Changes for page [2023] Positionspapier Klimaschutz und Klimagerechtigkeit
Last modified by Valentin Hügenell on 2026/02/21 16:34
From version 2.4
edited by Theresa König
on 2026/02/21 15:21
on 2026/02/21 15:21
Change comment:
There is no comment for this version
To version 4.1
edited by Theresa König
on 2026/02/21 15:27
on 2026/02/21 15:27
Change comment:
There is no comment for this version
Summary
-
Page properties (1 modified, 0 added, 0 removed)
Details
- Page properties
-
- Content
-
... ... @@ -1,105 +1,42 @@ 1 1 Antragstext 2 -Die Auswirkungen der Klimakrise sind längst mess- und sichtbar. Die gesellschaftlichen und historischen Ursachen sind vielfach wissenschaftlich belegt. Neben erheblichen sozialen und ökonomischen Problemen drohen durch eine weitere Erhitzung des globalen Klimas irreversible Schäden für Natur und Umwelt. Wir leben im Zeitalter des Kapitalozäns: Der Ursprung der Klimakrise liegt in kapitalistischen und kolonialen Strukturen.[i] Daher sind Länder und Menschen des Globalen Nordens1 in besonderem Maße für die Klimakrise verantwortlich. 3 -Historisch gesehen haben sie den Großteil der Treibhausgasemissionen ausgestoßen.[ii] Trotzdem sind Länder und Menschen des Globalen Südens schon seit Generationen am stärksten von den Folgen der Umweltausbeutung und der Klimakrise betroffen. Sie gründeten Widerstands- und Umweltbewegungen dagegen. 4 -Zudem spüren insbesondere junge und nachfolgende Generationen, von (Mehrfach- 5 -)Diskriminierung betroffene Menschen und Menschen in prekären Lebenssituationen 6 -die Auswirkungen der Klimakrise in besonderem Maße. 7 -1 Die Begriffe "Globaler Norden" und "Globaler Süden“ verweisen nicht auf 8 -geografische Kategorien. „Mit dem Begriff Globaler Süden wird eine im 9 -globalen System benachteiligte gesellschaftliche, politische und 10 -ökonomische Position beschrieben. Globaler Norden hingegen bestimmt eine 11 -mit Vorteilen bedachte Position. Die Einteilung verweist auf die 12 -unterschiedliche Erfahrung mit Kolonialismus und Ausbeutung, einmal als 13 -vor allem Profitierende und einmal als vornehmlich Ausgebeutete“ (glokal 14 -2013). 15 -Quelle: glokal 2013: Mit kolonialen Grüßen. Berichte und Erzählungen von 16 -Auslandsaufenthalten rassismuskritisch betrachtet. URL: 17 -https:~/~/www.glokal.org/wp content/uploads/2013/09/BroschuereMitkolonialenGruessen2013.pdf, 18 -S. 8, aufgerufen am 23.09.2023. 19 -Um die Folgen der Klimakrise einzudämmen, hat sich die internationale 20 -Staatengemeinschaft 2015 mit dem Pariser Abkommen darauf verständigt, die 21 -globale Erwärmung auf deutlich unter 2 Grad Celsius zu begrenzen und 22 -Anstrengungen zu unternehmen, eine maximale Erwärmung von 1,5 Grad Celsius 23 -anzustreben. Im März 2023 veröffentlichte der Weltklimarat (IPCC) seinen 24 -sechsten Sachstandsbericht, der die gravierende Handlungslücke zur Einhaltung 25 -des 1,5 Grad-Ziels deutlich unterstreicht.[iii] Das Fenster, in dem die 26 -Erderwärmung noch auf 1,5 Grad begrenzt werden kann, wird sich in wenigen Jahren 27 -schließen. Die bisher umgesetzten und geplanten Maßnahmen der Staaten reichen 28 -nicht aus, um die im Pariser Klimaabkommen vereinbarten Ziele einzuhalten. Jedes 29 -Zehntelgrad Erwärmung hat schwerwiegende Konsequenzen. Unter anderem werden 30 -Ökosysteme unwiederbringlich zerstört, Biodiversität geht verloren, Konflikte um 31 -natürliche Ressourcen nehmen zu, Extremwetterereignisse treten vermehrt auf und 32 -Menschen verlieren ihre Existenzgrundlage und Heimat. Dies ist ein unhaltbarer 33 -Zustand. 34 -\\Beschluss Positionspapier zu Klimaschutz und Klimagerechtigkeit 35 -Seite 2 36 -Als NAJU setzen wir uns für junge und marginalisierte Gruppen ein. Deshalb 37 -fordern wir einen wirksamen und gerechten Klimaschutz. Ziel ist der Erhalt von 38 -Lebensgrundlagen und einer intakten Natur. Deshalb muss eine sozial-ökologische 39 -Transformation die globale Erwärmung schnellstmöglich bremsen und die Erfüllung 40 -der Grundbedürfnisse aller Menschen sicherstellen. 2 +Die Auswirkungen der Klimakrise sind längst mess- und sichtbar. Die gesellschaftlichen und historischen Ursachen sind vielfach wissenschaftlich belegt. Neben erheblichen sozialen und ökonomischen Problemen drohen durch eine weitere Erhitzung des globalen Klimas irreversible Schäden für Natur und Umwelt. Wir leben im Zeitalter des Kapitalozäns: Der Ursprung der Klimakrise liegt in kapitalistischen und kolonialen Strukturen.[i] Daher sind Länder und Menschen des Globalen Nordens^^1 ^^in besonderem Maße für die Klimakrise verantwortlich. 3 +Historisch gesehen haben sie den Großteil der Treibhausgasemissionen ausgestoßen.[ii] Trotzdem sind Länder und Menschen des Globalen Südens^^1^^ schon seit Generationen am stärksten von den Folgen der Umweltausbeutung und der Klimakrise betroffen. Sie gründeten Widerstands- und Umweltbewegungen dagegen. Zudem spüren insbesondere junge und nachfolgende Generationen, von (Mehrfach- )Diskriminierung betroffene Menschen und Menschen in prekären Lebenssituationen die Auswirkungen der Klimakrise in besonderem Maße. 4 + 5 +^^1^^ Die Begriffe "Globaler Norden" und "Globaler Süden“ verweisen nicht auf geografische Kategorien. „Mit dem Begriff Globaler Süden wird eine im 6 +globalen System benachteiligte gesellschaftliche, politische und ökonomische Position beschrieben. Globaler Norden hingegen bestimmt eine mit Vorteilen bedachte Position. Die Einteilung verweist auf die unterschiedliche Erfahrung mit Kolonialismus und Ausbeutung, einmal als vor allem Profitierende und einmal als vornehmlich Ausgebeutete“ (glokal 2013). Quelle: glokal 2013: Mit kolonialen Grüßen. Berichte und Erzählungen von 7 +Auslandsaufenthalten rassismuskritisch betrachtet. URL:https:~/~/www.glokal.org/wpcontent/uploads/2013/09/BroschuereMitkolonialenGruessen2013.pdf, S. 8, aufgerufen am 23.09.2023. 8 + 9 + 10 +Um die Folgen der Klimakrise einzudämmen, hat sich die internationale Staatengemeinschaft 2015 mit dem Pariser Abkommen darauf verständigt, die globale Erwärmung auf deutlich unter 2 Grad Celsius zu begrenzen und Anstrengungen zu unternehmen, eine maximale Erwärmung von 1,5 Grad Celsius anzustreben. Im März 2023 veröffentlichte der Weltklimarat (IPCC) seinen sechsten Sachstandsbericht, der die gravierende Handlungslücke zur Einhaltung des 1,5 Grad-Ziels deutlich unterstreicht.[iii] Das Fenster, in dem die Erderwärmung noch auf 1,5 Grad begrenzt werden kann, wird sich in wenigen Jahren schließen. Die bisher umgesetzten und geplanten Maßnahmen der Staaten reichen nicht aus, um die im Pariser Klimaabkommen vereinbarten Ziele einzuhalten. Jedes Zehntelgrad Erwärmung hat schwerwiegende Konsequenzen. Unter anderem werden Ökosysteme unwiederbringlich zerstört, Biodiversität geht verloren, Konflikte um natürliche Ressourcen nehmen zu, Extremwetterereignisse treten vermehrt auf und Menschen verlieren ihre Existenzgrundlage und Heimat. Dies ist ein unhaltbarer Zustand. 11 +\\Als NAJU setzen wir uns für junge und marginalisierte Gruppen ein. Deshalb fordern wir einen wirksamen und gerechten Klimaschutz. Ziel ist der Erhalt von Lebensgrundlagen und einer intakten Natur. Deshalb muss eine sozial-ökologische Transformation die globale Erwärmung schnellstmöglich bremsen und die Erfüllung der Grundbedürfnisse aller Menschen sicherstellen. 12 + 41 41 Daher fordern wir: 42 -\\1. Eine ambitionierte und sozialgerechte Klimapolitik der Bundesregierung 43 -sowohl auf nationaler als auch auf internationaler Ebene, die sich an dem 44 -1,5 Grad-Ziel und den dafür aus wissenschaftlicher Sicht notwendigen 45 -Maßnahmen orientiert. Dazu müssen die Treibhausgasemissionen in 14 +\\1. Eine ambitionierte und sozialgerechte Klimapolitik der Bundesregierung sowohl auf nationaler als auch auf internationaler Ebene, die sich an dem 1,5 Grad-Ziel und den dafür aus wissenschaftlicher Sicht notwendigen Maßnahmen orientiert. Dazu müssen die Treibhausgasemissionen in 46 46 Deutschland auf Nettonull bis 2035 gesenkt werden. 47 -\\2. Eine sozial- und naturverträgliche Energiewende mit einem vollständigen 48 -Kohleausstieg in Deutschland bis 2030. 49 -\\3. Eine Reduktion der Treibhausgasemissionen auf europäischer Ebene um 50 -mindestens 65 Prozent bis 2030 (im Vergleich zu 1990) sowie das Erreichen 51 -der Klimaneutralität auf EU-Ebene bis 2040. 52 -\\4. Die politische und gesellschaftliche Anerkennung, dass der Globale Norden 53 -als Hauptverursacher der Klimakrise die größte Verantwortung trägt, 16 +\\2. Eine sozial- und naturverträgliche Energiewende mit einem vollständigen Kohleausstieg in Deutschland bis 2030. 17 +\\3. Eine Reduktion der Treibhausgasemissionen auf europäischer Ebene um mindestens 65 Prozent bis 2030 (im Vergleich zu 1990) sowie das Erreichen der Klimaneutralität auf EU-Ebene bis 2040. 18 +\\4. Die politische und gesellschaftliche Anerkennung, dass der Globale Norden als Hauptverursacher der Klimakrise die größte Verantwortung trägt, 54 54 während der Globale Süden am stärksten von den Folgen betroffen ist. 55 -\\5.Die politische und gesellschaftliche Anerkennung des Zusammenhangs 56 -zwischen Klimakrise, Kolonialismus und Rassismus. Anhaltende koloniale 20 +\\5. Die politische und gesellschaftliche Anerkennung des Zusammenhangs zwischen Klimakrise, Kolonialismus und Rassismus. Anhaltende koloniale 57 57 Machtstrukturen müssen konsequent abgebaut werden. 58 -\\6.Klimaschutz muss sozial gerecht gestaltet werden. Insbesondere FLINTA*- 59 -Personen (Frauen, Lesben, Inter, Nichtbinär, Trans, Agender), BIPoC, 60 -(mehrfach-)diskriminierte Menschen, Menschen in prekären Lebenssituationen 61 -und junge Menschen müssen aus Perspektive der Gender-, Generationen- und 62 -Klimagerechtigkeit stärker berücksichtigt werden. 63 -\\7.Die Sichtbarmachung von Perspektiven, Umweltbewegungen und 64 -Widerstandskämpfen von BIPoC (Black, Indigenous and People of Color). 65 -\\8.Als Industrieland mit einer globalen Verantwortung für die Menschen in den 66 -Ländern, die besonders von der Klimakrise betroffen sind, muss Deutschland 67 -eine internationale Vorreiterrolle einnehmen. Dies gilt sowohl innerhalb 68 -der Europäischen Union als auch bei den Vereinten Nationen. 22 +\\6. Klimaschutz muss sozial gerecht gestaltet werden. Insbesondere FLINTA*- Personen (Frauen, Lesben, Inter, Nichtbinär, Trans, Agender), BIPoC, 23 +(mehrfach-)diskriminierte Menschen, Menschen in prekären Lebenssituationen und junge Menschen müssen aus Perspektive der Gender-, Generationen- und Klimagerechtigkeit stärker berücksichtigt werden. 24 +\\7.Die Sichtbarmachung von Perspektiven, Umweltbewegungen und Widerstandskämpfen von BIPoC (Black, Indigenous and People of Color). 25 +\\8. Als Industrieland mit einer globalen Verantwortung für die Menschen in den Ländern, die besonders von der Klimakrise betroffen sind, muss Deutschland eine internationale Vorreiterrolle einnehmen. Dies gilt sowohl innerhalb der Europäischen Union als auch bei den Vereinten Nationen. 69 69 70 -9.Das Ende des Raubbaus und der Ressourcenausbeutung insbesondere im 71 -Globalen Süden zugunsten des Globalen Nordens. 72 -\\10.Umfangreiche Anpassungen an die bereits messbaren Auswirkungen der 73 -Klimakrise zum Schutz der Menschen sowie der natürlichen Lebensgrundlagen. 74 -\\11.Eine Erhöhung der von Deutschland bereitgestellten internationalen 75 -Klimafinanzierung auf mindestens 8 Milliarden Euro bis 2025. Das neue 76 -Klimafinanzierungsziel ab 2025 muss sich an den Bedarfen der am stärksten 77 -von der Klimakrise betroffenen Länder ausrichten. Deutschland muss sowohl 78 -Gelder für die Emissionsminderung und Anpassung als auch zusätzliche 79 -Erläuterung und Begründung unserer Forderungen 80 -Mittel für den vereinbarten Fond für Klimawandelschäden und -verluste 81 -bereitstellen. 82 -\\12.Die Anerkennung der gravierenden Folgen der Klimakrise als Fluchtursache 83 -und die Gewährleistung von Schutz für flüchtende sowie schutzsuchende 84 -Menschen. 85 -\\13.Den Schutz und die klimaresiliente Renaturierung von Ökosystemen als 86 -natürliche Kohlenstoffsenken. 87 -\\14.Eine klimaverträgliche Agrarpolitik, die klimaresiliente Lebensräume 88 -schafft und Biodiversität fördert. Zugleich muss die Zukunft für 27 +9. Das Ende des Raubbaus und der Ressourcenausbeutung insbesondere im Globalen Süden zugunsten des Globalen Nordens. 28 +\\10. Umfangreiche Anpassungen an die bereits messbaren Auswirkungen der Klimakrise zum Schutz der Menschen sowie der natürlichen Lebensgrundlagen. 29 +\\11.Eine Erhöhung der von Deutschland bereitgestellten internationalen Klimafinanzierung auf mindestens 8 Milliarden Euro bis 2025. Das neue 30 +Klimafinanzierungsziel ab 2025 muss sich an den Bedarfen der am stärksten von der Klimakrise betroffenen Länder ausrichten. Deutschland muss sowohl Gelder für die Emissionsminderung und Anpassung als auch zusätzliche Erläuterung und Begründung unserer Forderungen Mittel für den vereinbarten Fond für Klimawandelschäden und -verluste bereitstellen. 31 +\\12.Die Anerkennung der gravierenden Folgen der Klimakrise als Fluchtursache und die Gewährleistung von Schutz für flüchtende sowie schutzsuchende Menschen. 32 +\\13.Den Schutz und die klimaresiliente Renaturierung von Ökosystemen als natürliche Kohlenstoffsenken. 33 +\\14.Eine klimaverträgliche Agrarpolitik, die klimaresiliente Lebensräume schafft und Biodiversität fördert. Zugleich muss die Zukunft für 89 89 Landwirt*innen gesichert sein. 90 -\\15.Eine klimaschützende und nachhaltige Mobilität. Insbesondere müssen dabei 91 -die unterschiedlichen Voraussetzungen in Städten und auf dem Land 92 -berücksichtigt und der Verkehrssektor sozialverträglich transformiert 93 -werden. 94 -\\16.Die umfangreiche Sensibilisierung von Kindern, Jugendlichen und 95 -Erwachsenen gegenüber der Klimakrise, ihrer Auswirkungen und der 96 -notwendigen Klimaschutz- und Anpassungsmaßnahmen im Rahmen schulischer und 97 -außerschulischer Bildungsarbeit. 98 -\\17.Eine umfassende Beteiligung von Jugendlichen, jungen Erwachsenen und 99 -marginalisierten Gruppen bei der Ausgestaltung von Klimaschutzmaßnahmen 100 -auf allen Ebenen. 101 -\\18. Eine umfassende sozial-ökologische Transformation, die strukturelle 102 -Probleme löst. 35 +\\15.Eine klimaschützende und nachhaltige Mobilität. Insbesondere müssen dabei die unterschiedlichen Voraussetzungen in Städten und auf dem Land berücksichtigt und der Verkehrssektor sozialverträglich transformiert werden. 36 +\\16.Die umfangreiche Sensibilisierung von Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen gegenüber der Klimakrise, ihrer Auswirkungen und der 37 +notwendigen Klimaschutz- und Anpassungsmaßnahmen im Rahmen schulischer und außerschulischer Bildungsarbeit. 38 +\\17.Eine umfassende Beteiligung von Jugendlichen, jungen Erwachsenen und marginalisierten Gruppen bei der Ausgestaltung von Klimaschutzmaßnahmen auf allen Ebenen. 39 +\\18. Eine umfassende sozial-ökologische Transformation, die strukturelle Probleme löst. 103 103 104 104 Erläuterung unserer Forderungen 105 105 \\1. Das zur Verfügung stehende CO2-Budget gibt laut Sachverständigenrat für