klimagerechtigkeit in unserer Gesellschaft zu schaffen, braucht es 565 +eine umfassende gesellschaftliche Transformation.[xxix] Technische 566 +Innovationen allein können die Klimakrise nicht lösen. 567 +Umweltprobleme können nicht isoliert betrachtet werden, sondern 568 +müssen als soziale Phänomene verstanden werden. Ökologische und 569 +soziale Aspekte können sich wechselseitig verstärken – im Positiven 570 +wie im Negativen. 571 +375 1. 572 +376 573 +377 574 +378 575 +379 576 +380 577 +381 578 +382 579 +383 580 +384 581 +385 582 +386 583 +387 584 +388 585 +389 586 +390 587 +391 588 +392 589 +393 590 +394 591 +395 592 +396 593 +397 594 +398 595 +399 596 +400 597 +401 598 +402 599 +403 600 +404 601 +405 602 +406 603 +407 604 +408 605 +409 606 +410 607 +411 608 +Beschluss Positionspapier zu Klimaschutz und Klimagerechtigkeit 609 +Seite 10 402 402 [iv] Sachverständigenrat für Umweltfragen 2020: Für eine entschlossene 403 403 Umweltpolitik in Deutschland und Europa. Kurzfassung. URL, aufgerufen am 404 404 05.09.2023. ... ... @@ -442,6 +442,51 @@ 442 442 Ecosystem Services. E. S. Brondizio, J. Settele, S. Díaz, and H. T. Ngo (eds.). 443 443 Bonn: IPBES Sekretariat, https:~/~/doi.org/10.5281/zenodo.3831673 . URL, 444 444 aufgerufen am 05.09.2023. 653 +412 654 +413 655 +414 656 +415 657 +416 658 +417 659 +418 660 +419 661 +420 662 +421 663 +422 664 +423 665 +424 666 +425 667 +426 668 +427 669 +428 670 +429 671 +430 672 +431 673 +432 674 +433 675 +434 676 +435 677 +436 678 +437 679 +438 680 +439 681 +440 682 +441 683 +442 684 +443 685 +444 686 +445 687 +446 688 +447 689 +448 690 +449 691 +450 692 +451 693 +452 694 +453 695 +454 696 +Beschluss Positionspapier zu Klimaschutz und Klimagerechtigkeit 697 +Seite 11 445 445 [xix] IPCC 2019: Summary for Policymakers. In: Climate Change and Land: an IPCC 446 446 special report on climate change, desertification, land degradation, sustainable 447 447 land management, food security, and greenhouse gas fluxes in terrestrial