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... ... @@ -1,515 +1,125 @@ 1 -Antragstext 2 -Die Auswirkungen der Klimakrise sind längst mess- und sichtbar. Die 3 -gesellschaftlichen und historischen Ursachen sind vielfach wissenschaftlich 4 -belegt. Neben erheblichen sozialen und ökonomischen Problemen drohen durch eine 5 -weitere Erhitzung des globalen Klimas irreversible Schäden für Natur und Umwelt. 6 -Wir leben im Zeitalter des Kapitalozäns: Der Ursprung der Klimakrise liegt in 7 -kapitalistischen und kolonialen Strukturen.[i] Daher sind Länder und Menschen 8 -des Globalen Nordens1 in besonderem Maße für die Klimakrise verantwortlich. 9 -Historisch gesehen haben sie den Großteil der Treibhausgasemissionen 10 -ausgestoßen.[ii] Trotzdem sind Länder und Menschen des Globalen Südens1 schon 11 -seit Generationen am stärksten von den Folgen der Umweltausbeutung und der 12 -Klimakrise betroffen. Sie gründeten Widerstands- und Umweltbewegungen dagegen. 13 -Zudem spüren insbesondere junge und nachfolgende Generationen, von (Mehrfach- 14 -)Diskriminierung betroffene Menschen und Menschen in prekären Lebenssituationen 15 -die Auswirkungen der Klimakrise in besonderem Maße. 16 -1 Die Begriffe "Globaler Norden" und "Globaler Süden“ verweisen nicht auf 17 -geografische Kategorien. „Mit dem Begriff Globaler Süden wird eine im 18 -globalen System benachteiligte gesellschaftliche, politische und 19 -ökonomische Position beschrieben. Globaler Norden hingegen bestimmt eine 20 -mit Vorteilen bedachte Position. Die Einteilung verweist auf die 21 -unterschiedliche Erfahrung mit Kolonialismus und Ausbeutung, einmal als 22 -vor allem Profitierende und einmal als vornehmlich Ausgebeutete“ (glokal 23 -2013). 24 -Quelle: glokal 2013: Mit kolonialen Grüßen. Berichte und Erzählungen von 25 -Auslandsaufenthalten rassismuskritisch betrachtet. URL: 26 -https:~/~/www.glokal.org/wp content/uploads/2013/09/BroschuereMitkolonialenGruessen2013.pdf, 27 -S. 8, aufgerufen am 23.09.2023. 28 -Um die Folgen der Klimakrise einzudämmen, hat sich die internationale 29 -Staatengemeinschaft 2015 mit dem Pariser Abkommen darauf verständigt, die 30 -globale Erwärmung auf deutlich unter 2 Grad Celsius zu begrenzen und 31 -Anstrengungen zu unternehmen, eine maximale Erwärmung von 1,5 Grad Celsius 32 -anzustreben. Im März 2023 veröffentlichte der Weltklimarat (IPCC) seinen 33 -sechsten Sachstandsbericht, der die gravierende Handlungslücke zur Einhaltung 34 -des 1,5 Grad-Ziels deutlich unterstreicht.[iii] Das Fenster, in dem die 35 -Erderwärmung noch auf 1,5 Grad begrenzt werden kann, wird sich in wenigen Jahren 36 -schließen. Die bisher umgesetzten und geplanten Maßnahmen der Staaten reichen 37 -nicht aus, um die im Pariser Klimaabkommen vereinbarten Ziele einzuhalten. Jedes 38 -Zehntelgrad Erwärmung hat schwerwiegende Konsequenzen. Unter anderem werden 39 -Ökosysteme unwiederbringlich zerstört, Biodiversität geht verloren, Konflikte um 40 -natürliche Ressourcen nehmen zu, Extremwetterereignisse treten vermehrt auf und 41 -Menschen verlieren ihre Existenzgrundlage und Heimat. Dies ist ein unhaltbarer 42 -Zustand. 43 -\\Beschluss Positionspapier zu Klimaschutz und Klimagerechtigkeit 44 -Seite 2 45 -Als NAJU setzen wir uns für junge und marginalisierte Gruppen ein. Deshalb 46 -fordern wir einen wirksamen und gerechten Klimaschutz. Ziel ist der Erhalt von 47 -Lebensgrundlagen und einer intakten Natur. Deshalb muss eine sozial-ökologische 48 -Transformation die globale Erwärmung schnellstmöglich bremsen und die Erfüllung 49 -der Grundbedürfnisse aller Menschen sicherstellen. 50 -Daher fordern wir: 51 -\\1. Eine ambitionierte und sozialgerechte Klimapolitik der Bundesregierung 52 -sowohl auf nationaler als auch auf internationaler Ebene, die sich an dem 53 -1,5 Grad-Ziel und den dafür aus wissenschaftlicher Sicht notwendigen 54 -Maßnahmen orientiert. Dazu müssen die Treibhausgasemissionen in 1 +**Antragstext** 2 + 3 + 4 +Die Auswirkungen der Klimakrise sind längst mess- und sichtbar. Die gesellschaftlichen und historischen Ursachen sind vielfach wissenschaftlich belegt. Neben erheblichen sozialen und ökonomischen Problemen drohen durch eine weitere Erhitzung des globalen Klimas irreversible Schäden für Natur und Umwelt. Wir leben im Zeitalter des Kapitalozäns: Der Ursprung der Klimakrise liegt in kapitalistischen und kolonialen Strukturen.[i] Daher sind Länder und Menschen des Globalen Nordens^^1 ^^in besonderem Maße für die Klimakrise verantwortlich. 5 +Historisch gesehen haben sie den Großteil der Treibhausgasemissionen ausgestoßen.[ii] Trotzdem sind Länder und Menschen des Globalen Südens^^1^^ schon seit Generationen am stärksten von den Folgen der Umweltausbeutung und der Klimakrise betroffen. Sie gründeten Widerstands- und Umweltbewegungen dagegen. Zudem spüren insbesondere junge und nachfolgende Generationen, von (Mehrfach- )Diskriminierung betroffene Menschen und Menschen in prekären Lebenssituationen die Auswirkungen der Klimakrise in besonderem Maße. 6 + 7 +^^1^^ Die Begriffe "Globaler Norden" und "Globaler Süden“ verweisen nicht auf geografische Kategorien. „Mit dem Begriff Globaler Süden wird eine im 8 +globalen System benachteiligte gesellschaftliche, politische und ökonomische Position beschrieben. Globaler Norden hingegen bestimmt eine mit Vorteilen bedachte Position. Die Einteilung verweist auf die unterschiedliche Erfahrung mit Kolonialismus und Ausbeutung, einmal als vor allem Profitierende und einmal als vornehmlich Ausgebeutete“ (glokal 2013). Quelle: glokal 2013: Mit kolonialen Grüßen. Berichte und Erzählungen von 9 +Auslandsaufenthalten rassismuskritisch betrachtet. URL:https:~/~/www.glokal.org/wpcontent/uploads/2013/09/BroschuereMitkolonialenGruessen2013.pdf, S. 8, aufgerufen am 23.09.2023. 10 + 11 +Um die Folgen der Klimakrise einzudämmen, hat sich die internationale Staatengemeinschaft 2015 mit dem Pariser Abkommen darauf verständigt, die globale Erwärmung auf deutlich unter 2 Grad Celsius zu begrenzen und Anstrengungen zu unternehmen, eine maximale Erwärmung von 1,5 Grad Celsius anzustreben. Im März 2023 veröffentlichte der Weltklimarat (IPCC) seinen sechsten Sachstandsbericht, der die gravierende Handlungslücke zur Einhaltung des 1,5 Grad-Ziels deutlich unterstreicht.[iii] Das Fenster, in dem die Erderwärmung noch auf 1,5 Grad begrenzt werden kann, wird sich in wenigen Jahren schließen. Die bisher umgesetzten und geplanten Maßnahmen der Staaten reichen nicht aus, um die im Pariser Klimaabkommen vereinbarten Ziele einzuhalten. Jedes Zehntelgrad Erwärmung hat schwerwiegende Konsequenzen. Unter anderem werden Ökosysteme unwiederbringlich zerstört, Biodiversität geht verloren, Konflikte um natürliche Ressourcen nehmen zu, Extremwetterereignisse treten vermehrt auf und Menschen verlieren ihre Existenzgrundlage und Heimat. Dies ist ein unhaltbarer Zustand. 12 +\\Als NAJU setzen wir uns für junge und marginalisierte Gruppen ein. Deshalb fordern wir einen wirksamen und gerechten Klimaschutz. Ziel ist der Erhalt von Lebensgrundlagen und einer intakten Natur. Deshalb muss eine sozial-ökologische Transformation die globale Erwärmung schnellstmöglich bremsen und die Erfüllung der Grundbedürfnisse aller Menschen sicherstellen. 13 + 14 +**Daher fordern wir:** 15 +\\1. Eine ambitionierte und sozialgerechte Klimapolitik der Bundesregierung sowohl auf nationaler als auch auf internationaler Ebene, die sich an dem 1,5 Grad-Ziel und den dafür aus wissenschaftlicher Sicht notwendigen Maßnahmen orientiert. Dazu müssen die Treibhausgasemissionen in 55 55 Deutschland auf Nettonull bis 2035 gesenkt werden. 56 -\\2. Eine sozial- und naturverträgliche Energiewende mit einem vollständigen 57 -Kohleausstieg in Deutschland bis 2030. 58 -\\3. Eine Reduktion der Treibhausgasemissionen auf europäischer Ebene um 59 -mindestens 65 Prozent bis 2030 (im Vergleich zu 1990) sowie das Erreichen 60 -der Klimaneutralität auf EU-Ebene bis 2040. 61 -\\4. Die politische und gesellschaftliche Anerkennung, dass der Globale Norden 62 -als Hauptverursacher der Klimakrise die größte Verantwortung trägt, 17 +\\2. Eine sozial- und naturverträgliche Energiewende mit einem vollständigen Kohleausstieg in Deutschland bis 2030. 18 +\\3. Eine Reduktion der Treibhausgasemissionen auf europäischer Ebene um mindestens 65 Prozent bis 2030 (im Vergleich zu 1990) sowie das Erreichen der Klimaneutralität auf EU-Ebene bis 2040. 19 +\\4. Die politische und gesellschaftliche Anerkennung, dass der Globale Norden als Hauptverursacher der Klimakrise die größte Verantwortung trägt, 63 63 während der Globale Süden am stärksten von den Folgen betroffen ist. 64 -\\5.Die politische und gesellschaftliche Anerkennung des Zusammenhangs 65 -zwischen Klimakrise, Kolonialismus und Rassismus. Anhaltende koloniale 21 +\\5. Die politische und gesellschaftliche Anerkennung des Zusammenhangs zwischen Klimakrise, Kolonialismus und Rassismus. Anhaltende koloniale 66 66 Machtstrukturen müssen konsequent abgebaut werden. 67 -\\6.Klimaschutz muss sozial gerecht gestaltet werden. Insbesondere FLINTA*- 68 -Personen (Frauen, Lesben, Inter, Nichtbinär, Trans, Agender), BIPoC, 69 -(mehrfach-)diskriminierte Menschen, Menschen in prekären Lebenssituationen 70 -und junge Menschen müssen aus Perspektive der Gender-, Generationen- und 71 -Klimagerechtigkeit stärker berücksichtigt werden. 72 -\\7.Die Sichtbarmachung von Perspektiven, Umweltbewegungen und 73 -Widerstandskämpfen von BIPoC (Black, Indigenous and People of Color). 74 -\\8.Als Industrieland mit einer globalen Verantwortung für die Menschen in den 75 -Ländern, die besonders von der Klimakrise betroffen sind, muss Deutschland 76 -eine internationale Vorreiterrolle einnehmen. Dies gilt sowohl innerhalb 77 -der Europäischen Union als auch bei den Vereinten Nationen. 23 +\\6. Klimaschutz muss sozial gerecht gestaltet werden. Insbesondere FLINTA*- Personen (Frauen, Lesben, Inter, Nichtbinär, Trans, Agender), BIPoC, 24 +(mehrfach-)diskriminierte Menschen, Menschen in prekären Lebenssituationen und junge Menschen müssen aus Perspektive der Gender-, Generationen- und Klimagerechtigkeit stärker berücksichtigt werden. 25 +\\7.Die Sichtbarmachung von Perspektiven, Umweltbewegungen und Widerstandskämpfen von BIPoC (Black, Indigenous and People of Color). 26 +\\8. Als Industrieland mit einer globalen Verantwortung für die Menschen in den Ländern, die besonders von der Klimakrise betroffen sind, muss Deutschland eine internationale Vorreiterrolle einnehmen. Dies gilt sowohl innerhalb der Europäischen Union als auch bei den Vereinten Nationen. 78 78 79 -9.Das Ende des Raubbaus und der Ressourcenausbeutung insbesondere im 80 -Globalen Süden zugunsten des Globalen Nordens. 81 -\\10.Umfangreiche Anpassungen an die bereits messbaren Auswirkungen der 82 -Klimakrise zum Schutz der Menschen sowie der natürlichen Lebensgrundlagen. 83 -\\11.Eine Erhöhung der von Deutschland bereitgestellten internationalen 84 -Klimafinanzierung auf mindestens 8 Milliarden Euro bis 2025. Das neue 85 -Klimafinanzierungsziel ab 2025 muss sich an den Bedarfen der am stärksten 86 -von der Klimakrise betroffenen Länder ausrichten. Deutschland muss sowohl 87 -Gelder für die Emissionsminderung und Anpassung als auch zusätzliche 88 -Erläuterung und Begründung unserer Forderungen 89 -Mittel für den vereinbarten Fond für Klimawandelschäden und -verluste 90 -bereitstellen. 91 -\\12.Die Anerkennung der gravierenden Folgen der Klimakrise als Fluchtursache 92 -und die Gewährleistung von Schutz für flüchtende sowie schutzsuchende 93 -Menschen. 94 -\\13.Den Schutz und die klimaresiliente Renaturierung von Ökosystemen als 95 -natürliche Kohlenstoffsenken. 96 -\\14.Eine klimaverträgliche Agrarpolitik, die klimaresiliente Lebensräume 97 -schafft und Biodiversität fördert. Zugleich muss die Zukunft für 28 +9. Das Ende des Raubbaus und der Ressourcenausbeutung insbesondere im Globalen Süden zugunsten des Globalen Nordens. 29 +\\10. Umfangreiche Anpassungen an die bereits messbaren Auswirkungen der Klimakrise zum Schutz der Menschen sowie der natürlichen Lebensgrundlagen. 30 +\\11.Eine Erhöhung der von Deutschland bereitgestellten internationalen Klimafinanzierung auf mindestens 8 Milliarden Euro bis 2025. Das neue 31 +Klimafinanzierungsziel ab 2025 muss sich an den Bedarfen der am stärksten von der Klimakrise betroffenen Länder ausrichten. Deutschland muss sowohl Gelder für die Emissionsminderung und Anpassung als auch zusätzliche Erläuterung und Begründung unserer Forderungen Mittel für den vereinbarten Fond für Klimawandelschäden und -verluste bereitstellen. 32 +\\12.Die Anerkennung der gravierenden Folgen der Klimakrise als Fluchtursache und die Gewährleistung von Schutz für flüchtende sowie schutzsuchende Menschen. 33 +\\13.Den Schutz und die klimaresiliente Renaturierung von Ökosystemen als natürliche Kohlenstoffsenken. 34 +\\14.Eine klimaverträgliche Agrarpolitik, die klimaresiliente Lebensräume schafft und Biodiversität fördert. Zugleich muss die Zukunft für 98 98 Landwirt*innen gesichert sein. 99 -\\15.Eine klimaschützende und nachhaltige Mobilität. Insbesondere müssen dabei 100 -die unterschiedlichen Voraussetzungen in Städten und auf dem Land 101 -berücksichtigt und der Verkehrssektor sozialverträglich transformiert 102 -werden. 103 -\\16.Die umfangreiche Sensibilisierung von Kindern, Jugendlichen und 104 -Erwachsenen gegenüber der Klimakrise, ihrer Auswirkungen und der 105 -notwendigen Klimaschutz- und Anpassungsmaßnahmen im Rahmen schulischer und 106 -außerschulischer Bildungsarbeit. 107 -\\17.Eine umfassende Beteiligung von Jugendlichen, jungen Erwachsenen und 108 -marginalisierten Gruppen bei der Ausgestaltung von Klimaschutzmaßnahmen 109 -auf allen Ebenen. 110 -\\18. Eine umfassende sozial-ökologische Transformation, die strukturelle 111 -Probleme löst. 36 +\\15.Eine klimaschützende und nachhaltige Mobilität. Insbesondere müssen dabei die unterschiedlichen Voraussetzungen in Städten und auf dem Land berücksichtigt und der Verkehrssektor sozialverträglich transformiert werden. 37 +\\16.Die umfangreiche Sensibilisierung von Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen gegenüber der Klimakrise, ihrer Auswirkungen und der 38 +notwendigen Klimaschutz- und Anpassungsmaßnahmen im Rahmen schulischer und außerschulischer Bildungsarbeit. 39 +\\17.Eine umfassende Beteiligung von Jugendlichen, jungen Erwachsenen und marginalisierten Gruppen bei der Ausgestaltung von Klimaschutzmaßnahmen auf allen Ebenen. 40 +\\18. Eine umfassende sozial-ökologische Transformation, die strukturelle Probleme löst. 112 112 113 -Erläuterung unserer Forderungen 114 -\\1. Das zur Verfügung stehende CO2-Budget gibt laut Sachverständigenrat für 115 -Umweltfragen den Rahmen für den angemessenen und notwendigen Beitrag 116 -Deutschlands zur Einhaltung der Pariser Klimaziele vor. Bei linearer 117 -Reduktion der Emissionen (basierend auf 2019) müsste Deutschland ab 2038 118 -klimaneutral sein.[iv] Von Fridays for Future Deutschland beauftragt, hat 119 -das Wuppertal Institut in einer Studie ermittelt, wie Klimaneutralität 120 -bereits 2035 machbar wäre.[v] Dafür notwendig sind ambitionierte 121 -Investitionen und ein gesellschaftlicher Umbau. So wird sichergestellt, 122 -dass der deutsche Anteil am verbleibenden globalen CO2-Budget für das 1,5 123 -Grad-Ziel nicht überproportional beansprucht wird. 124 -\\2. Der Ausbau der Erneuerbaren Energien ist essenziell für das Erreichen 125 -ambitionierter Klimaziele. Insbesondere der Ausbau von Windkraft- und 126 -Photovoltaikanlagen muss dazu massiv vorangetrieben werden. Eine 127 -vollständige klimaneutrale Stromversorgung mit Erneuerbaren bis 2035 ist 128 -umsetzbar[vi]und von elementarer Bedeutung. Dazu braucht es erhebliche 129 -Investitionen in die Forschung zu erneuerbaren Energien sowie zu Leitungs und Speichertechnologien, den großflächigen Ausbau dieser und den Abbau 130 -struktureller und bürokratischer Hürden. Um Erneuerbare Energien mit 131 -Arten- und Naturschutz zu vereinen, müssen Herausforderungen deutlich 132 -adressiert und abgewogen werden, Fachpersonal befragt und regionale 133 -Lösungen umgesetzt werden.[vii] Die Einbindung der Bürger*innen vor Ort 134 -ist fundamental für die Akzeptanz der notwendigen Energiewende. 135 -Neben dem Ausbau der Erneuerbaren Energien muss der Ausstieg aus fossilen 136 -Energiträgern schnell eingeleitet werden. Dafür muss Deutschland bis 2030 137 -aus der Kohleverstromung aussteigen. 138 -\\3. Mit dem Green Deal hat sich die Europäische Union auf den richtigen Weg 139 -gemacht. Mit ihrer langfristigen Klimastrategie legt sich die EU fest, bis 140 -2050 Klimaneutralität erreichen zu wollen. Die Erhöhung des europäischen 141 -Reduktionsziels bis 2030 auf 55 Prozent kann hier nur ein erster Schritt 142 -sein und muss zeitnah weiter auf 65 Prozent netto (d.h. ohne Anrechnung 143 -von Senken) angehoben werden, um auch international ein wichtiges Zeichen 144 -zu setzen.[viii] 145 -\\4.Die Länder und Menschen des Globalen Nordens müssen sich über ihre Rolle 146 -als Hauptverursacher*innen der Klimakrise bewusst werden, dementsprechend 147 -Verantwortung übernehmen und für Schäden und Verluste aufkommen. Sie sind 148 -historisch für den größten Anteil der Treibhausgasemissionen 149 -verantwortlich und profitieren wirtschaftlich am meisten.[ii] Die Folgen 150 -der Klimakrise spüren jedoch nicht alle Länder gleichermaßen. Länder und 151 -Menschen des Globalen Südens sind am stärksten von der Klimakrise 152 -betroffen. Die von Ländern des Globalen Nordens (insbesondere der EU) 153 -forcierten Freihandelsabkommen verschärfen und verfestigen diese 154 -Ungleichheiten zusätzlich, indem beispielsweise Umweltprobleme in Länder 155 -des Globalen Südens ausgelagert werden. 156 -\\5.Im Zuge des Kolonialismus haben Europäer*innen andere Menschen massenweise 157 -verschleppt, versklavt und getötet. Dieses Unterdrückungssystem beruhte 158 -auf einer Rassifizierung von Menschen, das heißt auf der Erfindung von 159 -hierarchisch geordneten „Menschenrassen“. Dabei ordneten sich weiße 160 -Menschen selbst positive Eigenschaften zu, den kolonialisierten, 161 -versklavten Menschen ordneten sie hingegen gegensätzliche negative 162 -Eigenschaften zu. Neben der Einteilung in Schwarze und weiße Menschen 163 -wurde die Welt in weitere hierarchisch geordnete, binäre Gegensatzpaare 164 -geteilt, unter anderem in die Kategorien Mann und Frau, heterosexuell und 165 -homosexuell, nicht be_hindert und be_hindert usw. Durch diese koloniale 166 -Einteilung der Welt schufen sich die Europäer*innen eine Rechtfertigung, 167 -um die kolonisierten Menschen auszubeuten, zu unterdrücken und 168 -abzuwerten.[ix] 169 -Die Bildung von Gegensatzpaaren machte auch vor der Natur keinen Halt: 170 -weiße Menschen schrieben kolonisierten Menschen zu, primitiv und naturnah 171 -zu sein. Zugleich waren sie der Ansicht, dass sie selbst durch ihr 172 -rationales Denken von der Natur entkoppelt seien. Die Natur wird in diesem 173 -Denken zu etwas Gestaltbaren und Beherrschbaren. Zugleich wird verleugnet, 174 -dass der Mensch als biologisches Wesen Teil von der Natur ist und von 175 -natürlichen Ökosystemen abhängig ist. Durch die Abwertung von Natur hat 176 -das koloniale Denken die Ausbeutung unserer natürlichen Lebensgrundlagen 177 -zugunsten von Profiten ermöglicht. Die Klimakrise hat ihre Wurzeln in 178 -diesem Denken. 179 -\\Diese Zusammenhänge von Klimakrise, Kolonialismus und Rassismus 180 -müssen anerkannt und beendet werden, um Klimagerechtigkeit zu 42 +**Erläuterung unserer Forderungen:** 43 +\\1. Das zur Verfügung stehende CO2-Budget gibt laut Sachverständigenrat für Umweltfragen den Rahmen für den angemessenen und notwendigen Beitrag Deutschlands zur Einhaltung der Pariser Klimaziele vor. Bei linearer Reduktion der Emissionen (basierend auf 2019) müsste Deutschland ab 2038 klimaneutral sein.[iv] Von Fridays for Future Deutschland beauftragt, hat das Wuppertal Institut in einer Studie ermittelt, wie Klimaneutralität bereits 2035 machbar wäre.[v] Dafür notwendig sind ambitionierte Investitionen und ein gesellschaftlicher Umbau. So wird sichergestellt, dass der deutsche Anteil am verbleibenden globalen CO2-Budget für das 1,5 Grad-Ziel nicht überproportional beansprucht wird. 44 +\\2. Der Ausbau der Erneuerbaren Energien ist essenziell für das Erreichen ambitionierter Klimaziele. Insbesondere der Ausbau von Windkraft- und 45 +Photovoltaikanlagen muss dazu massiv vorangetrieben werden. Eine vollständige klimaneutrale Stromversorgung mit Erneuerbaren bis 2035 ist 46 +umsetzbar[vi]und von elementarer Bedeutung. Dazu braucht es erhebliche Investitionen in die Forschung zu erneuerbaren Energien sowie zu Leitungs und Speichertechnologien, den großflächigen Ausbau dieser und den Abbau struktureller und bürokratischer Hürden. Um Erneuerbare Energien mit Arten- und Naturschutz zu vereinen, müssen Herausforderungen deutlich adressiert und abgewogen werden, Fachpersonal befragt und regionale Lösungen umgesetzt werden.[vii] Die Einbindung der Bürger*innen vor Ort ist fundamental für die Akzeptanz der notwendigen Energiewende. Neben dem Ausbau der Erneuerbaren Energien muss der Ausstieg aus fossilen Energieträgern schnell eingeleitet werden. Dafür muss Deutschland bis 2030 aus der Kohleverstromung aussteigen. 47 +\\3. Mit dem Green Deal hat sich die Europäische Union auf den richtigen Weg gemacht. Mit ihrer langfristigen Klimastrategie legt sich die EU fest, bis 48 +2050 Klimaneutralität erreichen zu wollen. Die Erhöhung des europäischen Reduktionsziels bis 2030 auf 55 Prozent kann hier nur ein erster Schritt 49 +sein und muss zeitnah weiter auf 65 Prozent netto (d.h. ohne Anrechnung von Senken) angehoben werden, um auch international ein wichtiges Zeichen zu setzen.[viii] 50 +\\4. Die Länder und Menschen des Globalen Nordens müssen sich über ihre Rolle als Hauptverursacher*innen der Klimakrise bewusst werden, dementsprechend Verantwortung übernehmen und für Schäden und Verluste aufkommen. Sie sind historisch für den größten Anteil der Treibhausgasemissionen verantwortlich und profitieren wirtschaftlich am meisten.[ii] Die Folgen der Klimakrise spüren jedoch nicht alle Länder gleichermaßen. Länder und Menschen des Globalen Südens sind am stärksten von der Klimakrise betroffen. Die von Ländern des Globalen Nordens (insbesondere der EU) forcierten Freihandelsabkommen verschärfen und verfestigen diese Ungleichheiten zusätzlich, indem beispielsweise Umweltprobleme in Länder des Globalen Südens ausgelagert werden. 51 +\\5. Im Zuge des Kolonialismus haben Europäer*innen andere Menschen massenweise verschleppt, versklavt und getötet. Dieses Unterdrückungssystem beruhte auf einer Rassifizierung von Menschen, das heißt auf der Erfindung von hierarchisch geordneten „Menschenrassen“. Dabei ordneten sich weiße Menschen selbst positive Eigenschaften zu, den kolonialisierten, versklavten Menschen ordneten sie hingegen gegensätzliche negative Eigenschaften zu. Neben der Einteilung in Schwarze und weiße Menschen wurde die Welt in weitere hierarchisch geordnete, binäre Gegensatzpaare geteilt, unter anderem in die Kategorien Mann und Frau, heterosexuell und homosexuell, nicht be_hindert und be_hindert usw. Durch diese koloniale Einteilung der Welt schufen sich die Europäer*innen eine Rechtfertigung, um die kolonisierten Menschen auszubeuten, zu unterdrücken und abzuwerten.[ix] Die Bildung von Gegensatzpaaren machte auch vor der Natur keinen Halt: weiße Menschen schrieben kolonisierten Menschen zu, primitiv und naturnah zu sein. Zugleich waren sie der Ansicht, dass sie selbst durch ihr rationales Denken von der Natur entkoppelt seien. Die Natur wird in diesem Denken zu etwas Gestaltbaren und Beherrschbaren. Zugleich wird verleugnet, dass der Mensch als biologisches Wesen Teil von der Natur ist und von natürlichen Ökosystemen abhängig ist. Durch die Abwertung von Natur hat das koloniale Denken die Ausbeutung unserer natürlichen Lebensgrundlagen zugunsten von Profiten ermöglicht. Die Klimakrise hat ihre Wurzeln in diesem Denken. 52 +Diese Zusammenhänge von Klimakrise, Kolonialismus und Rassismus müssen anerkannt und beendet werden, um Klimagerechtigkeit zu 181 181 schaffen.[ix] 182 -\\6.Diskriminierungen wie Rassismus, Klassismus, Sexismus, Ableismus 183 -(Diskriminierung von be_hinderten Menschen) oder Ageism (Diskriminierung 184 -aufgrund des Alters) stellen soziale Ungleichheits- und Machtverhältnisse 185 -dar und wirken intersektional.[x] Sie drängen bestimmte gesellschaftliche 186 -Gruppen an die gesellschaftlichen Ränder. Von (Mehrfach-)Diskriminierung 187 -betroffene Gruppen haben daher in der Regel weniger ökonomische Ressourcen 188 -und gesellschaftliche Einflussmöglichkeiten. Sie können sich selbst nicht 189 -im gleichen Maße vor Klimafolgen absichern und werden in staatlichen 190 -Maßnahmen nicht unbedingt gleichermaßen berücksichtigt. So bekommen 191 -marginalisierte Gruppen die Folgen der globalen Erwärmung am stärksten zu 192 -spüren. Sie sind von der Klimakrise besonders betroffen, obwohl sie wenig 193 -zur Erderwärmung beigetragen haben.[xi] 194 -Gendergerechtigkeit ist eine wichtige Voraussetzung für 195 -Klimagerechtigkeit, da FLINTA*-Personen (Frauen, Lesben, Inter, 196 -Nichtbinär, Trans, Agender) vor allem Personen aus dem Globalen Süden, 197 -sehr stark von der Klimakrise betroffen sind.[xii] Insbesondere in den 198 -Bereichen der Organisation der Erwerbs- und Sorgearbeit, des Zugangs zu 199 -Ressourcen, Gesundheitsvorsorge und politischer Beteiligung sind diese 200 -stark benachteiligt. Sie haben meist einen geringeren sozialen Status, 201 -sowie weniger politische und wirtschaftliche Macht als Männer. Dies geht 202 -insbesondere auf die historisch bedingte androzentrische 203 -(männerzentrierte) Sichtweise in Institutionen und Politik zurück. 204 -Deswegen fordern wir das Aufbrechen der patriarchalen Strukturen sowie 205 -eine verstärkte Sichtbarkeit und Unterstützung von FLINTA*-Personen, 206 -(mehrfach-) diskriminierte Menschen sowie Menschen in prekären 207 -Lebenssituationen. 208 -\\7. Heutzutage stehen vor allem weiße Klima- und Umweltbewegungen im 209 -öffentlichen Fokus. Bewegungen von BIPoC (Black, Indigenous and People of 210 -Color) werden dabei meistens außer Acht gelassen und vernachlässigt – nur 211 -selten wird in den Medien über sie berichtet. Jedoch kämpfen BIPoC Aktivist*innen schon seit Jahrzehnten gegen die Auswirkungen der 212 -Klimakrise sowie gegen strukturelle Unterdrückungsmuster. Die Arbeit und 213 -das Engagement von insbesondere jungen BIPoC-Aktivist*innen müssen 214 -sichtbar gemacht und anerkannt werden, da gerade sie besonders stark von 215 -den Folgen der Klimakrise betroffen sind. (Einige Kurzvorstellungen von 216 -BIPoC-Klimaaktivist*innen können in der kostenlosen Broschüre 217 -„Kolonialismus und Klimakrise. Über 500 Jahre Widerstand“ nachgelesen 218 -werden.[ix]) Auch Widerstandsbewegungen von BIPoC bekommen wenig 219 -Aufmerksamkeit, obwohl sie sich schon früh bildeten. Widerstandsbewegungen 220 -von BIPoC-Aktivist*innen fordern, Umweltprobleme nicht isoliert zu 221 -betrachten. Stattdessen sollten sie als soziale Probleme behandelt werden, 222 -die ihren Ursprung in gesellschaftlichen Hierarchien und 223 -Ausbeutungssystemen haben. Durch die öffentliche Vernachlässigung von 224 -BIPoC-Protesten wird das falsche Bild geschaffen, Menschen aus dem 225 -\\Beschluss Positionspapier zu Klimaschutz und Klimagerechtigkeit 226 -Seite 6 227 -Globalen Süden seien nicht am Umwelt- und Klimaschutz interessiert. Dies 228 -ist auf die Ideologie des weißen Naturschutzes zurückzuführen, die im 54 +\\6. Diskriminierungen wie Rassismus, Klassismus, Sexismus, Ableismus (Diskriminierung von be_hinderten Menschen) oder Ageism (Diskriminierung 55 +aufgrund des Alters) stellen soziale Ungleichheits- und Machtverhältnisse dar und wirken intersektional.[x] Sie drängen bestimmte gesellschaftliche 56 +Gruppen an die gesellschaftlichen Ränder. Von (Mehrfach-)Diskriminierung betroffene Gruppen haben daher in der Regel weniger ökonomische Ressourcen und gesellschaftliche Einflussmöglichkeiten. Sie können sich selbst nicht im gleichen Maße vor Klimafolgen absichern und werden in staatlichen Maßnahmen nicht unbedingt gleichermaßen berücksichtigt. So bekommen marginalisierte Gruppen die Folgen der globalen Erwärmung am stärksten zu spüren. Sie sind von der Klimakrise besonders betroffen, obwohl sie wenig zur Erderwärmung beigetragen haben.[xi] Gendergerechtigkeit ist eine wichtige Voraussetzung für Klimagerechtigkeit, da FLINTA*-Personen (Frauen, Lesben, Inter, Nichtbinär, Trans, Agender) vor allem Personen aus dem Globalen Süden, sehr stark von der Klimakrise betroffen sind.[xii] Insbesondere in den Bereichen der Organisation der Erwerbs- und Sorgearbeit, des Zugangs zu Ressourcen, Gesundheitsvorsorge und politischer Beteiligung sind diese stark benachteiligt. Sie haben meist einen geringeren sozialen Status, sowie weniger politische und wirtschaftliche Macht als Männer. Dies geht insbesondere auf die historisch bedingte androzentrische (männerzentrierte) Sichtweise in Institutionen und Politik zurück. Deswegen fordern wir das Aufbrechen der patriarchalen Strukturen sowie eine verstärkte Sichtbarkeit und Unterstützung von FLINTA*-Personen, (mehrfach-) diskriminierte Menschen sowie Menschen in prekären Lebenssituationen. 57 +\\7. Heutzutage stehen vor allem weiße Klima- und Umweltbewegungen im öffentlichen Fokus. Bewegungen von BIPoC (Black, Indigenous and People of Color) werden dabei meistens außer Acht gelassen und vernachlässigt – nur selten wird in den Medien über sie berichtet. Jedoch kämpfen BIPoC Aktivist*innen schon seit Jahrzehnten gegen die Auswirkungen der Klimakrise sowie gegen strukturelle Unterdrückungsmuster. Die Arbeit und 58 +das Engagement von insbesondere jungen BIPoC-Aktivist*innen müssen sichtbar gemacht und anerkannt werden, da gerade sie besonders stark von den Folgen der Klimakrise betroffen sind. (Einige Kurzvorstellungen von BIPoC-Klimaaktivist*innen können in der kostenlosen Broschüre „Kolonialismus und Klimakrise. Über 500 Jahre Widerstand“ nachgelesen werden.[ix]) Auch Widerstandsbewegungen von BIPoC bekommen wenig Aufmerksamkeit, obwohl sie sich schon früh bildeten. Widerstandsbewegungen von BIPoC-Aktivist*innen fordern, Umweltprobleme nicht isoliert zu 59 +betrachten. Stattdessen sollten sie als soziale Probleme behandelt werden, die ihren Ursprung in gesellschaftlichen Hierarchien und Ausbeutungssystemen haben. Durch die öffentliche Vernachlässigung von BIPoC-Protesten wird das falsche Bild geschaffen, Menschen aus dem 60 +Globalen Süden seien nicht am Umwelt- und Klimaschutz interessiert. Dies ist auf die Ideologie des weißen Naturschutzes zurückzuführen, die im 229 229 Kolonialismus verwurzelt ist.[ix] 230 -224 231 -225 232 -226 233 -Deutschland als einer der größten globalen Emittenten und als Land mit 234 -starken ökonomischen und technologischen Möglichkeiten trägt eine 235 -besondere Verantwortung. Deshalb muss Deutschland auch innerhalb der EU 236 -und auf internationaler Ebene für ambitionierte Reduktionsziele und 237 -konsequente Klimaschutzmaßnahmen eintreten. Insbesondere bei der 238 -Ausgestaltung von internationalen Handelsmechanismen mit CO2-Emissionen 239 -fordern wir die Bundesregierung auf, für eine robuste, faire und sichere 240 -Ausgestaltung einzutreten, damit es, anders als unter dem Kyoto-Protokoll, 241 -nicht zu massivem Missbrauch kommt. Dies bedeutet, dass die 242 -Anrechenbarkeit von Zertifikaten aus dem Kyoto-Mechanismus stark 243 -reglementiert und eingeschränkt werden muss. Zudem müssen Doppelzählungen 244 -und Schlupflöcher im Regelwerk ausgeschlossen werden und eine zusätzliche 62 +\\8. Deutschland als einer der größten globalen Emittenten und als Land mit starken ökonomischen und technologischen Möglichkeiten trägt eine 63 +besondere Verantwortung. Deshalb muss Deutschland auch innerhalb der EU und auf internationaler Ebene für ambitionierte Reduktionsziele und konsequente Klimaschutzmaßnahmen eintreten. Insbesondere bei der Ausgestaltung von internationalen Handelsmechanismen mit CO2-Emissionen 64 +fordern wir die Bundesregierung auf, für eine robuste, faire und sichere Ausgestaltung einzutreten, damit es, anders als unter dem Kyoto-Protokoll, 65 +nicht zu massivem Missbrauch kommt. Dies bedeutet, dass die Anrechenbarkeit von Zertifikaten aus dem Kyoto-Mechanismus stark reglementiert und eingeschränkt werden muss. Zudem müssen Doppelzählungen und Schlupflöcher im Regelwerk ausgeschlossen werden und eine zusätzliche 245 245 Reduktion der CO2-Emissionen erwirkt werden.[xiii] 246 -227 8. 247 -228 248 -229 249 -230 250 -231 251 -232 252 -233 253 -234 254 -235 255 -236 256 -237 257 -238 258 -239 259 -Länder und Menschen des Globalen Nordens profitieren von der 260 -Ressourcenausbeutung des Globalen Südens. Dies hat seinen Ursprung in der 261 -Kolonialzeit und hält bis heute an. Eine große Rolle spielt außerdem das 262 -kapitalistische System, dass insbesondere auf Profit und Gewinn aus ist. 263 -Unter anderem werden zugunsten des Globalen Nordens Rohstoffe sehr günstig 264 -importiert.[ix] So kommt es zu einer Ausbeutung von Tieren, Pflanzen, 265 -Menschen und Ökosystemen des Globalen Südens, die die Kosten unseres 67 +\\9. Länder und Menschen des Globalen Nordens profitieren von der Ressourcenausbeutung des Globalen Südens. Dies hat seinen Ursprung in der 68 +Kolonialzeit und hält bis heute an. Eine große Rolle spielt außerdem das kapitalistische System, dass insbesondere auf Profit und Gewinn aus ist. 69 +Unter anderem werden zugunsten des Globalen Nordens Rohstoffe sehr günstig importiert.[ix] So kommt es zu einer Ausbeutung von Tieren, Pflanzen, Menschen und Ökosystemen des Globalen Südens, die die Kosten unseres 266 266 Lebensstils tragen.[xiv] 267 -240 9. 268 -241 269 -242 270 -243 271 -244 272 -245 273 -246 274 -247 275 -10. Die Auswirkungen der Klimakrise sind bereits überall auf der Welt - 276 -wenn auch in ungleichem Maße - zu spüren. Szenarien zu erstellen, um 277 -diese greifbar zu machen, kann nur ein erster Schritt sein. Die 278 -aktive und zeitnahe Einrichtung beziehungsweise Anpassung von 279 -Entwässerungsanlagen oder Warnsystemen kann nicht schnell genug 280 -erfolgen. Grundsätzlich müssen Städte- und Häuserbau ebenso neu 281 -gedacht werden, wie viele andere Wirtschaftsbereiche auch.[xv] Eine 282 -besondere Bedeutung bei der Stadtentwicklung kommt dabei der 283 -Entsieglung von Flächen und dem Schaffen von Blau-Grüner Infrastruktur insbesondere in dicht bebauten Stadtteilen zu. Gerade 284 -in sozioökonomisch schwächeren Stadtteilen gibt es häufig einen 285 -hohen Anteil versiegelter Flächen, die sich im Sommer besonders 286 -stark aufheizen und so zu einem schlechteren Mikroklima führen. 287 -Aktiver Naturschutz sowie die Renaturierung und der Erhalt von 288 -Ökosystemen wie (Au-)Wäldern oder Mooren tragen aktiv zur Prävention 289 -bei. Dieser Umbau bietet durchaus Chancen: Es entstehen neue 290 -Möglichkeiten gesellschaftlichen und wirtschaftlichen 291 -Zusammenlebens. Hinzu kommt: Wer jetzt proaktiv investiert und 292 -Anstrengungen unternimmt, die Klimakrise einzudämmen, zahlt heute 293 -einen geringeren finanziellen sowie gesellschaftlichen Preis, als 294 -248 1. 295 -249 296 -250 297 -251 298 -252 299 -253 300 -254 301 -255 302 -256 303 -257 304 -258 305 -259 306 -260 307 -261 308 -262 309 -263 310 -264 311 -265 312 -266 313 -267 314 -Beschluss Positionspapier zu Klimaschutz und Klimagerechtigkeit 315 -Seite 7 316 -wenn in einigen Jahren ad-hoc Schutz- und Anpassungsmaßnahmen 71 +\\10. Die Auswirkungen der Klimakrise sind bereits überall auf der Welt - wenn auch in ungleichem Maße - zu spüren. Szenarien zu erstellen, um 72 +diese greifbar zu machen, kann nur ein erster Schritt sein. Die aktive und zeitnahe Einrichtung beziehungsweise Anpassung von 73 +Entwässerungsanlagen oder Warnsystemen kann nicht schnell genug erfolgen. Grundsätzlich müssen Städte- und Häuserbau ebenso neu 74 +gedacht werden, wie viele andere Wirtschaftsbereiche auch.[xv] Eine besondere Bedeutung bei der Stadtentwicklung kommt dabei der 75 +Entsieglung von Flächen und dem Schaffen von Blau-Grüner Infrastruktur insbesondere in dicht bebauten Stadtteilen zu. Gerade in sozioökonomisch schwächeren Stadtteilen gibt es häufig einen hohen Anteil versiegelter Flächen, die sich im Sommer besonders stark aufheizen und so zu einem schlechteren Mikroklima führen. Aktiver Naturschutz sowie die Renaturierung und der Erhalt von Ökosystemen wie (Au-)Wäldern oder Mooren tragen aktiv zur Prävention bei. Dieser Umbau bietet durchaus Chancen: Es entstehen neue Möglichkeiten gesellschaftlichen und wirtschaftlichen 76 +Zusammenlebens. Hinzu kommt: Wer jetzt proaktiv investiert und Anstrengungen unternimmt, die Klimakrise einzudämmen, zahlt heute 77 +einen geringeren finanziellen sowie gesellschaftlichen Preis, als wenn in einigen Jahren ad-hoc Schutz- und Anpassungsmaßnahmen 317 317 umgesetzt werden müssen. 318 -268 319 -269 320 -Bereits jetzt wird deutlich, dass die größten Schäden und Verluste 321 -diejenigen Länder treffen, die einen sehr geringen Anteil zu den globalen 322 -Treibhausgasemissionen beigetragen haben und zugleich nicht über die 323 -notwendigen Ressourcen verfügen, sich gegen die Schäden präventiv zu 324 -schützen. Deutschland muss als reiche Industrienation seine Verantwortung 325 -anerkennen und einen relevanten Beitrag zur Klimafinanzierung leisten. 326 -Dies muss in den Bereichen Emissionsminderung, Anpassung sowie 327 -Klimawandelschäden und -verluste erfolgen. Bislang hält die Gruppe 328 -wohlhabender Länder ihr Versprechen nicht, von 2020 bis 2025 jährlich 100 329 -Milliarden US-Dollar Klimafinanzierung für Länder des Globalen Südens 330 -bereitzustellen. Die Bundesregierung muss sich für die Erfüllung des Ziels 331 -stark machen und den eigenen Anteil von mindestens 8 Milliarden US-Dollar 332 -pro Jahr bis 2025 absichern. Das neue Klimafinanzierungsziel ab 2025 muss 333 -sich an den Bedarfen der am stärksten von der Klimakrise betroffenen 334 -Länder ausrichten. Ein deutscher Anteil von 10 Prozent an der Gesamtsumme 335 -muss sichergestellt werden.[xvi] Darüber hinaus muss sich die 336 -Bundesregierung dafür einsetzen, dass die Staatengemeinschaft die 337 -internationalen Finanzströme im Sinne des Klima- und Artenschutzes 79 +\\11. Bereits jetzt wird deutlich, dass die größten Schäden und Verluste diejenigen Länder treffen, die einen sehr geringen Anteil zu den globalen 80 +Treibhausgasemissionen beigetragen haben und zugleich nicht über die notwendigen Ressourcen verfügen, sich gegen die Schäden präventiv zu 81 +schützen. Deutschland muss als reiche Industrienation seine Verantwortung anerkennen und einen relevanten Beitrag zur Klimafinanzierung leisten. 82 +Dies muss in den Bereichen Emissionsminderung, Anpassung sowie Klimawandelschäden und -verluste erfolgen. Bislang hält die Gruppe 83 +wohlhabender Länder ihr Versprechen nicht, von 2020 bis 2025 jährlich 100 Milliarden US-Dollar Klimafinanzierung für Länder des Globalen Südens 84 +bereitzustellen. Die Bundesregierung muss sich für die Erfüllung des Ziels stark machen und den eigenen Anteil von mindestens 8 Milliarden US-Dollar pro Jahr bis 2025 absichern. Das neue Klimafinanzierungsziel ab 2025 muss sich an den Bedarfen der am stärksten von der Klimakrise betroffenen Länder ausrichten. Ein deutscher Anteil von 10 Prozent an der Gesamtsumme muss sichergestellt werden.[xvi] Darüber hinaus muss sich die Bundesregierung dafür einsetzen, dass die Staatengemeinschaft die internationalen Finanzströme im Sinne des Klima- und Artenschutzes 338 338 kanalisiert und steuert. 339 -270 11. 340 -271 341 -272 342 -273 343 -274 344 -275 345 -276 346 -277 347 -278 348 -279 349 -280 350 -281 351 -282 352 -283 353 -284 354 -285 355 -286 356 -287 357 -288 358 -Bereits heute beeinflusst die Klimakrise und die daraus resultierende 359 -Umweltzerstörung die Lebensumstände vieler Menschen so sehr, dass sie 360 -gezwungen sind, ihre Heimat zu verlassen. Sowohl nach der Genfer 361 -Flüchtlingskonvention als auch nach dem deutschen Asylrecht steht diesen 362 -Menschen bislang kein Schutz zu. Die Bundesregierung muss auf 363 -internationaler Ebene dafür eintreten, dies zu ändern und das nationale 86 +\\12.Bereits heute beeinflusst die Klimakrise und die daraus resultierende Umweltzerstörung die Lebensumstände vieler Menschen so sehr, dass sie 87 +gezwungen sind, ihre Heimat zu verlassen. Sowohl nach der Genfer Flüchtlingskonvention als auch nach dem deutschen Asylrecht steht diesen 88 +Menschen bislang kein Schutz zu. Die Bundesregierung muss auf internationaler Ebene dafür eintreten, dies zu ändern und das nationale 364 364 Recht anzupassen.[xvii] 365 -289 12. 366 -290 367 -291 368 -292 369 -293 370 -294 371 -295 372 -Die Zusammenhänge zwischen dem Verlust der Artenvielfalt und der 373 -Klimakrise sind eindeutig. Untrennbar und sich gegenseitig verstärkend 374 -stellen beide Entwicklungen eine Krise von existenzieller Bedrohung dar. 375 -Der Schutz von Ökosystemen und biologischer Vielfalt muss künftig viel 376 -mehr Raum bei der Ausgestaltung von Klimaschutzmaßnahmen einnehmen als 377 -bisher. Ohne konsequente Naturschutz- und Renaturierungsmaßnahmen können 378 -die Emissionsminderungsziele nicht erreicht werden. Dies bestätigen die 379 -Berichte des Weltbiodiversitätsrat (IPBES)[xviii] und des Weltklimarats 380 -(IPCC)[xix]. Zudem sind intakte Ökosysteme notwendig, um die Resilienz 381 -gegenüber dem sich ändernden Klima zu erhöhen. Natürliche Lösungen 382 -(sogenannte NBS, Nature-based Solutions) müssen in der Debatte um 383 -Klimaschutzmaßnahmen stärker als bisher bedacht werden. Gleichzeitig 384 -müssen Klimaschutzmaßnahmen hinsichtlich ihres Einflusses auf die 90 +\\13.Die Zusammenhänge zwischen dem Verlust der Artenvielfalt und der Klimakrise sind eindeutig. Untrennbar und sich gegenseitig verstärkend 91 +stellen beide Entwicklungen eine Krise von existenzieller Bedrohung dar. Der Schutz von Ökosystemen und biologischer Vielfalt muss künftig viel 92 +mehr Raum bei der Ausgestaltung von Klimaschutzmaßnahmen einnehmen als bisher. Ohne konsequente Naturschutz- und Renaturierungsmaßnahmen können die Emissionsminderungsziele nicht erreicht werden. Dies bestätigen die 93 +Berichte des Weltbiodiversitätsrat (IPBES)[xviii] und des Weltklimarats (IPCC)[xix]. Zudem sind intakte Ökosysteme notwendig, um die Resilienz 94 +gegenüber dem sich ändernden Klima zu erhöhen. Natürliche Lösungen (sogenannte NBS, Nature-based Solutions) müssen in der Debatte um 95 +Klimaschutzmaßnahmen stärker als bisher bedacht werden. Gleichzeitig müssen Klimaschutzmaßnahmen hinsichtlich ihres Einflusses auf die 385 385 Biodiversität überprüft werden. 386 -296 13. 387 -297 388 -298 389 -299 390 -300 391 -301 392 -302 393 -303 394 -304 395 -305 396 -306 397 -307 398 -308 399 -309 400 -Laut IPCC-Sonderbericht 2019 ist die Landnutzung weltweit für 23 Prozent 401 -aller Emissionen verantwortlich.[xix] Die Landwirtschaft ist somit 402 -weltweit einer der Haupttreiber der Klimakrise und hat gleichzeitig massiv 403 -mit deren Folgen zu kämpfen. Die NAJU trägt die Forderungen der 404 -Zukunftskommission Landwirtschaft mit[xx] und setzt sich für einen 405 -Brückenschlag zwischen Naturschützer*innen und Landwirt*innen ein. Eine 406 -310 14. 407 -311 408 -312 409 -313 410 -314 411 -315 412 -Beschluss Positionspapier zu Klimaschutz und Klimagerechtigkeit 413 -Seite 8 414 -klimaresiliente Landwirtschaft sorgt nicht nur für Lebensmittelsicherheit 415 -weltweit und kann so die Versorgung der Weltbevölkerung zukünftig 416 -garantieren, sondern sichert auch Arbeitsplätze. Darüber hinaus ist der 417 -Umbau zu einer resilienten, fairen und naturnahen Landwirtschaft der 97 +\\14.Laut IPCC-Sonderbericht 2019 ist die Landnutzung weltweit für 23 Prozent aller Emissionen verantwortlich.[xix] Die Landwirtschaft ist somit 98 +weltweit einer der Haupttreiber der Klimakrise und hat gleichzeitig massiv mit deren Folgen zu kämpfen. Die NAJU trägt die Forderungen der 99 +Zukunftskommission Landwirtschaft mit[xx] und setzt sich für einen Brückenschlag zwischen Naturschützer*innen und Landwirt*innen ein. Eine 100 +klimaresiliente Landwirtschaft sorgt nicht nur für Lebensmittelsicherheit weltweit und kann so die Versorgung der Weltbevölkerung zukünftig 101 +garantieren, sondern sichert auch Arbeitsplätze. Darüber hinaus ist der Umbau zu einer resilienten, fairen und naturnahen Landwirtschaft der 418 418 Schlüssel für den Erhalt der Biodiversität.[xxi] 419 -316 420 -317 421 -318 422 -319 423 -320 424 -Der Verkehrssektor ist der einzige Sektor, in dem die CO2-Emissionen in 425 -Deutschland seit 1990 nicht gesunken sind.[xxii] 2019 wurden noch mehr als 426 -ein Fünftel der Emissionen im Verkehr verursacht. Die Wende zu einer 427 -postfossilen ressourcensparenden Mobilität ist nicht nur aus Sicht des 428 -Klimaschutzes, sondern auch aus gesundheitlichen und sozialen Gründen 429 -überfällig. Der Straßenverkehr macht in Deutschland fast 95 Prozent der 430 -Emissionen in diesem Sektor aus,[iv] sodass hier der entscheidende Hebel 431 -besteht. Ab 2030 sollen keine Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor mehr 432 -zugelassen werden. Allerdings kann die Lösung nicht sein, alle Fahrzeuge 433 -durch solche mit Elektro-Antrieb zu ersetzen. Einhergehend mit einer 434 -Preisreduzierung und dem Ausbau des ÖPNV sowie der Rad- und 435 -Fußverkehrsinfrastruktur, muss der individuelle Automobilverkehr deutlich 436 -reduziert werden. Um längere Distanzen zu überwinden, muss die Bahn in der 437 -Taktung, der Preisgestaltung sowie dem Service angepasst werden. 438 -Kurzstreckenflüge bis 1.000 Kilometer müssen zeitnah ersetzt werden. Damit 439 -auch alle Menschen den ÖPNV tatsächlich nutzen können, muss dieser mitsamt 440 -seiner Infrastruktur flächendeckend barrierefrei gestaltet werden und 441 -strukturelle Benachteiligungen wie die schlechtere Anbindung von 442 -sozioökonomisch vermeintlich schwächeren Stadtteilen und Regionen abgebaut 443 -werden. Der ÖPNV und die entsprechende Infrastruktur wie Bahnhöfe müssen 444 -auch sichere Orte insbesondere für von (Mehrfach-)Diskriminierung 445 -betroffenen Menschen werden, um eine alternative zum Motorisierten 446 -Individualverkehr zu werden. Wir verweisen auf die Positionspapiere der 447 -NAJU[xxiii] sowie des Deutschen Bundesjugendrings[xxiv] zur 448 -Mobilitätswende. 449 -321 15. 450 -322 451 -323 452 -324 453 -325 454 -326 455 -327 456 -328 457 -329 458 -330 459 -331 460 -332 461 -333 462 -334 463 -335 464 -336 465 -337 466 -338 467 -339 468 -340 469 -341 470 -342 471 -343 472 -344 473 -345 474 -Um auf die Herausforderungen des gesellschaftlichen, technologischen und 475 -kulturellen Umbaus angesichts der Klimakrise angemessen reagieren zu 476 -können, sind Verständnis und Handlungskompetenz in der Breite der 477 -Gesellschaft notwendig. Bildungsarbeit im formellen sowie informellen 478 -Bereich ist von größter Bedeutung bei der Gestaltung der Gesellschaft in 479 -Zeiten der Klimakrise. Die Klimakrise und ihre Auswirkungen müssen 480 -zentrale Inhalte in Bildungsplänen und Rahmenlehrplänen sein. Von 481 -besonderer Bedeutung ist dabei nicht nur der bloße Umgang mit Kennzahlen 482 -und Fakten, sondern auch ein lösungs- und handlungsorientierter Ansatz. 483 -Nur mit der Kompetenz, sich Herausforderungen zu stellen, diese zu 484 -moderieren und unter Einbeziehung unterschiedlicher Perspektiven gezielt 485 -anzugehen, kann die Gesellschaft der Klimakrise wirkungsvoll begegnen. Das 486 -Konzept einer Bildung für Nachhaltige Entwicklung stellt hierfür die 487 -Grundlage dar.[xxv] 488 -346 16. 489 -347 490 -348 491 -349 492 -350 493 -351 494 -352 495 -353 496 -354 497 -355 498 -356 499 -357 500 -358 501 -359 502 -17. Besonders vulnerable Gruppen müssen umfassend an politischen und 503 -gesellschaftlichen Entscheidungsprozessen beteiligt werden. Neben 504 -anderen marginalisierten Gruppen werden die Klimafolgen insbesondere 505 -heutige junge und zukünftige Generationen treffen, die keine direkte 506 -360 1. 507 -361 508 -362 509 -363 510 -Beschluss Positionspapier zu Klimaschutz und Klimagerechtigkeit 511 -Seite 9 512 -Wir verweisen auf die anderen Positionspapiere der NAJU sowie auf die Positionen 103 +\\15.Der Verkehrssektor ist der einzige Sektor, in dem die CO2-Emissionen in Deutschland seit 1990 nicht gesunken sind.[xxii] 2019 wurden noch mehr als ein Fünftel der Emissionen im Verkehr verursacht. Die Wende zu einer postfossilen ressourcensparenden Mobilität ist nicht nur aus Sicht des 104 +Klimaschutzes, sondern auch aus gesundheitlichen und sozialen Gründen überfällig. Der Straßenverkehr macht in Deutschland fast 95 Prozent der Emissionen in diesem Sektor aus,[iv] sodass hier der entscheidende Hebel besteht. Ab 2030 sollen keine Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor mehr 105 +zugelassen werden. Allerdings kann die Lösung nicht sein, alle Fahrzeuge durch solche mit Elektro-Antrieb zu ersetzen. Einhergehend mit einer 106 +Preisreduzierung und dem Ausbau des ÖPNV sowie der Rad- und Fußverkehrsinfrastruktur, muss der individuelle Automobilverkehr deutlich 107 +reduziert werden. Um längere Distanzen zu überwinden, muss die Bahn in der Taktung, der Preisgestaltung sowie dem Service angepasst werden. 108 +Kurzstreckenflüge bis 1.000 Kilometer müssen zeitnah ersetzt werden. Damit auch alle Menschen den ÖPNV tatsächlich nutzen können, muss dieser mitsamt seiner Infrastruktur flächendeckend barrierefrei gestaltet werden und strukturelle Benachteiligungen wie die schlechtere Anbindung von 109 +sozioökonomisch vermeintlich schwächeren Stadtteilen und Regionen abgebaut werden. Der ÖPNV und die entsprechende Infrastruktur wie Bahnhöfe müssen auch sichere Orte insbesondere für von (Mehrfach-)Diskriminierung betroffenen Menschen werden, um eine alternative zum Motorisierten Individualverkehr zu werden. Wir verweisen auf die Positionspapiere der 110 +NAJU[xxiii] sowie des Deutschen Bundesjugendrings[xxiv] zur Mobilitätswende. 111 +\\16.Um auf die Herausforderungen des gesellschaftlichen, technologischen und kulturellen Umbaus angesichts der Klimakrise angemessen reagieren zu können, sind Verständnis und Handlungskompetenz in der Breite der Gesellschaft notwendig. Bildungsarbeit im formellen sowie informellen 112 +Bereich ist von größter Bedeutung bei der Gestaltung der Gesellschaft in Zeiten der Klimakrise. Die Klimakrise und ihre Auswirkungen müssen zentrale Inhalte in Bildungsplänen und Rahmenlehrplänen sein. Von besonderer Bedeutung ist dabei nicht nur der bloße Umgang mit Kennzahlen 113 +und Fakten, sondern auch ein lösungs- und handlungsorientierter Ansatz. Nur mit der Kompetenz, sich Herausforderungen zu stellen, diese zu 114 +moderieren und unter Einbeziehung unterschiedlicher Perspektiven gezielt anzugehen, kann die Gesellschaft der Klimakrise wirkungsvoll begegnen. Das Konzept einer Bildung für Nachhaltige Entwicklung stellt hierfür die Grundlage dar.[xxv] 115 +\\17. Besonders vulnerable Gruppen müssen umfassend an politischen und gesellschaftlichen Entscheidungsprozessen beteiligt werden. Neben 116 +anderen marginalisierten Gruppen werden die Klimafolgen insbesondere heutige junge und zukünftige Generationen treffen, die keine direkte 117 + 118 +18. Unsere Ressourcen auf dem Planeten sind begrenzt, weshalb grenzenloses Wachstum eine Illusion ist. Zugleich führt das Streben 119 +nach immer größeren Profiten zu einer immer größeren Ungleichverteilung des Wohlstandes und zerstört Natur und Umwelt. Um 120 +Klimagerechtigkeit in unserer Gesellschaft zu schaffen, braucht es eine umfassende gesellschaftliche Transformation.[xxix] Technische 121 +Innovationen allein können die Klimakrise nicht lösen. Umweltprobleme können nicht isoliert betrachtet werden, sondern müssen als soziale Phänomene verstanden werden. Ökologische und soziale Aspekte können sich wechselseitig verstärken – im Positiven wie im Negativen. 122 +\\Wir verweisen auf die anderen Positionspapiere der NAJU sowie auf die Positionen 513 513 des NABU (Naturschutzbund Deutschland) e.V. 514 514 [i]Zum „Capitalocene”: 515 515 Moore, J. W. 2016: Anthropocene or Capitalocene? Nature, history, and the crisis ... ... @@ -546,67 +546,6 @@ 546 546 Ebenen gewährleistet sein, sei es durch Abschaffung des 547 547 Wahlalters[xxviii] oder durch Schaffung entsprechender Gremien und 548 548 Posten. 549 -364 550 -365 551 -366 552 -367 553 -368 554 -369 555 -370 556 -371 557 -372 558 -373 559 -374 560 -18. Unsere Ressourcen auf dem Planeten sind begrenzt, weshalb 561 -grenzenloses Wachstum eine Illusion ist. Zugleich führt das Streben 562 -nach immer größeren Profiten zu einer immer größeren 563 -Ungleichverteilung des Wohlstandes und zerstört Natur und Umwelt. Um 564 -Klimagerechtigkeit in unserer Gesellschaft zu schaffen, braucht es 565 -eine umfassende gesellschaftliche Transformation.[xxix] Technische 566 -Innovationen allein können die Klimakrise nicht lösen. 567 -Umweltprobleme können nicht isoliert betrachtet werden, sondern 568 -müssen als soziale Phänomene verstanden werden. Ökologische und 569 -soziale Aspekte können sich wechselseitig verstärken – im Positiven 570 -wie im Negativen. 571 -375 1. 572 -376 573 -377 574 -378 575 -379 576 -380 577 -381 578 -382 579 -383 580 -384 581 -385 582 -386 583 -387 584 -388 585 -389 586 -390 587 -391 588 -392 589 -393 590 -394 591 -395 592 -396 593 -397 594 -398 595 -399 596 -400 597 -401 598 -402 599 -403 600 -404 601 -405 602 -406 603 -407 604 -408 605 -409 606 -410 607 -411 608 -Beschluss Positionspapier zu Klimaschutz und Klimagerechtigkeit 609 -Seite 10 610 610 [iv] Sachverständigenrat für Umweltfragen 2020: Für eine entschlossene 611 611 Umweltpolitik in Deutschland und Europa. Kurzfassung. URL, aufgerufen am 612 612 05.09.2023. ... ... @@ -650,51 +650,6 @@ 650 650 Ecosystem Services. E. S. Brondizio, J. Settele, S. Díaz, and H. T. Ngo (eds.). 651 651 Bonn: IPBES Sekretariat, https:~/~/doi.org/10.5281/zenodo.3831673 . URL, 652 652 aufgerufen am 05.09.2023. 653 -412 654 -413 655 -414 656 -415 657 -416 658 -417 659 -418 660 -419 661 -420 662 -421 663 -422 664 -423 665 -424 666 -425 667 -426 668 -427 669 -428 670 -429 671 -430 672 -431 673 -432 674 -433 675 -434 676 -435 677 -436 678 -437 679 -438 680 -439 681 -440 682 -441 683 -442 684 -443 685 -444 686 -445 687 -446 688 -447 689 -448 690 -449 691 -450 692 -451 693 -452 694 -453 695 -454 696 -Beschluss Positionspapier zu Klimaschutz und Klimagerechtigkeit 697 -Seite 11 698 698 [xix] IPCC 2019: Summary for Policymakers. In: Climate Change and Land: an IPCC 699 699 special report on climate change, desertification, land degradation, sustainable 700 700 land management, food security, and greenhouse gas fluxes in terrestrial